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Pfarrer Rolf Günther

erschienen in: Heft 2/2018

Pfarrer Rolf Günther

Eine Frage nach dem Warum - unbeantwortet

Zum 40. Jahrestag des Suizids des ehemaligen Wittgensdorfers Rolf Günther, Pfarrer in Falkenstein - Erinnerungen eines Schulfreundes

Quelle: Privat

Rolf Günther, am 7.2.1937 in Leipzig geboren, verlebte seine Kindheit und Jugend in Wittgensdorf. Er wohnte mit seiner Mutter und seinem Bruder, der Vater kehrte nicht aus dem Krieg zurück, im Hause seines Onkels, des Schuhmachermeisters Kittel, in der Unteren Hauptstraße 108. Nachdem er die Volks- und Grundschule Wittgensdorf absolviert hatte, besuchte er die Oberschule im damaligen Karl-Marx-Stadt und legte dort das Abitur ab. Nach dem Theologiestudium in Leipzig, welches er erfolgreich abschloss, erfüllte sich sein Wunsch Pfarrer zu werden und erhielt eine Pfarrstelle in Falkenstein/Vogtland. Dort lebte er sich gut ein und war beliebt sowohl bei den Jugendlichen in der „Jungen Gemeinde“ als auch bei den älteren Falkensteinern. Hier kam sein offenes, auf die Menschen zugehendes Wesen deutlich zum Ausdruck. Allerdings bemerkte man zuweilen auch einen deutlich eigenbrötlerischen und seelisch kränkelnden Wesens-zug bei ihm. Dies hatte sich auch schon in seiner Jugendzeit in Wittgensdorf gezeigt und sich leider auch in den Folgejahren nicht gebessert. Man kann nur mutmaßen, dass er damit auch ehelos blieb und sich auf seine Hobbys Musik – er spielte recht gut auf der Gitarre – und das Fotografieren zurückzog. Wie aber konnte es nun zu dieser schlimmen Tat seiner Selbstverbrennung und damit auch der Gefährdung von etwa 300 Teilnehmern am Gottesdienst kommen?

In einer kleinen Notiz berichtete damals die Freie Presse von dieser Aktion. Im Text heißt es:

Quelle: Freie Presse v. 17.9.2018

Einen Überblick zu den Geschehnissen des 17.9.2018 gibt die Freie Presse in einem Artikel vom 17.9.2018. Wir lesen

Quelle: Freie Presse vom 17.9.2018
Quelle: Freie Presse vom 17.9.2018

In verschiedenen Medien wurde mehrfach versucht, die Ursache für das schreckliche Ereignis zu ergründen. Es blieb aber immer wieder nur bei Vermutungen und Auslegungen der damaligen herrschenden Verhältnisse. Der mit den damaligen Geschehnissen befasster Historiker Käbisch hat sich ein Wort des damaligen Landesjugendpfarrers und späteren Landesbischofs Volker Kress zu eigen gemacht, der 1978 empört an die Landessynode schrieb: Günther liege „vornehmlich vor der Tür der Kirche“ sowie Brüsewitz (Pfarrer, verbrannte sich am 18.8.1976 in Zeitz, gestorben

22.8.1976 in Halle) „vornehmlich vor der Tür des Staates gelegen habe“. (Zitat aus Artikel FP vom 17.9.2018 „Die letzte Antwort) Diese Worte charakterisieren die speziellen Verhältnisse unter denen es zu diesem schrecklichen Geschehen in Falkenstein kommen konnte.

Interessierten Lesern seien an dieser Stelle noch zwei Bücher empfohlen. Der Zwickauer Dompfarrer Edmund Käbisch stützt sich in seiner Dokumentation „Die Selbstverbrennung des Pfarrers Rolf Günther“ auf Abschiedsbriefe und Tagebuchaufzeichnungen des Wittgensdorfers und der Kirchenvorstand Falkenstein gab zu dem Ereignis die Dokumentation „Aus unserer Sicht“ heraus.

Auf eigenen Wunsch wurde Pfarrer Günther am 21.9.1978 ohne Beteiligung von Vertretern der Kirche auf dem Wittgensdorfer Friedhof im Grab seiner Mutter beigesetzt. Auf Betreiben des MfS erfolgte die Beerdigung nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit, so dass nur wenige Angehörige, aber umso mehr Angehörige des MfS anwesend waren.
Am 17.9.1998 gab es eine kleine Gedenkfeier an der vorzeitig eingeebneten Grabstelle seiner Mutter durch den Freundeskreis zur Erinnerung an Rolf Günther.

Leider wurde der Grabstein von Pfarrer Rolf Günther bei der vorzeitigen Einebnung vernichtet. Zur Erinnerung sei er hier noch einmal mit abgebildet

Quelle: Archiv Andreas Seidel
Quelle: Sammlung Mathias Heck

Abschließend stellen wir uns jedoch, bei aller Würdigung der menschlichen Tragödie des Pfarrers Rolf Günther, die Frage – hat er an die vielen Menschenleben gedacht, die er mit seiner Tat in Lebensgefahr gebracht hat?

Darauf wird es allerdings niemals eine Antwort geben.

Dietmar Esche
Ortschronist i.R
Kultur- Und Heimatverein Wittgensdorf e.V.

co. Ullrich Nier
Ortschronist
Kultur- Und Heimatverein Wittgensdorf e.V.

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