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Sachsenguss – 3

erschienen in: Heft 2/2020

Die „Sachsen Guss GmbH“ in Wittgensdorf – ein Unternehmen mit Geschichte und Zukunft

Im dritten und damit abschließenden Teil unseres Artikels zur Sachsen Guss GmbH behandeln wir ein für einen Industriebetrieb wie eine Gießerei eigentlich ungewöhnliches Thema, und zwar, nennen wir es einfach, die „Kunst am Bau“, d.h. mit der künstlerischen Ausgestaltung der Sozial- und Aufenthaltsbereiche des Werksneubaues.

Dazu müssen wir jedoch noch einmal die Zeit der Planung dieses Vorhabens betrachten. Die Magisterarbeit von Frau Barbara Budig mit dem Thema „Untersuchung des Prozesses der „komplexen Arbeitsumweltgestaltung“ am Neubau der Gießerei „Rudolf Harlaß“ in Wittgensdorf“ am Institut für Kunstgeschichte an der MLU Halle [2] gibt uns dazu eine fundierte Erläuterung. Sinngemäß führt sie aus:
Die politischen Verhältnisse in der DDR in den 70er Jahren waren u.a. geprägt von der Zielstellung der Führung der DDR auch mit künstlerischen Mitteln die Arbeits- und Lebensbedingungen der Bevölkerung zu verbessern. Dienen sollten dazu kulturpolitische Bestrebungen und Maßnahmen welche sich in den Beschlüssen der SED-Führung und der Gewerkschaft (FDGB) niederschlugen. Wörtlich schreibt Budig in [2] auf Seite 9: „Durch die Verbesserung der ideellen und materiellen Lage sollte die Bevölkerung der DDR schließlich für die Politik des Staates gewonnen und motiviert werden. In diesem Zusammenhang sind nun auch solche Maßnahmen zu verstehen, wie Umfragen nach Arbeitsverhältnissen in Industriebetrieben² und die daraufhin sprunghafte Entwicklung der Arbeitsumweltgestaltung, in der auch das neue Verhältnis zur Kunst demonstriert werden konnte.“
Diese wenigen Zeilen charakterisieren m.E. nach die kulturpolitische Situation in der Phase der Vorbereitung und Planung des Vorhabens Neubau Gießerei „Rudolf Harlaß“ auf Wittgensdorfer Flur und damit die Voraussetzungen zur Einplanung von 120 TM für „künstlerische Gestaltung“ im Gesamtvorhaben – eingesetzt wurden letztendlich 320 TM für die Realisierung der „komplexen Umweltgestaltung“, also der „Einbeziehung der künstlerischen Mittel in den Gießereineubau“ [2], Seite 28. In [2] lesen wir dazu auf Seite 20 sinngemäß:
Interessant dabei ist, dass die geplanten 120 TM nur für die vorbereitenden Arbeiten schon im Jahr 1976 ausgeschöpft waren, so dass der verantwortliche Leiter der Künstlergruppe sich selbst um finanzielle Unterstützung bemühen musste. Mit Hilfe des FDGB-Vorstandes gelang es schließlich, die Finanzierung durch den Kulturfonds der DDR zu sichern³. Der leitende Architekt Martin Decker konnte zudem durchsetzen, dass alle Bauhilfsleistungen wie Befestigungsvorrichtungen für die baubezogene Kunst aber auch die Farb- und Materialkonzeption und das Beschriftungssystem für die gesamte Industrieanlage von den Baufinanzen bestritten wurde. Somit war die Realisierung „komplexer Arbeitsumweltgestaltung“ größtenteils der Initiative der beauftragten Architekten und Künstler zu verdanken.

Ein zum Verständnis des Gesamtprozesses der Planung wichtige Passage finden wir in [2], Seiten 17 und 18. Hier heißt es: Die Gestaltung zur Verbesserung von Arbeits- und Lebensbedingungen in der neuen Gießerei sollte laut dem Direktor der „Neubau-Aufbauleitung“ Ewald Löffler „als Synthese zwischen Architektur, bildender Kunst und den Anforderungen, die Produktionshaupt- und -nebenprozesse zwangsläufig mit sich bringen, begriffen“ und „zu einem harmonischen Ganzen“ zusammengefügt werden. Im gleichen Sinne fasste der Leiter für die künstlerische Gestaltung im Gießereineubau Clauss Dietel „komplexe Arbeitsumweltgestaltung“ als die Summe aller gestalterischen Leistungen von der Arbeitsplatzgestaltung über den visuell-ästhetischen Einfluss auf die gesamte Umwelt, Architektur bis zu bildkünstlerischen Werken auf, so dass damit für den leitenden Architekten Decker die „Koordinierung und Leitung aller „interdisziplinären Gestaltungsprozesse“ verbunden war. Decker selbst verwies auf „die maßvolle Einordnung aller gestaltbestimmender Elemente und Disziplinen während des Primärprozesses der Entwurfsarbeit“, da „Gestaltung“ für ihn „kein nachgeordneter Prozess“ bedeutete. Demzufolge erarbeiteten die mit der Planung beauftragten Architekten und ein von diesen beauftragtes Künstlerkollektiv unter der Leitung Dietels gleich nach der funktionellen und städtebaulichen Baumassengliederung eine gestalterische „Grobkonzeption“ die bis zur Ausführung kontrollfähige Arbeitsgrundlage zur Realisierung „komplexer Arbeitsumweltgestaltung“ in der neu zu errichtenden Gießerei „Rudolf Harlaß“ blieb. Dieses gestalterische Grobkonzept umfasste die Aufgabenbereiche Umweltkonzeption (Minimierung der Umweltbelastung), Materialkonzeption (Beständigkeit durch gießereispezifische Hitze- u. Staubentwicklung), Farbprogramm (Funktionsablauf des Gießereibetriebes), visuelle Kommunikation (einheitliches Informationssystem), Ausstattungsprogramm für alle Werksgebäude und die bildkünstlerische Konzeption, die zusammen mit der Architektur und den vorgenannten Aufgabenbereichen zu einer Synthese führen sollte. Als Gestaltungsobjekte waren der Haupteingangsbereich, die Verwaltungs-, Sozial-und Werkstattgebäude, die Poliklinik, Frühstücks- und Sozialzonen innerhalb der Produktionsflächen und die Freiflächen des gesamten Betriebes vorgesehen.

Mit diesem letzten Satz ist nun der Rahmen abgesteckt, in dem wir uns mit unseren weiteren Ausführungen mit der Problematik befassen wollen. Wir stützen uns dabei auf einen unveröffentlichten Artikel [A] von Herrn Burkhard Kintzel, vormaliger Assistent des Leiters der Auftragsleitung des Vorhabens und bis zu seiner Pensionierung Leiter Personal bei Flender Guss und Siemens Guss. Danach war Herr Kintzel noch bis 2018 bei Sachsen Guss noch assistierend für deren Personalabteilung tätig. Wir geben seinen Artikel, welcher sich in seinen Hauptaussagen auf die Arbeit von Budig [2] bezieht, in leicht gekürzter Form und mit redaktioneller Bearbeitung wieder.

Wir lesen:
Mit der Privatisierung hatte die Geschichte dieser Gießerei und mit ihr auch die künstlerische Konzeption des Gießereineubauvorhabens „Gießerei „Rudolf Harlaß“ Wittgensdorf“ an Beachtung verloren. Eine Ausnahme bildeten da nur die Herausgabe der Jubiläumsschrift und die Feierlichkeiten anlässlich des 100-jährigen Bestehens unter der Firmierung Flender Guss GmbH, sowie der Familientag zum 110-jährigen Bestehen unter der Firmierung Siemens Gusstechnik GmbH. In der Siemens-Zeit entstand auch ein kleines „betriebliches Museum“, welches mit einem hohen persönlichen Engagement von Frau Heidemarie Röder (Mitarbeiterin im Bereich Instandhaltung der Sachsen Guss GmbH), die auch einige Fotos zur vorliegenden Arbeit beigesteuert hat, aufgebaut wurde. Auch die in dieser Zeit entstandenen „Fotoschnappschüsse“ mit Bildern aus dem Produktionsgeschehen, die die Wände des unteren Flurs des Sozialgebäudes zieren, gehören dazu. Erst mit der Übernahme der Gießerei durch Herrn Josef Ramthun hat auch deren Geschichte wieder den entsprechenden Platz gefunden. Vorläufiger Höhepunkt ist hier die Förderung des Themenfeldes „Feuer und Flamme“ im Industriemuseum Chemnitz, welches in der neuen Dauerausstellung erstmals gebührend auf die Gießereigeschichte in Chemnitz eingeht. Das neu gestaltete Foyer des Unternehmens mit dem historischen Teil und die aktive Nutzung des bestehenden eigenen Museums rundet dieses Bild ab.

Das Hauptanliegen des vorliegenden Artikels ist die Erfassung der im Rahmen des genannten Neubauvorhabens geschaffenen und noch vorhandenen künstlerischen Arbeiten. Nebenbei wird mit dem Blick des „einfachen“ Betrachters auf diese Arbeiten gesehen. Diese Betrachtung erhebt keinen Anspruch auf künstlerische Tiefgründigkeit, soll jedoch dazu beitragen, dass dieser Abschnitt der Unternehmensgeschichte nicht in Vergessenheit gerät. Ein besonderer Dank gilt Frau Ina Beckert, Leiterin Personal- und Arbeitswirtschaft der Sachsen Guss GmbH für Ihre Unterstützung bei der Erstellung der notwendigen Fotoaufnahmen und der allgemeinen Gestaltung des Artikels.

Spuren der Architekten und Künstler bei der Sachsen Guss GmbH

Der Gießereineubau Gießerei „Rudolf Harlaß“ in Wittgensdorf wird vielfach „als wichtigstes und gelungenstes Beispiel ‚komplexer Arbeitsumweltgestaltung‘ in der ehemaligen DDR“ [2] S. 94 bezeichnet.
Absolut neu und bis heute nach wie vor weltweit selten war vor allem, dass eine Gruppe von Gestaltern schon ab der Konzepterarbeitung bei einem Großvorhaben in der Industrie mitgearbeitet hat - [7] S.74. Die beteiligten Architekten, Formgestalter und Künstler, die das Konzept maßgeblich erarbeitet hatten, erhielten 1985 den Kunstpreis des FDGB. 1988 erhielt die Architektengruppe den Architekturpreis des Ministeriums für Bauwesen - [2] S.86. Leitender Architekt der Gruppe war der in Chemnitz geborene Architekt Martin Decker (geb.01.10.1925 in Chemnitz, † 27.06.2013). In einem Artikel von Katharina Leuoth in der „Freien Presse“ vom 01.10.2010 (Seite 13) bezeichnet Martin Decker den Komplex der Gießerei in Wittgensdorf als sein „Lieblingsgebäude“, weil es für ihn einzigartig war, wie bei diesem Projekt die bildende Kunst integriert wurde [5]. In diesem Artikel wurde auch dargestellt, dass Martin Decker oft für seine Projekte kämpfen musste, besonders wenn die Kunst eine Rolle spielen sollte. Ein Beispiel dafür ist das Emaillebild von Michael Morgner, über das in einem gesonderten Abschnitt noch berichtet wird.

Quelle: Sammlung Nier

Kommen wir nun zur eigentlichen Konzeption des Vorhabens.
Wie schon oben beschrieben, wurden die geschaffenen künstlerischen Arbeiten schwerpunktmäßig in Bereichen des Betriebseingangs, der Pausenräume und -höfe, der Betriebsgaststätte, im Sozialgebäude und in besonderen Räumen in der Verwaltung fest eingebaut oder teilweise mobil aufgestellt. Neu war, dass in der Entwurfs- und der Realisierungsphase die Künstler vor ausgewählten Mitarbeitern der Gießerei ihre Exponate zur Diskussion stellten. Harald Bühl bewertete diesen Meinungsaustausch wie folgt:
„Es war ein gutes Ergebnis, dass sich von 1.300 Werktätigen der neuen Gießerei 75 % an der Diskussion der Ergebnisse beteiligte.
Andererseits war es sicher gut, dass sich die Architekten, Künstler und Formgestalter nicht die Gelegenheit entgehen ließen, die alte Gießerei anzusehen, um mehr Verständnis für die Vorschläge der Werktätigen zu gewinnen. Die Diskussionen waren dabei oft hart und führten zu tiefgehenden Veränderungen mancher Entwürfe und Lösungen“ [1]. Ein Beispiel dazu ist der Besuch von Mitarbeitern der Gießerei beim Schöpfer des Prometheus, Harald Stephan.

Quelle: Archiv Sachsen Guss

Insgesamt konnte man schnell feststellen, dass realitätsnahe Werke wie zum Beispiel Zeichnungen mit reellen Darstellungen des Produktionsprozesses, verschiedene reale Plastiken und Keramiken von Anfang an Anerkennung fanden. Ähnlich war das auch bei funktionellen Gestaltungsteilen wie Brunnen, Raumteilern und Pflanzkübeln. Mit anderen Werken konnten sich die Betrachter oft nur langsam anfreunden, weil nicht immer gleich die Gedanken des Künstlers erkennbar waren und es schwerfiel, einen Bezug zur „Gießerei“ herzustellen.

Kommen wir nun im nachfolgenden Abschnitt unseres Artikels zu den einzelnen Arbeiten der Künstler – vielfach noch vorhanden aber teilweise leider auch verlorengegangen.

Schon vor dem Betreten des eigentlichen Betriebsgeländes fällt dem Betrachter der Zaun zwischen Personeneingang und Ausbildungsgebäude (früher Ambulanz) ins Auge. Dieser von C. Dietel gestaltete Zaun zeichnet sich auf Grund der Materialwahl durch eine große Haltbarkeit aus und bildet einen sehr gelungenen Blickfang.

Quelle: Archiv Sachsen Guss

Im äußeren Eingangskomplex fällt dem Besucher nun sofort die auch von C. Dietel geschaffene Fahnenmastgruppe ins Auge. Sie besteht aus einem Grundkörper aus Grauguss mit drei Fahnenhalterungen und drei Fahnenmasten. Der Grundkörper wurde 2016 farblich instandgesetzt. Die Fahnenmasten wurden erneuert, um eine bessere „Führung“ der Fahnen zu erreichen.

Quelle: Sammlung Nier

Die auch von C. Dietel stammende „Harlaß-Ehrung“, gedacht als Würdigung des Namensgebers für die Gießerei, schließt an die Fahnengruppe an. Diese Teilegruppe aus Grauguss besteht aus einer Stele (sechseckig; 1,20 m hoch; oben abgebrochen; Kerben an den Seitenflächen - sollen Spuren der Gewalt und das abrupte Ende des Lebens darstellen) und fünf flachen Segmenten, davon eines etwas erhöht (hier sind die Lebensdaten von Rudolf Harlaß ersichtlich). Alle sechs Teile haben den gleichen Grundriss. (Bemerkung Nier: Hier wäre es m.E. nach aber besser gewesen, die natürliche Farbe des Graugusses zu behalten und gegen das „Rosten“ des Eisens einen transparenten wetterfesten Anstrich zu verwenden)

Quelle: Sammlung Nier
Quelle: Sammlung Nier

Wie schon oben angekündigt, wollen wir noch einmal das große Wandbild an der Front des jetzigen Ausbildungsgebäudes betrachten. Die Themenvorgabe für dieses Werk lautete:
„Der Gießereiprozess - aus altem Vergänglichem wird neues Zukunftsstrebendes geschaffen“ [2] S.54. Ein Wikipedia-Eintrag zu Michael Morgner vom 29.10.2015 [6] benennt den Titel des Bildes mit „Gießprozess - der arbeitende Mensch in unserer Gesellschaft“. Zu diesem Wandbild aus Industrieemaille von Michael Morgner gab es auch viele Diskussionen im Umfeld der Gießerei (Darstellung des Schmelzprozesses oder Sinnbild für die Entstehung neuen Lebens oder der gesellschaftlichen Befreiungs- und Entwicklungsprozesse oder als kritische Auseinandersetzung mit dem Verhältnis von Mensch, Natur und Technik) [2] S.54. Einig waren sich aber alle Beteiligten in einem Punkt: Das wundervolle Spiel der Farben, als Blickfang in der Einfahrt zur Gießerei, regt zu eigenen Interpretationen des Bildes an. Aber vielleicht war es auch die Absicht des Künstlers, dass sich jeder seinen eigenen „Reim“ auf das Bild machen sollte, denn es wird wohl kaum zwei Betrachter geben, die das Bild mit gleichen Augen sehen. Und, wenn man heute auf das Bild schaut, dann könnte man meinen, dass es erst kürzlich entstanden ist. Die Materialwahl war also zumindest genau richtig.

Über die Skulptur des „Prometheus“ von Harald Stephan wurde auch viel diskutiert und die Ansichten zwischen dem Künstler und dem Betrachter gingen teilweise weit auseinander. So sollte der „Prometheus“ eigentlich gemäß Konzeption für die Entwicklung der Menschheit stehen [2] S.63. Ergebnis war ein in geduckter Haltung hockender, hilfloser nackter Körper. So fand mancher Betrachter, dass die Figur so wirke, als hätte er einen „Schlag mit einem „Holzhammer“ auf den Kopf bekommen. Auch wurde der Skulptur später oft ein Geldstück in die abgewinkelte Hand gelegt. So wollte man eigentlich Prometheus, der den „Göttern das Feuer stahl und den Menschen brachte“, nicht sehen. Aber die Figur hätte sicher noch eine Reihe anderer Interpretationen zugelassen. Leider ist das Werk infolge seiner Außenaufstellung und der nicht erfolgten Pflege (jährlicher Anstrich mit Konservierungsmittel) dem Zahn der Zeit zum Opfer gefallen und und kann somit nicht mehr besichtigt werden.

Quelle: [2], Anhang

Ein weiteres Kunstwerk stammt von Volker Beier. Es ist die Bronzefigur „Weiblicher Akt“. Sie wurde im Pausenbereich gegenüber von Prometheus aufgestellt. Beide Figuren haben eigentlich keinen Bezug zur Gießerei. Vielleicht sollte hier auch ein relaxter Körper von der harten Arbeit in der Gießerei ablenken oder ein Gegenpol zum „gebückten“ Prometheus gezeigt werden.

Quelle: Archiv Sachsen Guss

Ebenfalls im großen Pausengarten finden wir einen Brunnen. Von den ursprünglich geplanten drei Wasseranlagen (zwei weitere Brunnen waren im vorderen Pausengarten zwischen Freitreppe Bürogebäude und Übergang zum Sozialgebäude und vor dem Gebäude der Lehrausbildung, gegenüber dem „weiblichen Akt“ geplant. Diese Flächen wurden aber anders genutzt.) wurde letztlich nur der Brunnen im großen Pausengarten zwischen Sozialgebäude und Verwaltungsgebäude realisiert. Gebaut wurde das aus einem Betonbecken zur Aufnahme des rieselnden Wassers und einer Säule aus Edelstahl bestehende Brunnenensemble (Höhe ca. 2,50 m) von Reinhard Grütz. Dieser Brunnen passte sich gut in die „grüne“ Umgebung des Pausengartens ein und lädt zum Verweilen ein.

Quelle: [2] Anhang

Folgen wir nun weiter unseren Weg und kommen in den inneren Eingangskomplex. Hier betreten wir zuerst das „Traditionsfoyer“. Das Foyer zwischen Sozialgebäude und ehemaligen großen Speisesaal war ursprünglich als Traditionsfoyer geplant. Regine und Lutz Lipowski schufen Vitrinen, Bänke und Pflanzkübel zur Ausgestaltung dieses Raumes.

Quelle: Archiv Sachsen Guss

Hauptinhalt war die Ehrung des Namensgebers Rudolf Harlaß mit dem Ölbild - Maler: Walter Fischer.

Quelle: Archiv Sachsen Guss

als zentralen Punkt und die Präsentation von Ehrengeschenken und geschichtlichen Dokumenten. Die im nachfolgenden Abschnitt beschriebene Betonglaswand rundete das Bild ab. Nach der politischen Wende wurde dieser Raum hauptsächlich für die Präsentation von Produkten der Gießerei genutzt. Eine grundlegende Überarbeitung und Neugestaltung erfuhr dieser Raum mit Gründung der Sachsen Guss GmbH ab 2013. Die Präsentation der Produkte der Gießerei erhielt ein ansprechendes Outfit.

Quelle: Archiv Sachsen Guss

Aber auch die Geschichte des Unternehmens erhielt eine würdige Form und ist nun im unteren Flur im Sozialgebäude zu Hause.

Im vorstehenden Foto sehen wir auch schon die Betonglaswand. Diese wurde im Foyer als Übergang vom Sozialgebäude zum großen Speisesaal von Gerhard Klampäckel geschaffen und bildet dort die Rückwand zum Wirtschaftshof. Diese Wand besteht aus einen Mix von Beton und Glasbausteinen, der von Stahlrahmen gefasst wird. Auch lässt die künstlerische Arbeit Raum für Interpretationen, wobei die Annahme, dass durch das Farbenspiel ganzjährig die Natur in den Raum geholt werden sollte, vielleicht am ehesten zu begreifen ist.

Quelle: Archiv Sachsen Guss

Auch der untere Flur, früher schmucklos, wurde einer neuen Nutzung zugeführt. Hier erhielt die Geschichte des Unternehmens, angefangen von den verschiedenen Chemnitzer Gießereien eine würdige Form und bietet interessierten Werkern und Besuchern einen guten Überblick.

Quelle: Archiv Sachsen Guss

Im großen Speisesaal nun finden wir verschiedene Kunstwerke. Dominierend ist hier der goße Raumteiler. Er diente dazu, die zur Pausenzeit in den Speisesaal strömenden Werktätigen in geordneter Form zu den Speiseausgaben zu führen, an der Nummerierung 1 – 3 zu sehen.

Quelle: Archiv Sachsen Guss

Als weitere Gestaltungselemente finden wir hier die von Frau Gudrun Berndt realisierten Reliefplatten. Diese fallen auf Grund der dunklen Farben auf der Klinkerwand kaum auf. Mit etwas Vorstellungsvermögen könnte man denken, dass imaginäre Pflanzen aus der Wand wachsen [2] S.68. Dazu wurden im Speisesaal und in anderen Räumen runde bzw. eckige Pflanzkübel von Gertraude Köhler aus Keramik zwischen den Tischgruppen aufgestellt.

Quelle: Archiv Sachsen Guss
Quelle: Archiv Sachsen Guss

In den heute nicht mehr als solche genutzten Pausenräumen der Produktionsbereiche finden sich die nachstehend aufgeführten Kunstobjekte:

Quelle: [2] Anhang
Quelle: Archiv Sachsen Guss
Quelle: Archiv Sachsen Guss
Quelle:[2] Anhang
Quelle: Archiv Sachsen Guss

Sozialgebäude, Verwaltungsgebäude

Im Sozialgebäude finden wir Kunstwerke im Flur vor den Schulungsräumen. Hier sind elf Graugussplatten von Gerhard Klampäckel an den Wänden angebracht. Diese Gussplatten wurden in der damaligen Gießerei „R. Harlaß“ nach den Modellen von Klampäckel gegossen. Auf einer Platte sind die Buchstaben R und H, die wahrscheinlich auf den Hersteller verweisen sollen, zu erkennen.

Quelle: Archiv Sachsen Guss

In der Kegelbahn im gleichen Gebäude findet man ein Wandrelief aus Holz von der Holzgestalterin Ilka Otte. Den Bezug zur Kegelbahn kann man mühelos erkennen. Für das Verwaltungsgebäude wurden zwei Kleinplastiken, drei Emaillebilder und fünf Keramiken vorgesehen, die als auflockernder Raumschmuck zu sehen sind.

Quelle: Archiv Sachsen Guss

Hannes Schulze fertigte ein Figurenpaar aus Blei, welches wir heute im Zimmer des Geschäftsführers Technik finden.

Quelle: Archiv Sachsen Guss
Quelle: Archiv Sachsen Guss

In einem weiteren Zimmer (Vertrieb) finden wir die Figur weiblicher Akt mit Spiegel, die Harald Stefan aus Bronze fertigte.

Quelle: Archiv Sachsen Guss

Der Maler Will Schestak fertigte zwei Emaillearbeiten für Beratungsräume. Es handelt sich dabei zunächst um das aus 14 Tafeln bestehende Bild „Badende“.

Quelle: Archiv Sachsen Guss

Dieses Bild wurde damals bald wieder abgehängt. Angeblich wurde an den nackten „Badenden“ Anstoß genommen und man soll dieses Bild als unpassend für einen Beratungsraum empfunden haben. Gegenwärtig ist dieses Bild in der 3. Etage des Verwaltungsgebäudes im „Museum“ zu finden. Zwei andere Tafeln bilden zusammengesetzt ein Blumenstilleben, welche auch dort aufgehängt ist.

Quelle: Archiv Sachsen Guss

Ruth Fischer fertigte das Keramikrelief „Schützender Baum“, auf dem ein Pärchen unter einem Baum dargestellt wird.

Quelle: [2] Anhang

In weiteren vier Reliefs unter dem gemeinsamen Titel „Jahreszeiten“ werden die vier Jahreszeiten den Lebensphasen zugeordnet. (Frühling/ Jugend; Sommer/Erwachsensein; Herbst/Alter; Winter/Kindheit). Leider sind auch diese Keramiken nicht mehr auffindbar. Im Verwaltungsgebäude sollte ursprünglich auch die Keramikarbeit von Gertrud Hartmann, ein Pflanzgefäß, welches auch „Blumenfrau“ genannt wurde, aufgestellt werden. Letztlich entschied man sich dafür die „Blumenfrau“ im Bereich des Personeneingangs zu platzieren.

Quelle: Archiv Sachsen Guss

Zeichnungen aus dem Produktionsprozess Im Verwaltungsgebäude und im kleinen Speisesaal im Sozialgebäude sind einige Zeichnungen ausgestellt

Quelle: Archiv Sachsen Guss
Quelle: Archiv Sachsen Guss
Quelle: Archiv Sachsen Guss

Wie viele es von diesen Zeichnungen insgesamt gab, ist nicht mehr bekannt. Da diese Zeichnungen an Arbeitsplätzen in den ehemaligen alten Gießereien (wahrscheinlich Bereich Schiersandstraße) angefertigt wurden und auch einige Mitarbeiter „Modell“ gestanden haben, wurden diese auch gut angenommen. Weitere Bilder mit „gießereifremden Motiven“ findet man im Betriebsratsbüro.

Quelle: Archiv Sachsen Guss
Quelle: Archiv Sachsen Guss

Unter der Leitung von Christian Berndt war eine Gruppe bestehend aus Gerhard Görner, Berthold Lindner und Manfred König für die Realisierung der gesamten Beschilderung, der Uhren und der Straße der Besten verantwortlich. Im Innenbereich wurden große Schilder aus Schwarzblech und kleinere Schilder aus Edelstahl gefertigt. In den Produktionshallen und im Außenbereich wurde Emaille eingesetzt. Alle diese Schilder gehen bis auf wenige Ausnahmen auf ein Quadrat mit abgerundeten Ecken zurück. Diese Form finden wir auch bei der Außenuhr und bei der bereits erwähnten „Straße der Besten“ sowie den Infotafeln wieder.

Quelle: Archiv Sachsen Guss
Quelle: Archiv Sachsen Guss

Letztlich schmückte auch die Helme der Mitarbeiter ein „Quadrat mit abgerundeten Ecken“, nur das hier daraus der Buchstabe „H“ für „Harlaß“ entwickelt wurde. Wenn man will, kann man in jedem dieser Quadrate mit abgerundeten Ecken gedanklich ein großes „H“ sehen. Die Namens- und Hinweisschilder aus Edelstahl sowie die Hinweisschilder aus Schwarzblech sind heute noch nahezu vollzählig vorhanden.

Bei der Suche nach verborgener Kunst (nicht zum Kunstprojekt gehörig), fielen noch weitere Werke auf. Im Wareneingang hängt z.Bsp. eine Zeichnung, die heute nicht mehr zugeordnet werden kann.

Quelle: Archiv Sachsen Guss

Ob Name und Zahl auf der Zeichnung („Frydrych 54“) auf den Schöpfer und das Entstehungsjahr hinweisen, ist nicht mehr nachvollziehbar. Auffällig ist aber die Ähnlichkeit mit den im Rahmen des Neubauvorhabens entstandenen „Zeichnungen aus dem Produktionsprozess“ in den „Altgießereien“, obwohl beide zu unterschiedlichen Zeiten (?) entstanden sind.

Erwähnenswert sind auch die im Treppenhaus des Ausbildungsgebäudes zu findenden Fliesenmosaiks des damaligen Ausbilders für die Fliesenleger, Uwe Kain, die auf einige Ausbildungsberufe der damaligen ESTA-Flender GmbH hinweisen.

Quelle: Archiv Sachsen Guss
Quelle: Archiv Sachsen Guss
Quelle: Archiv Sachsen Guss
Quelle: Archiv Sachsen Guss

Außerdem sind die im unteren Flur des Sozialgebäudes aufgehängten Fotografien erwähnenswert, die durch Hobbyfotografen der Gruppe Kraftwerk angefertigt wurden und wunderbar gelungene Einblicke in den normalen Arbeitsalltag eines Werkmitarbeiters geben.

Schlussbemerkungen

Rolf Walter würdigte in seinem Schlusswort beim 15. Seminar der Zentralen Arbeitsgruppe… [1] die Arbeit bei der Gestaltung der Arbeitsumwelt im Neubauvorhaben Gießerei “Rudolf Harlaß“ und dankte insbesondere den beteiligten Architekten- und Künstlerkollektiv des Neubaus der HarlaßGießerei und den verantwortlichen Leitern für ihre Arbeit und sprach seine ungeteilte Anerkennung aus. Er hob besonders hervor, dass diese Produktionsstätte durch ihre funktionale und ästhetische Qualität echte Maßstäbe für die Arbeitsumwelt setzt und für künftige Vorhaben richtungsweisend sein wird. Abschließend sei bemerkt, dass auch heute noch das künstlerische Konzept seine Wirkung nicht verfehlt und es immer noch zu Diskussionen anregt. Interessant wäre es, wenn sich Künstler der heutigen Zeit an ähnlichen Projekten beteiligen dürften und man erkunden könnte, wie sie heute an solche Themenstellungen herangehen würden. Dem Engagement des Inhabers der Sachsen Guss GmbH, Herrn Josef Ramthun, ist es zu verdanken, dass diese Kunstwerke der Nachwelt erhalten wurden und sich auch künftige Werker und Angestellte daran erfreuen können.

Mit diesem dritten und letzten Teil unseres Artikels zur Sachsen Guss GmbH in Wittgensdorf wollen wir unsere Betrachtungen zum größten Industriebetrieb unseres Ortes beenden. Wir hoffen, mit unserer Artikelserie den Einwohnern von Wittgensdorf und auch anderen interessierten Bürgern die Geschichte der Gießerei „Rudolf Harlaß“ und der Nachfolgebetriebe etwas nähergebracht und damit das Interesse an der industriellen Entwicklung unseres Ortes geweckt zu haben. In diesem Sinne wollen wir auch in weiteren Beiträgen in unserer „Rundschau Wittgensdorf“ die Geschichte unseres Ortes und seiner industriellen Entwicklung behandeln und darstellen.
Abschließend sei noch einmal darauf hingewiesen, dass allen Wittgensdorfer Vereinen und Organisationen die Möglichkeit eines Besuches mit Betriebsführung bei der Sachsen Guss offensteht. Anmeldungen sprechen sie bitte über das Sekretariat der Betriebsleitung unter der Telefonnummer 03722/640 ab.

Burkhard Kinzel
Pensionär vorm. Leiter Personal

co. Ullrich Nier
Ortschronis
Kultur- und Heimatverein Wittgensdorf e.V.

² Vgl. Roland Feix, Wohlbefinden am Arbeitsplatz, in: form + zweck.1/1971, Berlin 1971, Seite 6 ³ Bewilligung von 200 TM für die „Schaffung eines Beispiels der Arbeitskultur in der Harlaß-Gießerei Karl-Marx-Stadt“, 1979, Ministerium für Kultur, Architekturbezogene Kunst, Bundesarchiv, DR 1/746, o.p.

Literaturverzeichnis:
[A] - Kunst und Produktionsbetrieb / Sachsen Guss GmbH, Burkhard Kintzel, Sachsen Guss GmbH – Stand 09.10.2018 (unveröffentlicht)
[1] - Architektur und Bildende Kunst Nr. 6 Arbeits- und Wohnumwelt,15.Seminar der zentralen Arbeitsgruppe „Architektur und bildende Kunst“ des Bundes der Architekten der DDR und des Verbandes Bildender Künstler (VBK)VBK der DDR. (Seminar im Neubaus der Gießerei „Rudolf Harlaß“ Wittgensdorf“), Karl-Marx-Stadt 24./25.November 1983
[2] - Barbara Budig, Magisterarbeit an der MLU Halle, Untersuchung des Prozesses der „komplexen Arbeitsumweltgestaltung“ am Neubau der Gießerei „Rudolf Harlaß“ in Wittgensdorf, Signatur 06 C 950, (unveröffentlicht), Abschlussjahr unbekannt, wahrscheinlich Ende 1990er Jahre
[3] - Freie Presse“ vom 23.11.1978 – Foto ZB/Thieme
[4] - 100 Jahre Gießereitradition, Flender Guss GmbH Wittgensdorf 1998, Redaktion Peter Wenzel und Edda Deckert
[5] - Katarina Leuoth, Freie Presse vom 01.10.2010 , Seite 13
[6] - https://de,wikipedia.org/wiki/Michael_Morgner, v. 29.10.2015 / S.1
[7] - Ostform- Der Gestalter Clauss Dietel, Herausgeber: Clauss Dietel, Text: Jens Kassner Leipzig 2009, Kulturstiftung des Freistaates Sachsen

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