Obere Siedlung – 2
erschienen in: Heft 2/2016
Die Obere Siedlung in Wittgensdorf - Teil 2
ein Beitrag zur Ortsgeschichte
Nachdem wir uns im letzten Heft des Jahres 2015 der Rundschau Wittgensdorf mit der Geschichte der "Oberen Siedlung" bis zum Kriegsende im Mai 1945 befasst haben, wollen wir hier anknüpfen und der weiteren Entwicklung dieses Ortsteiles von Wittgensdorf nachspüren.
Wie wir schon in unserem Artikel "Erinnerungen an die Ereignisse in Wittgensdorf vor nunmehr 70 Jahren" ( erschienen im Heft 2/2015 der Rundschau ) beschrieben haben, rückte die Front am 14. 02. 1945 in Richtung Chemnitz vor und die US-Armee besetzte unseren Heimatort. Begründet durch die geographische Lage trafen die US-Soldaten natürlich zuerst in der Siedlung auf die Wittgensdorfer Einwohner. Herr Siegfried Stange aus der Gartenstraße 14 war des Englischen mächtig und konnte sich somit als Dolmetscher nützlich machen. Der Nachteil war aber, dass die Fam. Stange ihr Haus verlassen musste und in den Keller bei der Fam. Thierbach ziehen musste. Im Haus der Fam. Stange wohnten dann für einige Zeit Offiziere der US-Armee und wie berichtet wird, später dann noch Offiziere der Sowjetarmee nach dem Rückzug der US-Armee gem. dem Abkommen von Jalta, in dem die Grenzen der alliierten Besatzungszonen festgelegt wurden. In vielen Häusern fanden auch noch viele Kriegsflüchtlinge aus Ostpreußen und Schlesien ein vorläufiges Zuhause. Hier wohnten teilweise 3 bis 4 Familien auf engstem Raum zusammen. Die Siedlergärten wurden zum intensiven Obst- und Gemüseanbau genutzt, Kleintierhaltung war in jedem Grundstück Standard. Viele Siedler pachteten noch Land hinzu, um durch den Anbau von Kartoffeln, Rüben aller Art und Gemüse ihre eigene Nahrungsgrundlage zu sichern und darüber hinaus Futter für ihre Kleintierzucht zu sichern. Wahrlich eine sehr schwere Zeit für die Menschen. Nach Kriegsende bis zum Jahr 1949 gehörte die Siedlung dem Allgemeinen sächsischen Siedlerverband an. Nach Auflösung des Siedlerverbandes in Sachsen war die Siedlung 40 Jahre Mitglied in der Sparte Siedlung im VKSK der DDR. Natürlich war auch 1949 das 25.jährige Gründungsjubiläum der Siedlung Anlass zu einem zünftigen Siedlungsfest. Die allseits bekannte Gaststätte "Wasserschänke" bot hier die besten Voraussetzungen für Musik und Tanz und den damaligen Verhältnissen geschuldet etwas eingeschränkt auch für Speis` und Trank.


Das Vereinsleben in der Siedlung kam in der Nachkriegszeit wieder schnell in Bewegung und wurde auch während der gesamten DDR-Zeit aktiv betrieben. Es gab zahlreiche Kinder- und Siedlungsfeste auf der Siedlerwiese wie die nachstehenden Fotos zeigen:




Das Jahr 1959 brachte der Siedlung ein großes Ereignis. In Gemeinschaftsarbeit aller Siedler wurde in 2600 Arbeitsstunden das neue Siedlerheim gebaut. Selbst der damaligen "Volksstimme" war das einen Artikel wert (siehe oben).




Mit der Fertigstellung des Siedlerheimes blühte das Vereinsleben, welches jetzt "Spartenleben" hieß, wieder richtig auf. Es gab Tanzabende, Bockbierfeste, Fachvorträge, kulturelle Veranstaltungen. Jubiläen und zahlreiche Familienfeiern. Ebenso stand das Heim so wie auch heute noch, anderen Vereinen und Organisationen zur Verfügung. Höhepunkte im Siedlergeschehen waren stets die großen Sommerfeste, Vereinsjubiläen und Grillabende welche rund um das Siedlerheim auf der Siedlerwiese stattfanden. Diese Veranstaltungen hatten oft Volksfestcharakter und waren beliebt bei Jung und Alt.

Aber auch notwendige Arbeiten, so zum Beispiel der Bau der Wasser- und Abwasserleitung für das Siedlerheim, der Umbau der Mangelstube und andere Aktivitäten wurden mit der Gemeinschaft der Siedlungsmitglieder erledigt.

In den 80iger Jahren wurden trotz erschwerter Bedingungen bei der Materialbereitstellung und -beschaffung weitere Eigenheim am Anger gebaut.

Auch in den schon länger bestehenden Gebäuden wurden durch die Besitzer Aus- und Umbauarbeiten durchgeführt, um ihr Wohneigentum schön und ansehnlich zu gestalten.
Die Siedlung blühte langsam wieder auf

Doch die Tage der DDR waren gezählt. Der Herbst nahte mit großen Schritten und brachte uns die Öffnung der Grenzen zur großen Welt. Mit der Einführung der D-Mark war es nur noch ein kleiner Schritt bis zum geeinten Deutschland. Große Umbrüche galt es zu bewältigen und auch für die Siedler galt es Entscheidungen von großer Tragweite zu fällen. Nach der Auflösung des VKSK der DDR wurde die Siedlung als Gemeinnütziger Siedlerverein Wittgensdorf e.V. beim Amtsgericht Chemnitz registriert und besteht seit dem 27.09.1990 als ein unabhängiger Verein. Der Vorstand der Siedlung war in dieser Zeit bemüht, seinen Mitgliedern zur Seite zu stehen, den Siedlern und deren Kindern etwas zu bieten aber auch den Siedlergedanken zu erhalten und das Gemeinschaftsleben zu fördern sowie die freundschaftlichen, nachbarschaftlichen Gesten über den Gartenzaun hinweg zu pflegen und zu erhalten. Im Jahr 1997 begann der Bau eines neuen Siedlungsteils und es zogen viele junge Bewohner mit ihren Kindern in die Siedlung ein.



Dieses Baugebiet ist mittlerweile vollständig bebaut und bietet seinen Bewohnern ein schönes Zuhause. Da die Nachfrage an Wohneigentum weiter steigt, wurde aktuell mit der Bebauung eines weiteren erschlossenen Teilstückes unmittelbar am Steinbruch begonnen. Es bleibt zu wünschen, dass sich viele der "Neuen Siedler" im Siedlungsverein engagieren und das bisher gelebte traditionelle Siedlerleben weiter fortsetzen und am Leben halten. Gilt es doch im Jahr 2019 das 95jährige Bestehen der Oberen Siedlung zu feiern und mit Blick auf 2024 das 100jährige Jubiläum vorzubereiten.
Abschließend noch ein Wort in eigener Sache:

Gerne möchte unser Verein alle Wittgensdorfer und Freunde von Wittgensdorf an unserem Vereinsleben teilhaben lassen. Wir stellten daher heute unseren Veranstaltungsplan 2016 vor. Wir freuen uns wenn wir viele Wittgensdorfer bei unseren Veranstaltungen begrüßen können. Die Termine für die noch nicht genau terminlich festgelegten Veranstaltungen, werden rechtzeitig in der Rundschau Wittgensdorf und auf der Internetseite http://www.wittgensdorf.de/ bekannt gegeben.
Gleichzeitig möchten wir darüber informieren, dass sich jeden 1. und 3. Donnerstag im Monat die Skatfreunde aus der Siedlung in unserem Siedlerheim zum Skaten treffen. Wer also künftig an einem gepflegten Skatabend Interesse hat, kann sich mit unserem Vereinsmitglied Claus Ströher, Tel: 037200/80459 in Verbindung setzen und Näheres erfahren. Zur Unterstützung unserer Arbeit suchen wir einen Bauingenieur / Architekten ( gern auch Rentner ), der uns in seiner Freizeit bei baulichen Belangen für unser Siedlerheim hilft. Bitte melden bei Sonja Lüer, Tel. 037200/88739 oder Katrin Thümmler, Tel: 0178/1967686.
Peter Chevalier
Chronist im Siedlerverein
co. Ullrich Nier
Ortschronist
Kultur- und Heimatverein Wittgensdorf e.V.