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Kulturleben

erschienen in: Heft 4/2015

Beiträge zum Wittgensdorfer Kulturleben Mitte der 1930-er bis 1989

Seit jeher war das kulturelle Leben in Wittgensdorf von einer großen Vielfalt geprägt. Wir wollen in diesem und den nachfolgenden Beiträgen versuchen, das Kulturleben unseres Ortes in seiner Entwicklung nachzuzeichnen und anhand von persönlichen Erleben, überlieferten Ereignissen und alten Fotos darzustellen. Zur Verdeutlichung der Situation vor dem II. Weltkrieg haben wir einen Blick in ein Adressbuch für Burgstädt und Umgebung aus dem Jahr 1937 geworfen. Es verzeichnet für Wittgensdorf 28 Vereine und Genossenschaften. 14 davon waren auf den Gebieten Kultur, Sport und Nutztiere (Imker, Geflügel- und Kleintierzucht) tätig. Stellvertretend sei hier der Konzertinaverein genannt. Dessen Gründung erfolgte schon im Jahr 1895 und er bestand bis 1965, wo er sich mangels Nachwuchs auflöste.

Viele Vereine jedoch lösten sich schon Ende der 30iger Jahre infolge der Politik der Nationalsozialisten bzw. mit Kriegsbeginn 1939 auf. Ging es nach dem Krieg zuerst einmal um die Sicherung der elementaren Bedürfnisse der Menschen, begann sich Ende der 40iger, Anfang der 50iger Jahre auch schon wieder die kulturelle Szene zu etablieren. In Wittgensdorf spielte dabei der aus den enteigneten Textilbetrieben Häberle, Steinbach und Röser entstandene Großbetrieb „VEB Trikotagen und Strumpfwerke Wittgensdorf“ eine wichtige Rolle. Hier wurden bereits 1948 die ersten so genannten „Kultur- oder Laiengruppen“ gegründet. Diese bildeten die Basis für das sich wieder entwickelnde vielschichtige kulturelle Leben in der DDR. Es umfasste Kunst, Sport, Literatur, Mode, Erziehung und Bildung. Aufgrund einer umfangreichen staatlicher Förderung blieben die Preise für Kultur- und Sportveranstaltungen niedrig und waren so einem breiten Publikum zugänglich. Die hohen Allgemeinbildungsziele der DDR-Regierung schlossen auch Sport und Kultur mit ein. Das führte zu vielfältigen Angeboten an den Schulen in Form von Arbeitsgemeinschaften. Über die erfolgreiche außerunterrichtliche AG-Tätigkeit an unserer Wittgensdorfer Schule berichteten wir bereits in der Rundschau Oktober 2014 im Beitrag zur Schulgeschichte. Wie schon oben angeführt, wollen wir uns nun anhand des kulturellen Schaffens der Belegschaft dieses und anderer Wittgensdorfer Betriebe mit der „Kulturszene“ unseres Heimatortes näher befassen. Dabei erheben unsere Beiträge keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Wir möchten Sie, liebe Wittgensdorfer, an dieser Stelle ermutigen, unsere Ausführungen zu ergänzen oder gegebenenfalls zu berichtigen. Jeder Beitrag ist willkommen - Gestalten Sie Ihre „Rundschau Wittgensdorf“ mit!

Unser erster Beitrag befasst sich mit dem Musikschaffen, speziell der Unterhaltungsmusik in Wittgensdorf. Vorab jedoch noch ein kurzer historischer Exkurs. Wie schon im Vorwort erwähnt, gründete sich schon im Jahr 1895 als Verein das Konzertinaorchester Wittgensdorf. Auch die Wittgensdorfer Feuerwehr hatte von 1920 bis 1938 eine eigene Blaskapelle unter der Stabführung von Ernst Straube. Sie zeichnete sich durch ein umfangreiches Repertoire von Marschmusik und Unterhaltungsmusik aus und unterhielt die Wittgensdorfer Einwohner auf vielen Veranstaltungen.

Natürlich kam auch die Tanzmusik nicht zu kurz. Anfang der 30er Jahre gründete sich die Orchestergemeinschaft Wittgensdorf unter Eugen Gansel und Fritz Riedel. Im Gasthaus Jagdschänke an der Burgstädter Straße gab es ebenfalls eine Tanzkapelle unter den Herren Eugen Gansel und Walter Raake.

Alle diese Kapellen lösten sich aber infolge der der Politik der Nationalsozialisten bzw. mit Kriegsbeginn 1939 auf.

Wie schon oben beschrieben, war der Neubeginn dank der Unterstützung des Großbetriebes „VEB Trikotagen und Strumpfwerke Wittgensdorf“ verhältnismäßig einfach. Bereits ab 1950 existierte das Blasorchester Trikotex in welchem sich auch Musiker aus den Kapellen der 30iger Jahre wieder fanden. Auftritte zu den unterschiedlichsten Veranstaltungen prägten das Bild des Orchesters.

Ab 1955 hatte sich der Faschingsverein Wittgensdorf mit vielfältigen Veranstaltungen etabliert. Auch hier gab das Blasorchester Trikotex die klangvolle Unterstützung.

1958 trafen sich Vertreter der Gemeinde, des VEB Trikotex und Kulturschaffende in der HO-Gaststätte „Volkshaus“ (ehem. „Krone“) zum Thema „Entfaltung des Kulturlebens der Jugend“. Im Ergebnis dieser Beratung wurde die „Jugendtanzkapelle Trikotex“, die „DixiRhytmiker“ gegründet. Die Formation bestritt Tanzveranstaltungen in Wittgensdorf und Umgebung sowie zu individuellen Veranstaltungen.

Für die „Dixi-Rhytmiker“ gab es im Jahr 1970 einen Einschnitt hinsichtlich der Besetzung. Durch die international einsetzende Umgestaltung der Musikszene wurden die großen Tanzorchester mehr und mehr durch kleinere Besetzungen abgelöst. Auch die Dixi`s bildeten sich um und nannten sich hinfort „Team 5“ in der Besetzung Michael Weber, Dieter Grünemann, ……………, Kulle und ………………. .

Parallel zu dieser Formation bestand natürlich auch das Blasorchester Trikotex weiter und spielte in unterschiedlichen Besetzungen auf vielen Veranstaltungen, nahm an Blasmusiktreffen teil und musste schließlich auf Grund von Nachwuchsproblemen am 01.05.1983 seine Existenz beenden. Nachfolgend einige Impressionen aus der Sammlung Dietmar Esche, langjähriges Mitglied des Blasorchesters und der Dixi-Rhytmiker.

Der Vollständigkeit halber sei noch die weitere Entwicklung nach 1990 beschrieben. Da nach der Wende mit dem Wegfall der betrieblichen Unterstützung die Kapelle keine Existenzgrundlage mehr hatte, mussten auch die Dixi`s aufgeben. Im Jahr 1994 trafen sich jedoch die alten Kämpen vom Team 5 und gründeten mit vergrößerter Besetzung das Team 5+. Das Repertoire wurde aktualisiert und vergrößert. Interne Veranstaltungen, Dorffeste und andere Veranstaltungen wurden bespielt. Im Jahr 2001 kam allerdings durch Todesfälle und Krankheiten das altersbedingte Aus. Damit endete die Geschichte des Blasorchesters Trikotex und aller seiner Formationen.

Am Ende unserer Ausführungen möchten wir nochmals die Bitte an alle Leser dieses Artikels richten, uns mit uns noch nicht bekannten Informationen, Berichten etc. zur Geschichte des Kulturarbeit im VEB Trikotex zu unterstützen. Sollte es Ihnen nicht möglich sein uns in direkter Form zu kontaktieren, rufen Sie uns bitte an (Tel.: 0371/3314393 oder 037200/80172), wir kommen gern zu Ihnen zum Gespräch oder zur elektronischen Sicherung eventuell vorhandener Fotos.
Vielen Dank.

Fortsetzung folgt.

Rena Fritzsche, Dietmar Esche, Ullrich Nier
Kultur- u. Heimatverein Wittgensdorf

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