⇩ PDF herunterladen

Geschichte der Kirche – 2

erschienen in: Heft 4/2020

Die Geschichte der Kirche zu Wittgensdorf

Ein Beitrag zur Ortsgeschichte

Im zweiten Teil unseres Beitrages befassen wir uns, wie schon im Teil 1 erwähnt, mit dem Zeitraum von 1730 bis ca.1900. Für diesen Zeitraum werden die Überlieferungen reichlicher, allerdings fehlen noch viele dokumentarische Belege wie z.Bsp. Rechnungen, Urkunden.

Kommen wir aber zu unserem ersten überlieferten Ereignis. In dem Buch „Kleines Taufbuch von 1726 bis 1753“ lesen wir für das Jahr 1730 wörtlich folgende Zeilen:

„Denkwürdig ist dieses vergangene Jahr 1730, dass in der hiesigen Kirche vollends der Altar und die Porkirche (Die erhöhten Sitze [Emporen] in der Kirche, welche gemeiniglich das Chor genannt werden; im „gemeinen Leben“ die Porkirche genannt) sind gebaut worden. Den Altar hat der Gnädige Herr, Caspar Abraham von Schönberg auf Wittgensdorf, Maxen und Reichstädt allein auf seine Kosten bauen lassen, welchen gemacht hat Meister Gläntzel, Tischler in Stollberg und ist den 17.Juli aufgesetzt worden und hat auch die sämtliche Porkirche gemacht. Der Bildhauer, so die Arbeit am Altar gemacht, ist Johann Emanuel Bettger zum Ernstthal. Der Mahler ist gewesen Herr Kreß, Mahler in Chemnitz, welcher den Altar, die Herrn Porkirch und den Beichtstuhl gemahlet; in allen kostet der Altar 100 Thaler, welches alles die Herrschaft gegeben. Den Beichtstuhl hat das ledige Volk bauen lassen vor 10 Thaler, welchen der der Tischler von Stollberg auch gemacht. Der Herr Verwalter Samuel Götze hat ihn mahlen lassen vor 4 Thaler und 12 Groschen“.

Das nächste wichtige überlieferte Ereignis datiert aus dem Jahr 1739. Es schließt sich ebenfalls an den Erweiterungsbau unserer Kirche aus den Jahren 1728/29 an. Hierzu müssen wir aber etwas weiter ausholen. Der Familie von Schönberg, welche Wittgensdorf von 1674 bis zum 25.08.1828 in ihrem Besitz hatte, gehörte von 1558 bis 1819 das Waldhufendorf MAXEN in der Nähe von Dresden

Quelle: Album der Rittergüter und Schlösser im KR Sachsen [1]
Quelle: Jörg Blobelt, Dorfkirche Maxen

Nördlich von Maxen liegt noch der kleine Ort Wittgensdorf. Seine erste urkundliche Erwähnung fällt in das Jahr 1420. Hinsichtlich des „Gründers“ herrscht wie auch in unserem Heimatort die gleiche Unklarheit. Es wird auch wie bei uns vermutet, dass ein Witticho (o.ä) das Dorf gegründet habe. Auch ein Meißner Bischoff Withego (1266-1293) könnte der Gründer sein. Eine Antwort darauf gibt es nicht. 1519 gehörte der Ort zur Pflege Dohna und ab 1696 zum Amt Pirna. Anschließend gehörte er von 1856 bis 1875 zum Gerichtsamt Dippoldiswalde und danach zur gleichnamigen Amtshauptmannschaft. Für das Jahr 1552 werden 7 besessene Mann, 1 Häusler und 14 Inwohner genannt. 1746 erhöht sich deren Zahl auf 9 besessene Mann und 6 Häusler. Heute gehört der Ort zur Großgemeinde Kreischa.

1739

Kommen wir nun wieder zur Geschichte unserer Kirche.
Für das Jahr 1739 wird berichtet, dass aus Maxen eine Orgel nach Wittgensdorf gekommen sei. Hierzu lesen wir in [3] auf Seite 25: „1739 verkauft die Kirchgemeinde die Orgel nach Wittgensdorf bei Chemnitz, wo sie bis 1845 verbleibt“ Gleichzeitig kauft die Kirchgemeinde Maxen ein defektes Orgelwerk mit 18 Registern und 2 Claviaturen von der Schlosskapelle zu Weesenstein. Sie wird repariert und 1742 im neu erbauten Chor über dem Altar eingebaut, wo sie bis 1877/1878 verbleibt. Dazu lesen wir in [4] auf Seite 9 folgende Zeilen:

1726

Zu dieser Zeit (1726 bis 1737) war Magister Johann Gottfried Meier (gest. 17.08.1695 in Bischofswerda) Pfarrer in Wittgensdorf. Er wurde 1737 als Pfarrer nach Maxen berufen und verstarb am 29. August 1760 mit 65 Jahren.

Quelle: [7], Seite 18

Sein Nachfolger in Wittgensdorf war Gottfried Karg, geb. 1702 in Reichenbach/V., von 1737 bis 31. März 1760 (verstorben). Vorher war er von 1733 bis 1737 Feldprediger beim Nassauischen Regiment. Schulmeister und Organist war von 1702 bis 1742 Christian Gottlebe.

1757

Im Jahr 1757 schenkte die Gattin von Christian Ehrenreich von Schönberg, Königlich Polnischer und Chursächsischer Kammerherr und Oberstleutnant der Cavallerie (*21.05.1719, + 20.11.1807) der Kirche eine neue Altarbekleidung. Im gleichen Jahr werden am 21. Juni der Kirchturmknopf und die Kirchturmfahne abgenommen, weil sie „wankend“ waren. Am 29.6. wieder „aufgesetzt“ und eine Urkunde mit eingelegt.

1763

Werden für die Glocken und den „Seiger“ neue Stränge und Riemen beschafft.

1764

„Den 8. Septembris ist der Wittgensdorfische Kirchknopf von Meister Michel Tüßner, Schieferdecker in Chemnitz, abgenommen worden, weil solcher wandelbar gewesen. Und den 17. Septembris wider aufgeflickt, danebst einer neuen Spille naufgesetzt worden“.

1783

Magister Gottlieb August von Plänkner, geb. als Sohn des Dr. Traugott von Plänkner, Sächs. Kommissionsrat und Bürgermeister von Chemnitz wird 1783 als Pfarrer zu W. berufen und begleitet dieses Amt bis 1789, danach wird er Superintendent von Penig. 1792 erwirbt er den Dr. theol., verstorben 1816.

1789

Den 11.Juli 1789 als den VI. Trinitatis ward Herr Magister Christian Gottlob Schilling, geb. 1755 in Zwönitz, Pastor allhier in seinen Amt investiret (eingeführt). Er begleitete das Amt bis 1839 und verstarb 1845.

Wandelte Christian Ehrenreich von Schönberg die Frohndienste in eine Steuer, das sog. Frohngeld um.

1791

Begaben sich zwei römisch katholische Knaben hierher um das Strumpfwirkerhandwerk zu lernen. Franz Carl Fromm und Carl Traugott Walter, beide aus Dresden, welche sich selbst frei zur evangelisch-lutherischen Religion bekannten, wo sie Magister Christian Gottlob Schilling, Pastor allhier, in den evangelischen Religionsunterricht übernahm, welche ihr Glaubensbekenntnis am zweiten Pfingstfeiertag Nachmittag den 13. Juni in unserer Kirche ablegten, und am 1. Trinitatissonntage, den 26. Juni nach evangelischen Gebrauch Communicirten.

Den 14. Juni 1791 gab der hiesige Schulmeister Adam Heinrich Gottlebe sein Schuldienst auf, weil er selbiges hohen Alters nicht mehr verrichten konnte. Danach wurde H. Johann Gottlob Lehmann, vorher Schulmeister in Lauterbach bei Zwickau, der hiesige Schuldienst übertragen. Am 31. Juli tat er seine Schulprobe hier und den 8. September trat er den Schuldienst hier an.

1792

Den 13. März 1792 starb der hiesige alte Schulmeister H. Adam Heinrich Gottlebe in einem Alter von 83 Jahren. Er verrichtete den Schuldienst 10 Jahre in Köthensdorf und 45 Jahre hier in Wittgensdorf und hat in dieser Zeit 1369 Leichen „Beerdigen helfen“.

1794

Stiftet unserer Kirche Caspar Carl Friedrich von Schönberg einen neuen Taufstein. Zuvor stand ein Taufengel „darinnen“.

Quelle: Sammlung Nier

1795

Zum Neujahrestage wurden die Knaben bei der Communion zum „Tüschelhalten“ mit neuen Chorröcken, und mit neuen Schwarzen Mützen Beschenket zuvor trugen sie „Kräntze „

1796

Wir lesen in [6]: „Es ward auch zu dieser Zeit ein neues Leichentuch und ein Crucifix darauf von gutwilligen Beiträgen geschafft. Auch ward das Leichenkreuz mit repariert“.

1797

Erbauten der hiesigen Zimmermeister Fröhlich und der Chirurgius August Leberecht Höpfner das neue Pfarrviehhaus im Accord für 840 Thaler und reparierten das alte Viehhaus.

1800

Im Februar 1800 schenkt der Bauer Gottfried Sieber der Kirche ein neues schwarzes Altartuch und einen Kanzelkranz.

1801

Am 20. November starb in Dresden der hiesige Gerichtsherr H. Christian Ehrenreich von Schönberg, Churfürstlich Sächsischer Kammerherr und Oberstleutnant im 83. Lebens- und 37 Jahr seiner Regierung. Am 27.12. den 3ten Weihnachtsfeiertage ward ihm eine Gedächtnispredigt über 1. Buch Mose 48 v. 21 gehalten.

1803

Der Kirchturm wird in den Monaten September / Oktober repariert

1811

Am 29. September wurden die „Neuen Dresdner Gesangsbücher“ in der Kirche eingeführt.

1814

„Den 18. Oktober ward auf hohe Anordnung in Sachsen eine Gedächtnispredigt über Spr. Sal. 21 v. 30.31 gehalten zur Ehre der im Jahre 1813. den 18. Und 19. Oktober gebliebenen Krieger in der großen Völkerschlacht bei Leipzig. Tags darauf als den 19. Oktober ward eine Dankfestpredigt gehalten über Psalm 102.v. 19.20“.

Ebenso 1814 kauft die Gemeinde ein Stück „herrschaftlichen Gartens“ zur Erweiterung des Kirchhofes und lässt ihn mit einer neuen Mauer umgeben.

1815

Den 7. Juni kam unser König Friedrich August nach einer Abwesenheit von 20. Monaten aus den oest. Staaten in seine Residenzstadt Dresden zurück, in seiner Abwesenheit vertrat der russ. kaiserlicher Fürst Regiim als Gouverneur die Regierung in Sachsen. Nach der Rückkunft unsres Königs ward in Königreich Sachsen ein Fest gefeiert zu Ehren seiner hohen Person, das Königsfest genannt. Dieses Fest ward den 25. Juny allhier gefeyert: am Vorabend den 4. Jun ward es mit Einlauten dreyer Puncte bekannt gemacht zwischen jeden Punc ward von den hiesigen Abgedienten Militairpersonen mit Gewehr eine Salve gegeben. Den 25. früh 4 Uhr wieder

wie am Abend vorher, gegen 8 Uhr nahm der Gottesdienst seinen Anfang, vorher Versammlet sich die Commune in der Pfarrwohnung, von da gieng der Zug Ordnungsweise unter Gesang in die Kirche die mehrsten von der Jungferschaft weis bekleidet mit Vorsitz um den Altar, die Jünglinge auf den Emporkirchen und die übrigen Communglieder. Nun ward aus dem Dresdener Gesangbuch Nr. 640. vom 1. Bis 6. Vers Abgesungen nach diesen der 60. Psalm statt der Epistel Abgelesen, dan das erwehnde Lied bis zu Ende gesungen, und der 100. Psalm statt des Evangeliums Abelesen, dan der allgemeine Kirchenglaube gesungen und eine Predigt über Psalm 61 v. 7 gehalten nach der Predigt ward das Te Deum Gesungen unter Lautung aller Glocken und drey Gewehrsalven auf den Kirchhof geben.

Der Altar war mit 8 brennenden Kerzen und mit Eichenlaub umwunden Behängen verzieret, desgleichen auch das Herrschafts- und Schulchor mit dem Namenszug unsers Landesvaters Friedrich August verziert.

„Nachdem auf unserem Kirchturm die Spindel in der Windfahne wandelbar war, so übernahm der Schieferdecker Gottlob Diettrich von Ebersdorf das Werk, nahm den 27. July Knopf, Spindel und die Fahne herunter, die Fahnenspindel und Thurmhaubenspitze wurden etwas abgekürzt, ehe dieses aber fertig wurde, hing sich der Schieferdecker Dittrich in der Nacht vom 10. bis 11. Aug. bey den Krämer Hoesel in die Stube an die Ofenstange. Nach diesem Fall hat der Schieferdecker Johann Christian Rost von Lunzenau, den Knopf, und die Spindel mit der Windfahne den 22. Aug. a. c. glücklich wieder aufgesetzt“.

1816

Im Monat Mai 1816 repariert der hiesige Uhrmacher Johan Gottfried Ahner die hiesige Kirchturmuhr. Kosten: 27 Taler, 11 Groschen, 6 Pfennige.

1822

Wird die 1739 aus Maxen gekommene Orgel vom Orgelbauer Kentgen repariert und vom Tischlermeister Hain aus Lichtenau staffiert.

1824

Der Kirchenbauvorsteher Schwalbe und der Wittgensdorfer Zimmermeister Thieme reparieren 1824 das hiesige Schulhaus (Anm. Nier: Die alte Kirchschule!)

1825

Kantor und Kirchschullehrer wird Johann Gottfried Kirchner, Vater des bekannten Komponisten Theodor Kirchner. Er geht 1859 in den Ruhestand.

Quelle: Recherche Pfarramt Wittgensdorf

1827

Am 5. May starb unser König Friedrich August im 77sten Lebens- und 59sten Jahre seiner Regierung. Nach seinem Tod trat sein Bruder Anton Clemens Theodor die Regierung als König von Sachsen an. Am 18. Juni ward eine Gedächtnispredigt über Psalm 91. v 14-16. unseres höchstseligen Königs Friedrich August gehalten. Das Kirchliche Lauten wehret 6 Wochen fing sich den 13. May an, und endigt sich den 23. Jun. Täglich eine Stunde von 11 bis 12 Uhr.

1828

Carl August von Schönberg (30.01.1781 - 14.06.1841) verkauft am 25.08.1828 das Rittergut an den Chemnitzer Kaufmann Carl Sigismund (von) Albanus. Damit endet die nahezu 700jährige Grundherrschaft adeliger Herrschaften in W.

1830

Am 25. Juni wurde das 300jährige Jubelfest der Übergabe der Augsburgischen Konfession von den Protestanten 3 Tage in folgender Gestalt gefeiert: Am Vorabend, den 24. Juni wurde mit allen Glocken in 3 Punkten eingeläutet, zwischen jeden Punkt wurde eine Salve mit Gewehr von den hiesigen Schützenchor gegeben und mit Musik vom Turm geblasen. Als am ersten Festtage früh vier Uhr wieder in dieser Art Morgen geläutet, gegen 8 Uhr versammelt sich die Commun (Gemeinde) im Erbgericht, was ehelich war wo es sich wollte tun lassen, gingen in schwarzer Kleidung die ledigen Mannspersonen nach Willkür, die weiblichen weis bekleidet mit Kränzen. danach ging der Zug in die Kirche unter Läuten aller Glocken mit den hiesigen Schützencorps, mit klingenden Spiel und fliegender Fahne, es schlossen sich die weisbekleideten Jungfern an, an diese die Junggesellen, an diese die Männer, die Frauen schlossen den Zug. Die ledigen Weibspersonen hatten den Vorsitz um den Altar. Auf den Altar brannten 11. Wachslichter, im Gottesdienst wurde gepredigt über Luc. 21 v. 13-19. Nach der Predigt ward Amt der heiligen Gemeinde gehalten. Am Nachmittag wurden die ledigen Weibspersonen vom Schützencorps mit fliegender Fahne und klingenden Spiel wieder in die Kirche begleitet, gepredigt ward über 1. Thim. 6, 13. 14. Nach der Predigt ward ein Dankgebet von den Herrn Pastor Schilling vor den Altar abgelesen. Abends 7 Uhr wurde wieder in 3 Punkten mit Salven und Musik vom Turm eingeläutet. Am 2.Feiertag (25. Juni) früh 4 Uhr ward wieder in 3 Punkten mit 3 Salven und Turm Musik geläutet, um 8 Uhr wurden die Schulkinder beiderlei Geschlecht von den Schützencorps mit fliegender Fahne und klingenden Spiel in die Kirche geführt, die sämtliche Kinder hatten den Vorsitz um den Altar, der Herr Pastor Schilling hielt eine Rede über das Fest vor dem Altar. Nach diesen der Herr Schulmeister Kirchner Examen mit den Kindern von der Reformation dann schloss sich der Gottesdienst. Nachmittag war kein Gottesdienst da hatten die Kinder Vergnügen von verschiedener Art. Dritter Jubeltag, früh 8 Uhr versammelten sich die ledigen Weibspersonen, weis bekleidet im Erbgericht wo das Schützencorps dieselben mit fliegender Fahne und klingenden Spiel in die Kirche begleiteten, sie hatten den Vorsitz um den Altar so lange sich der Gottesdienst begab. Nachmittag war Betstunde, so beschloss sich dieses Fest.

Jubel Texte 1.) Vormittag 1 Tim 6, 12 2.) Vormittag 1 Cor. 8, 1-3 Nachmittag 1 Tim 6, 13 u. 14. Epist. Psalm 119, 43-50 Epist. Psalm 100, 1-5 Nachmittag Evang. 1 Cor. 13, 9-13 Evang. Luc. 21, 13-14 3.) Vormittag Matth. 10, 26-28 Nachmittag 2.Cor. 4,1-2 Epist. Psalm 143, 5 bis 10 Evang. Hebr. 13, 17, 18, 20, 21 Vers Vers 19. fällt aus.

Den 25. Juli als den 7. Trinitatis wurde zum ersten mal der Brauch eingeführt, dass zwei Personen zugleich beim Abendmahl gehen das Brot und den Wein empfangen.

1835

Am 13. Oktober 1835 erhält der Kirchturm einen neuen Kirchturmknopf und eine neue Fahne, beides gestiftet von C.S. Albanus; aufgerichtet vom Schieferdeckermeister Nefe aus Hohnstein. In den Knopf sind mit eingelegt worden neben verschiedenen Schriften auch drei „Speziestaler“. Diese wurden bei der Generalreparatur des Kirchturmdaches 1982 im Knopf gefunden und fotografiert. Nachstehend die Fotos der Münzen mit Vorder- (Avers) und Rückseite Revers).

Quelle: Sammlung A. Kühn (3x)
Quelle: Sammlung A. Kühn (3x)
Quelle: Sammlung A. Kühn (3x)

Eine Erklärung zu diesen Münzen gibt uns Herr Wolfram Fritzsche, ein profunder Kenner der Münzgeschichte Sachsens. Er schreibt zu den Münzen (von links beginnend): - Sterbe-Speziestaler 1827 von Münzmeister J. G. Studer; König Friedrich August von Sachsen Ringprägung 37 mm, 28,19 Gramm 833 Feinsilber, Prägung im 20-Gulden-Fuß - Verfassungs-Speziestaler 1821 Münzmeister J. G. Studer; Anton König und Friedrich August Mitregent von Sachsen Weiterer Text: Vereinten sich mit den getreuen Ständen zu neuer Verfassung des Staates Ringprägung 37 mm, 28,19 Gramm 833 Feinsilber, Prägung im 20-Gulden-Fuß - Ausbeute-Speziestaler, 1835 von Münzmeister J. G. Grohmann Ringprägung 37 mm, 28,19 Gramm 833 Feinsilber, Prägung im 20-Gulden-Fuß

Der Wittgensdorfer Huf- und Waffenschmied Büttner fertigt ein eisernes Geländer für den Turm. Es wird am 2. September „naufgemacht“ und kostet 29 Taler und 15 Groschen.

1836

Am 6. Juni 1836 stirbt König Anton von Sachsen. Beim Trauergeläut zu seinen Ehren zerspringt die kleine Glocke. Dafür wurde eine neue Glocke angeschafft und am 07. Oktober „auf den Turm gemacht“.

Sie trug die Inschrift:

„Da meine Trauertöne klungen,
Bei Antons Tod bin ich zersprungen.
Die Commun stellt mit milder Hand,
Ein Centner schwerer mich ins Land“

1839

Wird der erste Gemeinderat (1 Gemeindevorsteher, 1 Stellvertreter, 1 Gemeindeältester, 1 Stellvertreter und 20 Ausschusspersonen) gewählt.

Pfarrer H. M. Schilling feiert am 1. September 1839 sein 50-jähriges Amtsjubiläum und übergibt sein Amt an Pfarrer Magister Friedrich Ludwig Ackermann, geb. 06.11. 1804 in Chemnitz, 1830 Vespertinar (hält den Gemeindegottesdienst am Abend [die Vesper]) zu St. Pauli (Universitätskirche Leipzig) und ab 1832 Bürgerschullehrer zu Leipzig, Substitut (Vertreter) von

1839 bis 1845, ordentlicher Pfarrer in W. von 1845 bis zu seinem Tod am 27.01.1858.

Quelle: [7], Seite 19

Das 300-jährige Reformationsjubiläum wird am 1. November 1839 festlich gefeiert. Dazu lesen wir in [5] folgenden umfangreichen Text:

300 jährige Reformationsjubiläum

Schon den Tag vor den 31. Oktober, nachmittags um 4 Uhr, wurde gelautet, worauf die Schulkinder auf dem so genannten Pfarrberg unter Musikbegleitung das Lied „Ein feste Burg ist unser Gott“ anstimmten. Während diesem Gesang gab die Schützencompagnie von der der Kirche gegenüberliegenden Anhöhe 3 Salven ab. Am Donnerstag früh um 3 Uhr wurde von Seiten der Schützen die Reveille (militärischer Weckruf) dem Dorfe entlang geschlagen, geblasen und geschossen. Nach 7 Uhr versammelten sich die Schützen, Strumpfwirkermeister- und gesellen, Lehrlinge, Jungfrauen und überhaupt alle, welche der Feierlichkeit beiwohnen wollten, an bestimmten Orten, und um 8 Uhr trafen Alle im Gericht zusammen. Aus diesen einzelnen Zügen wurde nun ein allgemeiner Zug gebildet. Dieser war folgendermaßen geordnet war: An der Spitze waren die Schützen; dann folgte der Communrath und andere Deputirte der Gemeinde; an diese schlossen sich die Jungfrauen an, welche größten Theils weiß gekleidet waren; an diese wieder die Meister; dann kamen die Gesellen und zuletzt die Lehrlinge. Jede einzelne Abtheilung hatte ihren Führer, welche durch weiße Binden am linken Arm ausgezeichnet waren. Zwei Deputirte der Gemeinde, welche sich durch weiße Binden, Stoßdegen und Bonapartenhüte auszeichneten, hatten die Aufsicht über den ganzen Zug. Nachdem nun wieder gelautet war, bewegte sich dieser ansehnliche Zug, von zwei Musikchören begleitet langsam der Kirche zu. Unweit der Kirche und zwar im Dorfe hatte man eine Ehrenpforte errichtet. Hier hatten sich die Ortsgeistlichen und die Schulkinder versammelt, welche sich in der Mitte des Zuges anschlossen. Der Herr Magister Ackermann trug einen Kelch, welchen die Gemeinde zur Erinnerung an diesen Festtag der Kirche geschenkt hatte. Der erste Schullehrer trug auf einem seidenen Kissen den Katechismus D. Martin Luthers der zweite Lehrer trug gleichfalls auf einem seidenen Kissen einen Hostienteller, welchen die hiesigen Strumpfwirkergesellen der Kirche verehrt hatten. Das Gotteshaus war mit Kränzen und Girlanden geschmückt. Die Fahnen der Schützen und der Strumpfwirkermeister waren vor den Altar aufgestellt. Der Gottesdienst wurde mit besonderer Feierlichkeit gehalten. Auch die beiden kostbaren Geschenke wurden eingeweiht. Während dem Gesang des Liedes“ Ein feste Burg ist unser Gott“ wurde auf dem Gottesacker von Seiten der Schützencompagnie 3 Salven gegeben. Nach geendigtem Gottesdienst begab sich die ganze Kirchfahrt in geordnetem Zuge, auf einen unweit der Kirche gelegenen ebenen Platze. Hier wurde ein Kreis formiert und das Lied unter Musikbegleitung angestimmt „Nun danket alle Gott!“. Als dies beendet, wurde wieder in das Gericht marschiert. Nachmittags 2 Uhr versammelten sich die Schulkinder im Gerichte, wo sie dann von den Schützen in die Kirche begleitet wurden. Hier hielten die Schullehrer mit den Kindern ein Examen über die Reformationsgeschichte.
Mit dem Schlusse des Gottesdienstes nahmen auch die Festlichkeiten des feierlichen Tages ein Ende. Den folgenden Tag wurde sämtlichen Schulkindern ein kleiner Kaffeeschmaus gegeben, wobei sie Musik und Tanz hatten.
Die Feierlichkeiten des wichtigen Festes waren rühmlich geordnet, nur die raue ungünstige Witterung verursachte viele Unannehmlichkeiten. Zur Erinnerung an diesen Tag werden am Eingang zum Kirchhof rechts und links je eine „Reformationseiche“ gepflanzt. Sie stehen unter Naturschutz und sind mit Gedenkplaketten (siehe nachstehende Fotos) versehen.

Quelle: Sammlung Nier (2x)
Quelle: Sammlung Nier (2x)

1843

Am 8. Mai wurde der Grundstein zum Anbau der Kirche gelegt. Die Länge des Anbaues betrug 8 Ellen (ca. 4,5 m). Er war dem Zimmermeister Meinig und dem Maurermeister Menert von hier übertragen. Über den Bau hatte der Gemeindevorstand Oehme und der Bauer Wienhold die Aufsicht zu führen. Am 8. Juli wurde dieser Anbau aufgeführt u. gehoben. Er wurde später als „Herrschaftskapelle“, „Rittergutskapelle“ oder „Jägerkapelle“ bezeichnet. In der Kirchenrechnung d.J. findet sich ein Einnahmeposten über 20 Neugroschen vom Gerichtsherrn „Den Verkauf der sogenannten Herrenhaide betrf.“ (Bleistiftnachtrag: Verkauft!!)

1845

Baut die Fa. Mende aus Leipzig eine neue Orgel ein

1846

Auf dem Kirchturm erfolgt 1846 die Anlage eines Blitzableiters. Der Austausch eines Geländestreifens mit dem Rittergut bringt dem Gottesacker eine Erweiterung nach dem Südende in gleicher Größe.

Auch 1846 wird das Grundstück Rathausplatz 1 von Frau Natalie Erdmuthe verw. Stelzmann zum Neubau eines Schulgebäudes käuflich erworben. Schon 1837 wurde ein Raum in einem Strumpfwirkerhäuschen am selben Standort als “zweites Lokal” für Unterrichtszwecke angemietet.

1856

Rittergutsherr Albanus verliert den Gutsherrentitel und damit die Verfügungsgewalt über das Dorf.

1858

Aug. Heinrich Lohmann, geb. 1808 in Lengefeld/Erz., 1843 – 1845 Pfarrer in Ottendorf bei Pirna, danach Hohenkirchen 1845 – 1858, wird am 01.08.1858 Pfarrer in W. und bekleidet das Amt bis Michaelis 1887, gest. 15.12.1902 in Burgstädt.

Quelle: Recherche Pfarramt Wittgensdorf

1859

Wird Johann Friedrich Salzmann Kantor und Kirchschullehrer in Wittgensdorf, er bekleidet das Amt bis 1894

Quelle: Recherche Pfarramt Wittgensdorf

1866

Am 23.10. wird das neu erbaute Schulhaus mit 4 Schulstuben und einer Lehrerwohnung, Rathausplatz 1 übergeben. Es entsprach aber schon bei seiner Einweihung nicht den eben erlassenen Schulhygienegesetzen und wurde nur übergangsweise zugelassen.

1881

Das eiserne Kirchhofstor wurde samt seinen Sandsteinpfeilern errichtet. Eine Freundin der Kirche, die nicht genannt sein wollte, spendete einen Kronleuchter. Die Rechnung betrug 338 M. 80 d. Er war aus Stettin. Die Treppe zum Anzünden kostete 10 M. und wurde von der Schenkerin bezahlt.

Quelle: Sammlung Nier

Eine andere Freundin der Kirche ließ dort den Ziegelboden entfernen und Zementplatten legen. Die Arbeit führte Louis Koch aus Wittgensdorf aus und erhielt dafür 480 M. Zum Erntefest wurden beide Geschenke übergeben. Frau Bäckereibesitzerin Johanne Artiane Steinbach und die vorherige Gutsbesitzerin Eleonore Richter, geb. Oehme waren die Schenkerinnen, ihnen gebührt der innigste Dank. Die Gemeinde wünschte bald einen zweiten Leuchter und es bedurfte nur der Anregung, um so viel Geld zu sammeln, was die Beschaffung kostete. Leberecht Delling unterzog sich der Einsammlung, welche wider Erwarten 386 M. brachte. Es wurde nun ein gleicher Leuchter bezogen. Zur Aufhängung der Leuchter wurde statt des hanfenen Taues wurde Eisenstange genommen. Zu Sylvester wurde nun zum ersten Male eine kirchliche Feier veranstaltet. In den Bänken und Ständen wurden 500 Tillen angebracht (30 M.). Die Lichte und Tillen konnten aus der Sammlung bestritten werden, und es blieben noch 6 M übrig zu Lichtern.

1882

Wird das Kirchengebäude sandsteinfarben neu abgeputzt. Die Arbeiten führte der hiesige Baumeister Schenke für 1038 Mark aus. Das Kirchendach wird vom Dachdecker Wolfram aus

Röhrsdorf von Ziegeldach auf ein Schieferdach umgedeckt. Die Kosten belaufen sich auf 669 Mark. Der o.a. Schenke erhält den Auftrag zum Abbruch der alten Kirchschule und zur Errichtung eines neuen Gebäudes, das jetzige Kantorat. Die veranschlagten Kosten belaufen sich auf 30.700 Mark. Vom Rittergut wird eine angrenzende Fläche (20 Quadratruten = 370 m²) erworben, um die erforderlich gewordene Stützmauer zur Straße höhenmäßig in Grenzen zu halten. Auf Verlangen des Rittergutsbesitzers Friedrich Rolle muss eine Begrenzungsmauer zum Garten des Rittergutes errichtet werden. In diese wird ein alter Weihwasserkessel aus katholischer Zeit eingebaut.

Quelle: Sammlung Nier

Zu Weihnachten gab der Gesangverein Konzert, um einen Fond zur Anschaffung neuer Glocken zu bilden. Es wurden 104 Mark übergeben und als „Glockenfonds“ in die Sparkasse zu Chemnitz eingezahlt.

1883

Feierte Pfarrer Lohmann sein 25jähriges Dienstjubiläum unter großer Anteilnahme der Kirchgemeinde und den Honoratioren des Ortes. Am 24. September d.J. wurde die neue Kirchschule geweiht. Dier Schulinspektion übernahm den Bau, der Schulrat Saupe hielt die Weiherede und Pfarrer Lohmann verrichtete das Gebet. Am Nachmittag gab es ein Festessen im oberen Gasthof (Goldene Sonne?). Die Schule wurde dann vom Kantor und dem 4. Lehrer bezogen. Friedrich August Pflugbeil, geb. 1838 in Wittgensdorf trat seinen kirchlichen Dienst als Totenbettmeister, den er bis 1915 verrichtete, an.

Quelle: Recherche Pfarramt Wittgensdorf

1884

Am 21. April gründet Kantor Johann Friedrich Salzmann den Kirchenchor.

1885

Wird die Kirche innen restauriert und die neuen Glocken werden am 16.10. 1885, dem Freitag vor der Kirchweih geweiht. Der Preis für alle Glocken betrug laut Rechnung vom 06. August 1885 einschließlich allem Zubehör und Montage 4199 Reichsmark. Der Guss wurde vom Glockengießer C.F. Uhlig in Apolda ausgeführt. Er lieferte vier Glocken in Es-Dur, das waren 1. Die große Glocke zu 2632 Pfund (1316 kg), die 2. Glocke zu 1352 Pfund (766 kg), die 3. Glocke zu741 Pfund 8370,5 kg) und die Taufglocke zu 283 Pfund (141,5 kg). Dabei wurde das „Pfund“ Glockenguss mit 95 Talern berechnet. Der eichene Glockenstuhl kostete 808 M. Die Beschaffung der neuen Glocken gaben Anlass, die alte, sehr mangelhafte Kirchenuhr zu beseitigen. Der Kantor gab ein Gesangskonzert und konnte damit 103 M „eintragen“. Der Kirchenvorstand trat in Verhandlung mit dem Uhrmachermeister Zachariä in Leipzig, der die neue Uhr für 700 M lieferte und sie am 3. November montierte. Um die Beeinträchtigung der Uhr durch das Glockenläuten zu vermeiden, wurde das Werk unterhalb des Zifferblattes angeordnet. Um Wohnraum für zwei Lehrer (Lehrer Scheibe und Lehrer Kempe) zu schaffen, stellen diese den Antrag an den Kirchenvorstand, ihnen je einen Bauplatz am Kirchweg zur Pfarrei zu verkaufen. Dem Antrag wurde zugestimmt und sie erhielten eine Fläche von je 70 Quadratruten (~650 m²) zum Kauf angeboten.

1886

Wurden hier zwei Häuser im „Schweitzer Stil“ erbaut (heute: Kirchberg 7 und 9)

Quelle: Sammlung Heimatstube

1887

Jul. Wilhelm Frommhold, geb. 1847 in Reichenbach/V., 1870 Realschuloberlehrer in Döbeln, 1872 Diakonus in Burgstädt, 1877 – 1887, Pfarrer in Dörntal bei Sayda, wird am 31. Oktober 1887 Pfarrer in W. Er bekleidet das Amt bis zum 03.06.1909, gest. 1916 in Chemnitz. Der neue Pfarrer Julius Wilhelm Frommhold zog am 26. Oktober in das Pfarrhaus ein und wurde am 31. Oktober, dem Reformationsfest, durch den Superintendent Prof. Michael aus Chemnitz in sein Amt eingeführt.

Quelle: Recherche Pfarramt Wittgensdorf

Noch vor Jahresabschluss verkaufte das Pfarrlehn 225 Quadratruten (4162,5 m²), das heutige Gelände der Kirchner-Grundschule, an die Schulgemeinde zum Preis von 4500 M.

1888

Auch in der Kirche gab es trotz der umfassenden Reparatur vor drei Jahren wieder umfangreiche Bauarbeiten. An verschiedenen Stellen in Schiff u. Sakristei zeigte sich der Schwamm. Versuche, ihn durch „Solaröl“ u. Petroleum zu beseitigen, erwiesen sich erfolglos. Somit musste nun gründlich vorgegangen werden. Das Gestühl wurde herausgenommen und die Dielen herausgerissen. Dabei zeigte es sich, dass sämtliche Dielen und Lager, ja selbst fast alle Säulen vom Schwamm angegriffen waren, auch bereits hier und da die Bänke gelitten hatten. Es mussten daher sämtliche Lager und Dielen im Schiff und Sakristei erneuert sowie die Säulen angeschuht werden. Dabei wurde die Dielung im Schiff hochgelegt, mit Luftlöchern versehen und alles neue Holzwerk mit Antimonrulion (eine sehr giftige Antimonverbindung) und Karbolineum imprägniert, auch die Frauenstühle durch Weglassung je einer Bank auf jeder Seite bequemer gemacht. Am meisten Schwierigkeit bereitete die Sakristei, wo, weil die Schwellen, auf denen die Bindewände ruhten, angegriffen waren, sämtliche Bindewände entfernt und ersetzt werden mussten. Zur Illustration fügen wir hier ein Foto von den nahezu identischen Baumaßnahmen von heute ein.

Quelle: Sammlung Nier

Die bisher (seit 1880) gänzlich unzugängliche Gruft unter der Sakristei, in die ebenfalls der

Schwamm eingedrungen war und in der sich zwei Kindersärge befanden, wurde vollends zu

gewölbt, zugänglich gemacht u. ebenfalls mit Luftlöchern versehen. Die Arbeiten wurden durch Baumeister Schenke und Tischler Helbig ausgeführt.

1889

Die Zentralschule wird bezogen. In die obere Etage der bisherigen Schule, Rathausplatz 1 zieht die Gemeindeexpedition, das Standesamt, die Sparkasse und die Gemeindeverwaltung ein. Das Erdgeschoß wird in Wohn- und Geschäftsräumlichkeiten umgestaltet. 1890 zieht hier die Gaststätte „Ratskeller“ ein.

1890

Trat im Kirchenpatronat ein Wechsel ein, da Friedrich Heinrich Rolle das Rittergut am 31. Juli an den Landwirt Max Martin Stahl für 307000 M verkaufte. Durch Ankauf einer Fläche vom angrenzenden Rittergutsobstgarten konnte die Kirchhofserweiterung, welche sich längst als dringend nötig erwiesen hatte, bewerkstelligt wurde. Der Kaufpreis wurde nach ½ jährigem Handeln von 15.000 M herab auf 10.000 M vereinbart. Dem Einbau einer Kirchenheizung konnte durch Veranstaltung einer Hauskollekte (401,65 M) u. eines Konzertes (50,80 M) näher getreten werden. Die Ausführung aber selbst, da der Gemeinderat (in der Mehrheit sozialdemokratisch) schon die Kirchhofserweiterung möglichst erschwert hatte, wurde auf das nächste Jahr verschoben.

1891

Ende August begann auch der Bau der Kirchenheizung durch die Firma „Zivil-Ingenieur Richard Hartneige“ aus Dresden und Baumeister Richter aus Wittgensdorf, welcher die Maurer- und Zimmererarbeiten ausführte. Es sind 690 Meter Heizrohr gelegt worden, welche bei 2 Öfen 4 Systeme bilden, so dass durch jeden Ofen die Rohre von je zwei Systemen geheizt werden, die im Schiff, auf der ersten Empore, in der Sakristei und in den umgebauten Betstuben zu liegen gekommen sind.

Der Bau, welcher auf

3.197,69 M (Heizungsanlage) und 1.696,07 M (Maurer- u. Zimmerarbeiten) 4.893,76 M zu stehen kommt,

wurde Anfang Oktober vollendet u. hat sich nachmals aufs Beste bewährt. Damit ist ein langgehegter Wunsch aller kirchlich gesinnten Gemeindeglieder erfüllt worden. Zum Erntedankfest wurde die von dem vormaligen Kirchenpatron, Heinrich Rolle, geschenkte grüne Altar- und Kanzelbekleidung in Gebrauch genommen. 1893 wurde am 04. Juni durch Superintendent Michael von Chemnitz in W. Kirchenvisitation gehalten und zur Folge, dass ein Kindergottesdienst in unserer Gemeinde eingeführt wurde. Beim Versuch des Auffärbens der alten schwarzsamtenen Altar- und Kanzelbekleidung zerfiel diese und es musste eine neue schwarze Altar- und Kanzelbekleidung von feinstem Tuch mit kostbaren und kunstvollen seidenen Stickereien, seidenen Borden und Fransen auf Kosten des Ärars beschafft werden. Diese lieferte die Firma J. A. Hietel aus Leipzig, Markt 16, für den Preis von reichlich 400 M. Diese Bekleidung, Ende Juli bestellt, wurde Ende September geliefert und am Bußtag 22. November zum 1. Mal aufgelegt. Antependium: das Lamm mit der Fahne Kanzelbehang: Christogramm Kanzelpult: Kreuz mit Lutherrosen Lesepult: Alpha u. Omega Altarfächel: Brot u. Wein. Auch ist von der vom verstorbenen Kirchenvater Karl Wagner für die Kirche ausgesetzten und nunmehr auch ausgezahlten Spende in Höhe von 150 M von derselben Firma ein Altarteppich beschafft worden. Dieser wurde am Sonntag vor dem Kirchweihfest in Gebrauch genommen. Dazu wurde von gleicher Firma auch auf Ärarkosten für 314 M ein neues großes Leichentuch mit Silberstickerei (Kreuz u. Anker sowie Inschrift. „Selig sind die Toten, die in dem Herrn sterben“), sowie Silberborde bezogen. Dazu passend wurde noch ein würdiges Bahrkruzifix von Gürtler Franke, Chemnitz, Lange Straße beschafft.

Nach längeren Verhandlungen mit dem Rittergutsbesitzer Stahl wurde zur Beseitigung der durch die im Rittergutshof angebrachte Nebenleitungen beim Pfarrwasser hervorgetretenen Übelstände (stetes Ausbleiben des Wassers bei Benutzung der erwähnten Nebenleitungen) endlich im November ein neuer vertragsmäßiger Wasserteiler (5/8 Rittergut u. 3/8 Pfarre) außerhalb des Rittergutsgehöftes aufgestellt u. die Leitung des Wassers nach der Pfarre ebenfalls außerhalb des Rittergutsgehöftes angelegt.

1894

Während des Winters 1893/94 wurde durch Röhrmeister Strauch aus Röhrsdorf der Kirchhofbrunnen gebaut; 17 Meter tief, meist in hartem Felsen ausgeschachtet, hat er zirka 12 m Wasserstand, so dass zu hoffen steht, dass er auch im trockensten Sommer aushält. Damit ist einem längst gefühlten Bedürfnis abgeholfen. Der Sommer brachte einen Wechsel im Kirchschulamt durch die nach 35 jähriger Wirksamkeit am hiesigen Ort erfolgte Emeritierung des C. Salzmann. Am 03. Juni wurde der neue Kirchschullehrer Heinrich Franz Weinhold, geb. am 08.04.1865 in Langenau bei Freiberg, 1879/85 Schüler des Seminars in Zschopau, seitdem hier, erst als Hilfslehrer, dann als ständiger Lehrer, vom Schul- und Kirchenvorstand, Kirchenpatron u. Gemeinderat einmütig u. einstimmig gewählt, vom Ortspfarrer vor seinen auf dem Altarplatz versammelten Wählern und vor zahlreich versammelter Gemeinde in sein kirchliches Amt eingewiesen.

Quelle: Recherche Pfarramt Wittgensdorf

Im Frühjahr wurde die Bälgekammer ausgebaut und die Pfarrgebäude mit Blitzableitung versehen, hierauf die Orgel mit neuen Bälgen versehen und die behufs der Herstellung der Normalstimmung (die Orgel stand bisher einen ganzen Ton zu hoch) beschlossene größere Orgelreparatur, die nach und nach immer weitere Dimensionen erfuhr, in Angriff genommen. Die gesamte Reparatur der Orgel zog sich bis in das Jahr 1887 hinein.

1895

Dieses Jahr brachte am 1. Februar die Teilung der auf mehr als 300 000 Seelen angewachsenen Ephorie Chemnitz in eine Stadt- u. Landephorie (Chemnitz I u. II), die erste unter dem bisherigen Ephorus Kirchenrat Superintendent Michael, die zweite unter Superintendent P. Fischer von Oberwiesa In diesem Jahr wurden unserer Kirche geschenkt: 1.ein versilbertes Altarkruzifix nebst zwei dergleichen Altarleuchtern vom Gastwirt Moritz Eichler aus Anlass der vor einem Jahr und heuer erfolgten Konfirmation seiner beiden Kinder (am Palmsonntag geweiht) 2. ein versilberter (innen vergoldeter) Altarkelch vom Pfarrer aus Anlass der Verheiratung seiner ältesten Tochter (am Gründonnerstag geweiht u. getraut). Da es an Raum für die zur Kirchenheizung nötigen Kohlen fehlte und die Lieferung während des Winters oft auf Schwierigkeiten stößt, wurde ein Kohlenschuppen neben der Leichenwagenremise gebaut. Die Kosten beliefen sich auf nicht ganz 550 M. Die Orgelreparatur wurde im Frühjahr wieder aufgenommen, und, wenn auch nicht vollendet, doch

so weit gebracht, dass bereits am 1. Advent vom Kirchschullehrer ein wohlgelungenes, sehr gut besuchtes Kirchenkonzert veranstaltet werden konnte, dessen Reinertrag (175,50 M.) die Beschaffung von Chorknabenmänteln ermöglichte. Ferner wurde die Kirche mit einer Beleuchtung versehen, welche einen schönen Schmuck bildet und durch fast 300 Kerzen den Raum aufs Beste erhellt. Kosten zirka 1050 M. Lieferant: Adolf Wagner Chemnitz. Auch wurde durch die Firma Hirtel, Leipzig ein größeres u. zwei kleinere, einfache Bahrtücher für Kinder (Kosten rund 100 M), sowie eine prachtvolle rote Altar- u. Kanzelbekleidung mit reichster Goldstickerei, goldener Borde u. Fransen geliefert (Kosten 700 M). Diese wurde am 1. Weihnachtsfeiertag geweiht.

1896

Ende Januar erkrankte der Pfarrer infolge jahrelanger Überanstrengung an einem schweren Nervenleiden. Er musste sich ¼ Jahr lang vom Amt zurückzuziehen und dieses inzwischen vikarisch verwalten lassen. Dies hatte die Anstellung eines Hilfsgeistlichen zur Folge welcher in der Person des Predigtamtskandidaten und nachmaligen Lic. theol. Oswald Bruno Markgraf, geb. 10.06.1869 in Leipzig, durch Superintendent Fischer ordiniert und Mitte Juni als erster Hilfsgeistlicher angestellt wurde.

Quelle: Recherche Pfarramt Wittgensdorf

Zu Pfingsten wurde endlich auch die Orgelreparatur vollendet. Die Orgel ist nun so gut wie neu geworden. Außer den drei neuen Registern (Posaunenbass 16', Äoline 8' u. Sanftflöte 8') sind Pricipal 8', Principal 4' u. Octave 4' vollständig erneuert. Das bisher dreifache Cornett wurde vierfach hergestellt und durch das ganze Werk geführt. Sämtliche Register wurden neu intoniert. Bei dem Bau hatte der Orgelbaumeister Lohse aus Dippoldiswalde oft wegen Mangel an Platz mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen und die denkbar komplizierteste Windführung anzubringen. Die Gesamtkosten betragen einschließlich der zur Schadloshaltung des Orgelbauers genehmigten Nachbewilligungen zirka 3500 M, und mit Hinzurechnung der bereits vorher beschafften neuen Bälge 4100 M. Dafür hat die Kirche nun aber auch ein durchaus solides, gediegenes und in jeder Hinsicht vorzügliches Werk.

1897

An Stelle des ersten Hilfsgeistlichen (Markgraf), der Ende Mai als Diakon nach Leipzig übersiedelte, trat Anfang Juli der Predigtamtskandidat Ludwig Friedrich Paul Sorge, gebürtig aus Frohburg. Der Ephorus Fischer, trat im Lauf dieses Jahres das Pfarramt an der Schlosskirche in Chemnitz an. Am Pfarrhaus wurde in diesen Jahr eine längst nötige äußere Renovation vorgenommen (Schieferbeschlag an der Süd- u. Ostseite, Außenputz, Streichen der Fenster), wodurch das Gebäude, das bis dahin recht vernachlässigt aussah, ein würdiges Aussehen erhielt.

1898

Werden für die Kirche beschafft: Zwei silberplattierte, innen vergoldete Abendmahlskannen nebst einem Ziborium (d.i. ein Gefäß zum Aufbewahren der Hostien), 24 Rohrstühle für den Altarplatz und 12 Gesangsbücher für die Sakristei. Die Beleuchtung wurde durch mehrere

Wandarme, einen Kandelaber und 40 „Dillen“ auf der 2.Empore und im Turm vervollständigt.

1899

Müssen an der Heizungsanlage der Kirche beide „Heizschlangen“ erneuert werden. In der Pfarrei werden die oberen Teile der Hausschornsteine abgebrochen und neu aufgemauert, da sie völlig ausgebrannt und somit „höchst feuergefährlich“ waren. Der Hilfsgeistliche Sorge wird zu Ostern nach Altchemnitz versetzt, an seine Stelle trat Mitte Mai Cand.rev. Alban Mannschatz aus Leipzig.

1900

Im Herbst d.J. kommt aus Dresden von der Dresdner Diakonissenanstalt eine Diakonissin, die Schwester Anna Papst aus Chemnitz nach Wittgensdorf und wird am Sonntag den 28. Oktober unter Assistenz von 4 Schwestern aus Chemnitz und Burgstädt vom Ortspfarrer Lohmann eingeführt.

Damit schließen wir den zweiten Teil des Artikels zur Geschichte unserer Ortskirche ab. Freuen Sie sich mit uns auf die noch folgenden zwei Teile, in denen wir die Geschichte bis in die heutige Zeit nachzeichnen werden.

Ullrich Nier
Ortschronist
Kultur- und Heimatverein Wittgensdorf e.V.

Quellenverzeichnis:
[1] - https://de.wikipedia.org/wiki/Maxen#/media/Datei:20160426130MDR_Maxen_Dorfkirche.jpg 26.04.2016, 01809 Maxen (Müglitztal), Maxener Straße 40 (GMP: 50.923002,13.803349): Evangelische Dorfkirche, Sicht von Nordwesten. Neubau von 1878 z.T. aus romanischen Resten des Vorgängerbaues. [SAM4830+4831&4823.JPG]20160426130MDR.JPG(c)Blobelt
[2] - Historische Ortsansicht von Maxen aus dem Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen (spät.1856) F. Heise; G. A. Poenicke (Hrsg.) - SLUB Dresden Hist.Sax. H.3.m-2 http://digital.slub-dresden.de/id25027793X Maxen aus: Album der Rittergüter und Schlösser im Königreiche Sachsen Meissner Kreis Section: II
[3] - Chronik von Maxen, Hrsg. Heimatverein Maxen e.V., 2. Überarbeitete und stark erweiterte Auflage [Maxen]: Verlag Niggemann & Simon, 2010
[4] - Maxen und seine Kirche, Festschrift zum 125. Jubiläum der Erneuerung der Maxener Kirche 1878 – 3002, 2. Auflage, Maxen 2004
[5] - Chronikalisches, Akten Nr. 468, Kircharchiv Wittgensdorf, Transkription von Dr. Reinhard Müller
[6] - „Merkwürdige Begenheiten“, Aufgezeichnet und geführt von Christian Friedrich Richter, Wittgensdorf 1790
[7] - 700 Jahre Wittgensdorf, Rat der Gemeinde Wittgensdorf, 1956

↑ Nach oben