LKG Wittgensdorf
erschienen in: Heft 6/2024
Die Landeskirchliche Gemeinschaft in Wittgensdorf – Geschichte und Entwicklung
Ein Beitrag zur Ortsgeschichte
Nachdem wir uns in einem unserer vorherigen Artikel mit der Geschichte der Kirchgemeinde Wittgensdorf befasst haben, wollen wir uns in diesem Beitrag mit der Geschichte und der Entwicklung der Landeskirchlichen Gemeinschaft (LKG) in unserem Heimatort befassen. Zu dem Ursprung der LKG lesen wir in Wikipedia folgende Zeilen:
Die Gemeinschaftsbewegung ist eine pietistische Aufbruchsbewegung, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine Reihe evangelischer Landeskirchen in Deutschland und in der Schweiz erfasste. An vielen Orten führte dieser Aufbruch zur Entstehung von Gemeinschaftskreisen, die heute in und neben den traditionellen Kirchen ein eigenständiges Gemeindeleben entwickelt haben.
Die LKG sind der Gemeinschaftsbewegung angehörende, organisatorisch selbständige Gruppen innerhalb der evangelischen Landeskirchen mit dem Status freier Werke. Sie sind in regionalen und überregionalen Gemeinschaftsverbänden organisiert, die sich im Evangelischen Gnadauer Gemeinschaftsverband zusammengeschlossen haben. Die Gemeinschaftsverbände und auch die einzelnen Gemeinschaften sind finanziell von den Landeskirchen unabhängig.
Seit Ende des 19. Jahrhunderts entstanden in Deutschland zahlreiche LKG. Die erste Gemeinschaft wurde in Augsburg durch den Fabrikbesitzer Ernest Mehl gegründet.
Die meisten Landeskirchlichen Gemeinschaften haben die Rechtsform eines eingetragenen Vereins und finanzieren sich über Spenden. Sie werden üblicherweise von einem gewählten Vorstand geleitet. Viele Gemeinschaften stellen einen hauptamtlichen Gemeinschaftspastor an (z.Zt. konkret zwei Pastoren für den Gemeinschaftsbezirk Chemnitz-Land mit 16 LKG).
Neben Gottesdiensten, die häufig bewusst zu anderen Zeiten als in den örtlichen Landeskirchen stattfinden, liegt der Schwerpunkt der Arbeit auf Gruppenstunden mit Bibelarbeit (mündlicher Austausch über einen Bibeltext) und Gebet.
1916
In Wittgensdorf begann die Tätigkeit der LKG 1916 mit einer Einladung für Flora Reitzenstein zum Besuch in den EC-Jugendbund Burgstädt (EC = Entschieden für Christus). Sie lud daraufhin Andere zu Gemeinschaftsstunden in ihre elterliche Wohnung in Wittgensdorf ein. Die wachsende Besucherzahl erforderte bald einen größeren Versammlungsraum. Dieser wurde bei Max Schöne in der Burgstädter Str.12/14 gefunden. (damaliger Versammlungsraum des CVJM in Wittgensdorf)
1919
Paul Riemann wurde erster Gemeinschaftsleiter.


1924
Wurde die LKG genötigt, einen eigen Saal zu mieten. Gefunden wurde er bei Arno Weinrich, Mech. Strickerei, Chemnitzer Straße 16. In der Zeit nach der Inflation hatte die LKG keinerlei Inventar. Durch die Opferbereitschaft aller Mitglieder konnte alles beschafft werden, sogar ein Harmonium wurde erworben, dieses wurde 1965 noch benutzt.
1934
Wurde in einer Mitgliederversammlung die Wittgensdorfer Gemeinschaft als e.V. (Eingetragener Verein) gegründet. Fritz Weinhold wurde Gemeinschaftsleiter, die Versammlungen des „EC-Jugendbundes“ und der „Landeskirchlichen Gemeinschaft“ fanden fanden in den Räumen bei Max Ahner in der Oberen Hauptstraße 14 statt.

1943
Mussten infolge der ständig steigenden Besucherzahlen die Versammlungen vorübergehend in der Friedhofskapelle stattfinden.
1944
Erfolgten der Ausbau und der nachfolgende Bezug größerer Räumlichkeiten in der Fabrikstr.3

1947
Am 12.02. d.J. wurde die LKG Wittgensdorf vom Gemeinderat Wittgensdorf, unterzeichnet von damaligen Bürgermeister Steinbach, aufgefordert detailliert über ihre Tätigkeit zu berichten. Im Einzelnen wurden zu den folgenden Punkten Angaben gefordert:
- Namen, Vornamen und Anschriften der Verantwortlichen Leiter
- Wie oft, in welchen Räumen und mit welcher Besucherzahl finden Gottesdienste statt
- Angaben über a) Zahl der Mitglieder b) Zahl auf Veranstaltungen
- Welche Flug- und Werbeschriften werden verteilt? In welchen Auflagen und wo werden sie hergestellt? Welche Zensurstelle erteilt die Genehmigung?
Diese „Berichterstattungen“ zeigen die damalige Politik des Misstrauens und der Überwachung „nichtstaatlicher Organisationen“ durch Staat und Parteiapparat der damaligen Sowjetischen Besatzungszone (SBZ).
1954
Wurde Johannes Müller Gemeinschaftsleiter.
1959
Infolge der Kündigung der Räume in der Fabrikstraße (jetzt Bauhof) durch den Gemeinderat erfolgte der Umzug in die Obere Hauptstraße 76 (Naumann / Fotograf Eichhorn). Umfangreiche Bauarbeiten wurden erforderlich.


1960
Willy Weinhold wurde Gemeinschaftsleiter
1965
Das 50jährige Jubiläum der LKG Wittgensdorf wurde mit einer Denkschrift vorbereitet
1972
Joachim Pflugbeil wurde Gemeinschaftsleiter
1976
Vom 18. bis zu 20.06. d.J. wurde das 60jährige Jubiläum der LKG mit Gottesdiensten und einer Festveranstaltung mit dem Landesinspektor Walter Nieke gefeiert. Das Fest war für alle eine gute Gelegenheit, im vertrauten Kreis alte Freunde, liebe Brüder und Schwestern nach oft langem oder auch kürzerem Getrenntsein wiederzusehen und zusammen dieses Jubiläum zu feiern.
1982
Vilmar Hans wurde Gemeinschaftsleiter
1988
Während einer „Kinderbibelwoche“ wurde das Dach des gemieteten Gemeinschaftssaales durch ein Unwetter stark beschädigt und „in Windeseile“ wieder abgedichtet.
1991
Erste Gedanken zu einem eigenen Gemeinschaftshaus: Ein Baugrundstück in Ortsmitte konnte nicht gefunden werden. Die große Mehrheit der Mitglieder stimmte für „das Wagnis Bauen“ und stellte dafür monatlich 4000 DM als Spende oder Kredit (zinslos) zur Verfügung. Mehr als zehn Mitglieder mit handwerklichen Fähigkeiten stellten sich ehrenamtlich zur Verfügung um einen hohen Anteil als Eigenleistung zu erbringen.
1992
Beginn mit Ansparen und Projektplanung
1994
Gemeinsam mit der Kirchgemeinde unseres Ortes fanden auf dem Vorplatz der alten Turnhalle in der Chemnitzer Straße „Zelttage“ mit der „Deutschen Zeltmission Siegen“ statt.
1995
Reinhardt Winkler wurde Gemeinschaftsleiter
1996
Am 01.04. erfolgte der Baustart für unser neues Gemeinschaftshaus im Grundstück Obere Hauptstraße 216 mit dem ersten Spatenstich. Schon am 26.04. erfolgte die Grundsteinlegung und am 13.06. konnte das Richtfest gefeiert werden.


1997
Wurde am 13. Juli unser „Haus der Begegnung“ um 14:00 Uhr mit einer Festveranstaltung eingeweiht. Das Haus, in dem die LKG und der EC-Jugendkreis Wittgensdorf ihre Veranstaltungen durchführen, wurde durch zahlreiche Spender, von Handwerksbetrieben und durch eine ABM-Maßnahme unterstützt.
Damit konnten wir mehrere neue Angebote für die Wittgensdorfer machen:
- Frauengespräch mit Frühstück
- Seniorentreff
- Teentreff und Citytreff (z.Zt. leider nicht mehr)
- Männerfrühstück
- „Gemeinschaft im Grünen“
- gelegentlich Konzerte und Theater, Kinderbibelwochen
- Darüber hinaus vermieten wir gelegentlich Räume unseres Hauses für Festlichkeiten, Schulungen u.ä.
Nachstehend einige Aktivitäten der LKG im Haus der Begegnung




Außerdem haben wir uns zunehmend mit Werken und Organisationen, die sich weltweit um die Probleme unserer Tage mit Engagement kümmern, vernetzt.
2004
Wir beteiligten uns am Festumzug zum 750jährigen Ortsjubiläum unseres Heimatortes.

2007
Siegfried Serbe wurde Gemeinschaftsleiter . am 24.06. feierte die LKG Wittgensdorf ihr 91jähriges Jubiläum und gleichzeitig „10 Jahre Haus der Begegnung“ mit einer Festveranstaltung mit Pastor Werner Beyer, Bad Blankenburg. Sie stand unter dem Motto:
„Weil wir Hoffnung haben, können wir Gottes Wort voller Zuversicht verkündigen!“ Eine Festwoche vom 18. – 24.06. mit vielfältigen Aktivitäten vervollständigte das Jubiläum.
2012
Mit einem Festwochenende vom 07. – 08.07. wurde mit Konzerten des Liedermachers Daniel Chmell, dem Volkschor Wittgensdorf, Leitung von Frau Ursula Müller, zusammen mit dem Chor der LKG, Leitung Herr Matthias Weinhold sowie mit Kinderstunde, gemeinsamer Kaffeetafel und einer abschließenden Festveranstaltung mit Matthias Genz das 15jährige Bestehen des „Haus der Begegnung“ gefeiert.
2013
Eine Woche lang fanden Zelttage für alle Bürger mit der DIPM (Deutsche Indianerpioniermission) statt
2015
Falko Pflugbeil übernahm die Aufgabe des Gemeinschaftsleiters
2016
Die LKG Wittgensdorf beging am 05.09. in einer Jubiläumsfeier das 100jährige Jubiläum der Gemeinschaft. In einer Dankesrede erinnerte Reinhardt Winkler an die Geschichte und Entwicklung der Gemeinschaft, sprach über bestandene und neue Herausforderungen sowie über die weitere Entwicklung der Gemeinde. Sein Dank galt allen Gemeindemitgliedern für ihr Engagement und die geleistete Arbeit.
Eine Woche lang feierte die LKG mit vielen Gästen Zelttage mit der DIPM.


2023
Andreas Kaden wurde Gemeinschaftsleiter.

„Haus der Begegnung“ wohin? Es soll ein Ort des offenen Austausches sein, ein Ort wo sich Menschen begegnen und Beziehungen wachsen. Es macht Sinn in bewegten Zeiten Fragen zu stellen und gemeinsam hilfreiche Antworten zu suchen und zu finden.
Abschließend möchte ich mich für Unterstützung meiner Arbeit bei der LKG Wittgensdorf und ganz speziell bei Herrn Reinhardt Winkler für die Zuarbeit der umfangreichen Unterlagen bedanken, ohne die dieser Artikel nicht zu Stande gekommen wäre.
Ullrich Nier
Ortschronist
Kultur- und Heimatverein Wittgensdorf e.V.