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Landwirtschaft - 2

erschienen in: Heft 2/2026

Die Entwicklung der Landwirtschaft unseres Heimatortes im Laufe seiner 770jährigen Geschichte

Ein Beitrag zur Ortsgeschichte

Nachdem wir im Teil 1 unseres Beitrages einige grundsätzliche Fragen zur Besiedlung unseres Heimatortes behandelt haben, wollen wir uns im Teil 2 der weiteren Entwicklung der Landwirtschaft im Zusammenwirken mit dem Handwerk sowie Handel und Versorgung unter Einbeziehung der bestehenden Eigentumsverhältnisse zuwenden.
Da, wie schon oft dargestellt und bemängelt, leider zu unserem Heimatort recht wenig schriftliche Arbeiten oder Dokumente vorliegen, müssen wir uns mit vorhandenen Unterlagen aus unserer näheren Umgebung bzw. mit wissenschaftlichen Arbeiten grundsätzlicher Art behelfen. Damit sollten wir in der Lage sein, die Entwicklung im Bereich in und um Wittgensdorf grundsätzlich nachzuzeichnen und mit einiger Sicherheit darzustellen. Eine wertvolle Arbeit in dieser Hinsicht stellt hier eine Arbeit des schon oft zitierten Heimatforschers, Herr Arthur Beil, Oberlehrer in Burgstädt, wohnhaft in Taura, dar.
In seiner Schrift „Aus vergangenen Tagen“ – Ein Beitrag zur Wirtschaftsgeschichte der Herrschaft Penig in der Zeit von 1400 – 1800 von Oberlehrer Arthur Beil“ beschreibt er diese Entwicklung für die Herrschaft Penig im Kerngebiet (Orte: Chursdorf, Göppersdorf, Hartmannsdorf, Markersdorf bei Penig, Penig, Mühlau, Nieder- und Mittelfrohna Taura, Reitzenhain – OT von Köthensdorf etc.) mit sehr engen Kontakten und Verbindungen zur Herrschaft Rochsburg und ihren Ortschaften. Zu dieser Herrschaft gehörte auch Wittgensdorf.
Nach der Abhandlung der sich vielfach verändernden Eigentumsverhältnisse im Großraum zwischen Chemnitz, Zwickau und Rochlitz ging Beil auf Lebensumstände der Kolonisten ein.

Zur übersichtlichen Einordnung der darzustellenden Themen und Ereignisse bedienen wir uns deshalb einer überlieferten Aufstellung der Lehnsherren und signifikanter Ereignisse unseres Heimatortes.

Wie schon im Teil 1 unseres Beitrages dargelegt, übernahmen die Ansiedler mit der Übernahme des Lehens auch die Pflichten gegenüber den Grundherren. Sie hatten Frondienst bei deren Flurbestellungen zu leisten, sie verrichteten den Gespanndienst, Empfänger kleiner Lehen waren zu Handdiensten verpflichtet. Wichtig ist dazu noch zu bemerken, dass Art und Umfang der Frondienste allein durch den Grundherrn festgelegt wurden. In [06] lesen wir dazu auf Seite 32 ff: „Naturalleistungen und Arbeitsdienste wurden ab dem 12. Jahrhundert sukzessive durch Grundrenten ersetzt. Grundherrschaftlich gebundene Landbewohner hatten somit nicht nur die Möglichkeit, ihren auch durch Verbesserung der Anbaumethoden erzielten Produktionsüberschuss in Geldmittel umzusetzen, sondern waren durch ihre Verpflichtungen gar dazu gezwungen.“
Das Leben im Ort ging seinen mehr oder weniger geordneten Gang, es entwickelten sich alle zum Leben notwendigen Gewerke. Heinrich von Waldenburg und Wolkenstein ließ das Vorwerk erbauen und setzte einen Vogt als Verwalter zur Durchsetzung seiner „Rechte“ ein.

1322

Heinrich, Herr von Waldenburg und Wolkenstein, Vogt des Klosters Chemnitz von 1301 bis 1343 (geb. um 1278, gest. nach 1343) reicht das Dorf Wittgensdorf dem Kloster Chemnitz.
Ein exakter urkundlicher Nachweis kann allerdings NICHT erbracht werden. In der Urkundensammlung "CODEX DIPLOMATICUS SAXONIAE REGIAE" finden wir aber im "Urkundenbuch der Stadt Chemnitz und ihrer Klöster " (CDS II 6); Urkunden des Benediktinerklosters, die Urkunde Nummer 338 von 1322, in welcher wir lesen

Aus diesen Zeilen können wir ersehen, dass solche „Reichungen“ zur Stärkung der eigenen Einflußsphäre durchaus üblich waren.

Diese oben dargestellte Entwicklung in Bezug auf Landwirtschaft, Handwerk und Bevölkerungszahl wurde durch die in der Mitte des 14. Jahrhundert eingeschleppte Pest abrupt beendet. Dazu lesen wir auf Seite 35 in [6]: „Nur wenigen Gebieten Mitteleuropas blieb das große Sterben erspart. Das nach wie vor herrschaftlich stark partikularisierte Territorium des heutigen Sachsens zählte nicht dazu. Analog zu Gesamteuropa brach dessen Einwohnerzahl zwischen 1347 und 1352 wahrscheinlich um 30 bis 50 Prozent ein.“

1372

Die Herrschaft Waldenburg gelangte in die Hände der Herren von Schönburg – Glauchau

1400

Ilse, Friedrich von Korbitz` eheliche Wirtin erhielt für ihr Leibgedinge die Ortschaften Rochsburg, Arndorf, Wittgensdorf, Mangberg usw.

1414

Friedrich Markgraf zu Meißen, leiht Fridrune, der Gattin Albrechts des Burggrafen zu Leisnig und Herrn zu Rochsburg u.a. das Dorf "Wittichindorf" mit dem forbrig, zinsen, Archin, fischereien und das wassergut Kempnitz von der molen Wittichendorf bis an den schwarzenstock zum Leibgedinge. Sonntag nach drei königstage 1414. Sie ist eine Gräfin von Stollberg".
(Lehnbuch Friedrich des Strengen, Markgraf von Meißen, Cop. 1303, fol. 106)

1415

Bei einer Reparatur des Kirchturmdaches fand man im Kirchturmknopf der Kirche Wittgensdorf eine auf das Jahr 1415 datierte Abschrift. Wortlaut: Anno 1415 fielen die Hussiten in Sachsen ein und verheerten alles um Chemnitz herum, dieses Wittgensdorf ist auch fast zu Grund verwüstet worden.

1436

Bei der Teilung der Herrschaft Penig - Rochsburg wurde Wittgensdorf als Bestandteil der Herrschaft Rochsburg aufgeführt., wir finden die Schreibweise „Witzchindorff“

1448

Musste die Herrschaft Rochsburg wegen Überschuldung verkauft werden, war kurz in der Hand Heinrichs von Gera, nach mehreren Besitzern gelangte sie 1488 in den Besitz Herzog Albrechts, Georg der Bärtige tauschte sie 1503 mit den Herren von Ende gegen die Burg Kriebstein. Ab 1548 war sie Teil der sächsischen Lehen der Herren von Schönburg.

1493

Hans von Einsiedel, wohnhaft zu Penig, bekannte, dass er mit Wissen seiner ehelichen Wirtin Magdalena und seinen berechtigten Verwandten den Hof und die Güter zu Wittichendorf, von Herzog Georg zu Lehen rührend, an den ehrbaren Ulrich Schütz von Chemnitz (1484 bis 1502 Mitglied im Chemnitzer Ratskollegium, 2x Bürgermeister in dieser Zeit) vollständig verkauft habe.

Hier kommen wir nun zu einem weiteren belegten Ereignis der Geschichte. Es ist die im Jahr 1501 von Kaiser Friedrich III. eingeführte, im Volksmund als „Türkensteuer“ bezeichnete, „Reichstürkenhilfe“. Diese Steuer wurde auch in Sachsen erhoben. In [05] lesen wir dazu:
„Die Türkensteuer in Sachsen war eine allgemeine Abgabe, die zur Deckung der Kosten einer bewaffneten Hilfe gegen die Türken erhoben wurde. Die Steuer war eine KOPFSTEUER, die von jedem über 20 Jahre alten Mann erhoben wurde, und war nicht nur für die Reichsstände, sondern auch für Adelige, Geistliche und Klöster verpflichtend“.
Das Sächsische Hauptstaatsarchiv Dresden stellte uns das Digitalisat einer Liste der steuerpflichtigen männlichen Bewohner Wittgensdorf (und offenbar als Besitzerin eines Anwesens oder Hofes zwei weibliche Namen: „Zumheserin und Dy Richterin) mit gesamt 43 Namen aus dem Bestand „Geheimer Rat (Geheimes Archiv) Loc. 10 505 / 9 zur Verfügung. Nachstehend der Buchrücken des Dokumentes und die ersten Namen unter der Überschrift Wittgensdorf als Beispiel, nebenstehend die lesbare Transkription.

Wittichendorff
Nicl steyner
Nicl richter
Hanß porger
Valten zammermann
Gregor muller
Hensel trautmann
Merten heynick
Jost ditterich
Jacoff heynick

Auch unser hochverehrter Kirchenbuchführer Arno Hempel bearbeitete ein im Kirchenarchiv liegendes Fragment dieser Namensliste. Interessant dabei ist, dass in dieser Namensliste viele auch der heute noch vorkommenden Familiennamen auftauchen. Z. Bsp.: Steiner, Richter, Müller Heinich, Trautmann, Dittrich, Wilhelm, Windisch, Kretzschmar, Berger, Weinrich, Türpe und andere. Zur Vollständigkeit fügen wir hier das Titelblatt seiner Aufzeichnung ein:

Quelle: Kirchenarchiv KG Wittgensdorf

1503

Tauschten die Brüder Heinrich und Götz von Ende mit Georg dem Bärtigen Kriebstein gegen Rochsburg und gelangten so in den Besitz von Rochsburg und Wittgensdorf.

An dieser Stelle ist noch eine Bemerkung hinsichtlich des Verhältnisses der Bauernschaft zu den Grundherren einzufügen:
Wie o.a., kam es infolge der Pestepidemie zu einem signifikanten Einbruch der Bevölkerungsdichte. Dies betraf in hohem Maße die Landbevölkerung. Ganze Familien erloschen, die Bauerngüter verfielen und die Landwirtschaft erlitt landesweit in ihrer Wirtschaftskraft große Einbußen. Das bedeute aber auch, dass die Belastung der Landbevölkerung durch Fronleistungen, Steuern und dgl. auf ein erträgliches Niveau abgesenkt werden musste, um deren ausreichende Regeneration zu sichern. Damit waren für diese Bevölkerungsteile einigermaßen erträgliche Verhältnisse gegeben. Dies änderte sich aber wieder mit dem Erstarken der Bevölkerungsdichte. In [8] ist dazu ausgeführt: Die Belastung durch Fronleistungen jeglicher Art nahm ständig zu, wirtschaftliche Not und soziales Elend, Schwierigkeiten, gegenüber Grund-, Leib- und Gerichtsherren Recht zu erhalten, und nicht zuletzt Missstände in Adel und Klerus führten letztendlich zum Ausbruch von Aufständen der Bauernschaft (1524 im Elsass, in Oberschwaben, Württemberg, Franken, Thüringen). Diese gipfelten dann im Bauernkrieg von 1525. Von April bis Juli 1525 kam es zu mehreren großen Schlachten, bei denen Zehntausende Bauern getötet wurden. Auf den Aufstand folgte grausame Rache: Die Adelsheere zogen plündernd und brandschatzend durch die Dörfer. Ehemalige Aufständische wurden hingerichtet, verstümmelt oder verbannt. Insgesamt etwa 70.000 Bauern bezahlten ihren Einsatz für die Freiheit mit dem Leben.
Die Macht der Fürsten konnte wieder hergestellt und gestärkt werden. Nur in einigen wenigen Regionen gewährten die Adligen den Bauern aus Angst vor weiteren Aufständen einige Freiheiten, senkten Abgaben und Frondienste. Zudem verbesserten sich die Möglichkeiten der Bauern, sich bei Konflikten mit ihren Herren an die Gerichte zu wenden.
Jedoch nutzten die Grundherren auch alle Möglichkeiten, um die ihnen entgangenen Geld- und Naturalmittel von ihren Untertanen wieder zu erlangen. Als bezeichnendes Beispiel soll uns eine Steuer auf die verlehnten Fluren und die darauf bestehenden Höfe und landwirtschaftlichen Einrichtungen dienen.
Aus dieser Zeit gibt uns eine Transkription aus dem Archiv unserer Kirche (Bearbeitet von Norbert Schaidl (* 1899), Familienforscher und Bearbeiter des Chemnitzer Familienbuches, Dietzelstraße [heute: Hofer Straße) 571, Chemnitz9], vom dem Ende der 30iger Jahre) wertvolle Auskünfte.
In diesem Dokument unter dem Namen: Landsteuerregister Nr. 305 / Nr. 15 Amt Rochsburg, 1530 werden für Wittgensdorf auf den Blättern Nr. 37a bis 43a (zusammen 13 Blätter) für 50 steuerpflichtige Anwesen die zu zahlende Steuern ausgewiesen.
Zur Anschaulichkeit fügen wir hier 3 Eintragungen im Original und der zugehörigen Transkriptionen ein:

Jost Ritter, der Richter

Variante 2 (Ausschreibungen, stillschweigende Anpassung der Laute u. Auflösung der Zahlzeichen):
Jost Ritter der Richter schazt sich uf 35 Schock, farit steuer 23 Groschen 4 Pfennige, hat 2 Knecht, ein maidt, dinen itzlichs under unnß, geben hauptgelt 3 Groschen, hat 2 hausgenossen, geben hauptgelt 2 Groschen.

Heute zu lesen:
Jost Ritter der Richter wird geschätzt auf 35 Schock, zahlt Steuer 23 Groschen 4 Pfennige, hat 2 Knechte, eine Magd, dienen uns jetzt, gibt für sie 3 Groschen Hauptgeld, hat 2 Hausgenossen, gibt für sie 2 Groschen Hauptgeld.

Martha Heinichin

Variante 2:
Martha heinichin schazt sich uff 20 Schock, farit steuer 13 Groschen 4 Pfennig, hat ein schwester, ein Jüngen, hat ein haußgenos mit einem weibe, geben hauptgeld 4 Groschen.

Heute zu lesen:
Martha Heinichin wird geschätzt auf 20 Schock, zahlt Steuer 13 Groschen 4 Pfennige. Hat eine Schwester, einen Jungen, hat einen Hausgenossen mit einem Weibe, zahlen 4 Groschen Hauptgeld.

Peter Erhart und Summe des Dorfes Wittgenndorff

Peter Erhart, ein Hausgenosse der Gemeinde hat in Weib und gibt 2 Groschen Hauptgeld.
Summe des Dorfes Witgenndorf zu zahlende Steuer
16 Schock, 36 Groschen, 10 Pfennige

Zum Verständnis der aufgeführten „Steuerfestlegungen“ des Amtes Rochsburg sind jedoch zwei Erläuterungen erforderlich:

Zur Einordnung der Bezeichnung „Schock“:
Hierbei handelt es sich um eine Zählmaß (1 Schock = 60 Stück; in einem Maßsysteme entspricht ein Zähl- oder Stückmaß einer bestimmten Anzahl eines Handelsgutes, das eine genau definierte Menge (Stückzahl) und Größe beinhaltet] mit der der Einfachheit halber große Stückzahlen reduziert wurden, d.h., eine Größe von 10 Schock(Groschen) sind 10 x 60 Groschen gleich 600 Groschen.
Die in den o.a. Beispielen benannten Schätzgrößen des Amtes Rochsburg beziehen sich auf den Wert [Steuer-Schock] des Anwesens, d.h., den Wert des zum Hof gehörigen Landes, der Wert der Gebäude und der zugehörigen Einrichtung sowie auf die jährliche Ertragsgröße des Wirtschaft

Zur Einordnung der benannten Geldsummen:
Dazu dient uns ein Auszug aus [2] zur „Leipziger Münzordnung“ aus dem Jahr 1500. „Im ausgehenden 15. Jahrhundert führten neue technische und wirtschaftliche Methoden des sächsischen Bergbaus zu einer ungewöhnlich hohen Silberausbeute. Das führte dazu, dass Friedrich III. (1486–1525) und sein Bruder Johann der Beständige (1486/1525–1532) in Einvernehmen mit Georg dem Bärtigen (1500–1539) die „Leipziger Münzordnung“ von 1500 verkündeten. Danach soll ein silberner Gulden für einen Goldgulden geschlagen und genommen werden. Die Bemühungen um eine reine Silberwährung sollte mit der Einführung der neuen Münzordnung zum Erfolg geführt werden. Der Feingehalt der neuen silbernen Gulden von 27,4 g entsprach wertmäßig dem damaligen Goldwert des rheinischen Goldguldens bei einem Wertverhältnis von Gold zu Silber von 1 : 10,8. Einen sprachlichen Unterschied gab es offiziell zwischen silbernen und goldenen Gulden nicht. Beide Münzen waren gleichwertig und hießen Gulden. Mit dem reich gegliederten Münzsystem und den hohen Auflagen der silbernen Gulden (später Taler) gelang es, die Goldgulden zurückzudrängen.

Eine Übersicht über das Münzsystem gibt uns eine Tabelle nach Paul Arnold in [3]

GuldenSchreckenbergerZinsgroschen½ SchwertgroschenPfennigHeller
Gulden172142252504
Schreckenberger1/71363672
Zinsgroschen1/211/3121224
½ Schwertgroschen1/421/6½1612
Pfennig1/2321/361/121/612
Heller1/5041/721/241/12½1

Ausprägung nach [3]

MünznominalGewicht [g]Feinsilber [g]Feingehalt [0/00]
Gulden29,2327,4937,5

1548

Kaufen die Brüder Hugo, Georg und Wolf von Schönburg die Herrschaft Rochsburg für 50 000 Gulden. Es sind dies die Herren von Waldenburg und Penig - Glauchau. Der Chronist schreibt dazu in [07] auf Seite 10: Seit dieser Zeit wird Wittgensdorf fest in den Urkunden der Rochsburg erwähnt und steht in deren Frönerverzeichnis an erster Stelle. Die Frondienste, die ehedem jahreszeitlich festgelegt waren, werden jetzt zu jeder Zeit und Gelegenheit gefordert. Die Wittgensdorfer müssen nach Rochsburg fronen gehen, die Mohsdorfer wiederum auf das Wittgensdorfer Vorwerk. Aus dieser Zeit stammt das ehemalige „Fronhaus“, ein Nachtquartier für die Mohsdorfer Fröner, und der Hofe- oder Fronweg.

1620

Pfarrer Andreas Freitag legte das erste Kirchenbuch von Wittgensdorf und Murschnitz an. Auf der ersten Seite ist geschrieben:

Registratur und Verzeichnis derer Kinder und Ihrer Paten, so allhier zu Witigensdorff
getauft sind angefangen von mir Andreas Freitagen, Pfarrer daselbst

A N N O 1 6 2 0

1630 – 1637

Wütete die Pest, an der 326 Einwohner starben. Ganze Familien erloschen und ganze Güter starben aus.

Hierzu gibt es im Kirchenbuch von 1620 bis 1725, Teil Sterbebuch von 1620 – 1725 zahlreiche Eintragungen für die Jahre 1630 bis 1637 mit den Sterbeeinträgen währen der Pestepidemie dieser Zeit. Allein für 1633 werden in der Kirchgemeinde 274 Sterbefälle verzeichnet. In [7] schreibt der Chronist auf Seite 13: 1630 – 1637 gab es 326 „peste morito“, d.h. an der Pest Gestorbene. Ganze Familien erlöschen, ganze Gehöfte sterben aus. Die wenigsten Güter sein noch bewohnt, der langwürige Krieg (30jähriger Krieg 1618 - 1648) hat fast das übrige verderbet“. Von 1657 lesen wir: „Das Dorf ist ganz unvermögend und verwahrlost“, für die Aufbauarbeiten müssen alle Handwerker aus weniger versehrten Orten geholt werden.
Nach einer kurzen Erholungsphase um 1700 – „ Wohlfeile Zeit, Pestilenz weit entfernt. Wittgensdorf und Murschnitz bey gar Volk reicher Zahl in stiller Ruh “, gab es für unseren Heimatort ab 1730 - 1870/71 bis auf wenige friedliche Zeiten nur Not und Elend durch die verschiedenen innereuropäischen Kriege. Die Hauptlast trugen dabei hauptsächlich die Landbevölkerung. Verschiedentliche Lieferungen und Abgaben an durchziehende oder biwakierende Truppen aus aller Herren Länder Europas, Requirierungen von Nutzvieh aller Art sowie Plünderungen und andere Gewaltdaten mussten die Einwohner von Wittgensdorf über sich ergehen lassen. Auch die Belastung durch die zu leistenden Frondienste wurde im Laufe der Jahre, nicht zuletzt infolge der oft wechselnden „Herrschaften“, immer drückender.
In [09] lesen wir dazu sinngemäß folgende Zeilen: „In Sachsen kam es 1790 zum Sächsischen Bauernaufstand. Dieser war ein militärischer Konflikt zwischen dem Adel und den Bauern. Brennpunkte des Aufstandes waren weite Gebiete um Dresden, Leipzig und Zwickau. Auslöser war die durch fürstlichen Hegungen entstandene Wildplage. Diese führte zunächst in Wehlen zu Unruhen und dehnte sich schnell auf andere Ämter aus. Jedoch konnten diese Aufstände Anfang Juli von der sächsischen Regierung unter Kontrolle gebracht werden. Der vorangegangene strenge Winter 1789/1790 und das Dürrejahr 1790 verschärften jedoch das Konfliktpotential. So erhoben sich im Sommer 1790, ausgehend von Wechselburg, mehr und mehr Bauern gegen den kursächsischen Staat. Mitte August hatten die Bauern fünfzehn Patrimonialgerichtsbezirke, die etwa 5000 Quadratkilometer umfassten, unter ihre Gewalt gebracht. Ein massiver Militäreinsatz warf im September 1790 den Aufstand endgültig nieder“.

1805

Carl August von Schönberg (30.01.1781, +14.06.1841) verkaufte am 25.08.1828 das Rittergut an den Chemnitzer Kaufmann Carl Sigismund (von) Albanus.

1825

Die Einwohnerzahl wuchs innerhalb von 25 Jahren von 1000 auf 1.780 Einwohner.

1856

Rittergutsherr Albanus verlor den Gutsherrentitel und damit die Verfügungsgewalt über das Dorf.

Im nächsten Abschnitt unseres Artikels wollen wir uns mit den steigenden Bevölkerungszahlen, der weiteren Entwicklung der Landwirtschaft und der beginnenden Industrialisierung unseres Heimatortes befassen.

Abschließend möchte ich mich für die uneigennützige Hilfe von Herrn Dr. phil Sebastian Müller bei der Erarbeitung dieses Artikels bedanken. Seine Hilfestellung gab mir als Laien die Sicherheit, diesen Artikel zu einem interessanten Thema der Ortsgeschichte von Wittgensdorf zu verfassen.

Ullrich Nier
Ortschronist
Kultur- und Heimatverein Wittgensdorf e.V.

Quellenverzeichnis:
[01] - „Aus vergangenen Tagen“ Arthur Beil, Gemeindeverwaltung Taura, 1908
[02] - Sächsische Münzgeschichte – Wikipedia, Talerzeit, Von 1500 bis zum Beitritt zur Reichsmünzordnung 1571
[03] - Paul Arnold: Die sächsische Talerwährung von 1500 bis 1763, S. 58: Münzsystem
[04] - Leibeigenschaft/Dienstpflichten – Wikipedia
[05] - www.bing.com/search?q=türkensteuer+Sachsen
[06] - Demographische und gesellschaftliche Transition in Rußdorf und Bräunsdorf bei Limbach 1580 – 1935, Dissertation Sebastian Müller, TU Chemnitz, 2016
[07] - 700 Jahre Wittgensdorf, Rat der Gemeinde, 1956
[08] - https://www.bundesarchiv.de/themen-entdecken/online-entdecken/geschichtsgalerien/deutscher-bauernkrieg/
[09] - https://de.wikipedia.org/wiki/Sächsischer_Bauernaufstand_von_1790

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