Richtigstellung
erschienen in: Heft 1/2022
Richtigstellung
In meinem Artikel zur Baugeschichte unserer Ortskirchen (RW Ausgabe 6/21) hatte ich zum Einzug der neuen Glocken im Jahr 1920 folgende Zeilen geschrieben:
„Am 18. März 1920 konnten die Einwohner unseres Heimatortes die auf dem Oberen Bahnhof angekommenen Glocken aus Stahlhartguss begrüßen. Nach einigen Ungereimtheiten – die mittlere Glocke musste wieder vom Turm herabgenommen werden – konnte das neue Geläut schließlich im September seine Stimme erklingen lassen.“
Leider bin ich hier einem Versehen aufgesessen. Herr Günter Schaefer, Leser der Rundschau Wittgensdorf, schrieb uns dazu folgende Zeilen: Als ehemalige Mitarbeiter der der Gießerei in Wittgensdorf beschäftige ich mich mit Glocken aus Eisen und Stahl. In diesem Zusammenhang ist mir in Ihrem Beitrag zur Kirche in der Rundschau 12/2021 die Werkstoffbezeichnung „Stahlhartguss“ der 1920 gegossenen Glocken aufgefallen. Diese Bezeichnung ist nicht korrekt. Es handelt sich um Eisenhartgussglocken (unser ehem. Bürgermeister , Herr Dr. Reinhard Müller verwendete schon diese korrekte Bezeichnung in seinem Artikel zur Geschichte unserer Ortskirche – Link: kirchgemeinde-wittgensdorf.de/geschichte/kirche).
Dazu gab er uns folgende Erläuterung:
„Stahlgussglocken und Eisenhartgussglocken (sind) völlig verschieden. Die Gießerei Lattermann & Söhne in Morgenröthe-Rautenkranz goss etwa ab 1864 Eisenglocken. Es waren profane Glocken u.a. für Turmuhren und Signalglocken für die Eisenbahn. …. Die Apoldaer Bronzeglockengießerei Schilling & Söhne entschloss sich deshalb (auf Grund der herrschenden Verknappung von Kupfer und Zink, den Grundstoffen für den Bronzeguss [Anm. d.Verf.]) mit der Eisengießerei Lattermann & Söhne eine OHG Schilling & Lattermann zu gründen. Schilling wusste anhand der profanen Eisenglocken von Lattermann Formen für Kirchenglocken zu entwickeln und beauftrage die Gießerei Lattermann & Söhne zum Gießen von Kirchenglocken.
Weiter schreibt Herr Schaefer:
„Eisenhartguss ist ein Gusseisen mit einem besonderen kristallinen Gefüge, das sehr hart ist und dadurch klingt. Eisenhartguss gibt es für die industrielle Anwendung auch heute noch unter der Bezeichnung "Verschleißbeständiges Gusseisen", DIN EN 12513. Dadurch, dass die OHG Schilling & Lattermann etliche Jahre ihre Glocken als Klangstahlglocken bezeichneten und verkauften, hält sich in vielen Beschreibungen bis heute das Missverständnis zum Werkstoff.
Zur Illustration seiner Ausführungen übermittelte uns Herr Schaefer noch eine Eintragung in das „Verzeichnis der bis 1927 gelieferten Hartgussglocken“ der Fa. Schilling & Lattermann; Apolda sowie einen Einbanddeckel mit der Bezeichnung „Klangstahlglocken“.
Dafür bedanke ich mich recht herzlich.



Mit dieser Richtigstellung möchte ich mich bei Herrn Günter Scharfer für seine aufmerksame Lektüre der „Rundschau Wittgensdorf“ und speziell meiner Artikel bedanken. Zeigt mir doch seine Reaktion auf meine Ungenauigkeit, dass meine Arbeit beachtet und vielleicht auch etwas geschätzt wird.
Ullrich Nier
Ortschronist
Kultur- und Heimatverein Wittgensdorf e.V.