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Historische Gebäude – 9

erschienen in: Heft 5/2023

Historische Gebäude in Wittgensdorf

Ein Beitrag zur Ortsgeschichte

Nachdem wir uns im Teil 8 unserer Betrachtungen zu den historischen Gebäuden unseres Heimatortes ausführlich mit dem Restaurant „Felsenkeller“ befasst haben, wenden wir uns im vorliegenden Teil dem Pfarrgut, dem vormaligen Krankenhaus an der Chemnitzer Straße und der ehemaligen Brauerei Burgstädter Straße 5 zu.

Pfarrgut

Beginnen wir mit dem Pfarrgut. Wie schon in vorhergehenden Artikeln mehrfach dargestellt, gehört das Pfarrgut mit Sicherheit zu den ältesten Anwesen unseres Ortes. Allerdings ist eine gesicherte Aktenlage nicht nachweisbar. Wir lesen aber in einer von unserem hochverehrten Kirchenbuchführer Arno Hempel verfassten Eintragung in der Chronik Nr. 468 [1] unter dem Punkt 5/I „Aus dem ältesten Kirchenbuch von 1620 – 1725“ die nachstehenden Zeilen:

Hier wird im Punkt 10 eine „Abschrift des Vergleichs das Pfarr Gebäude betr. 1661“ benannt, d.h., es hat also schon in dieser Zeit ein erwähnenswertes „Pfarr Gebäude“ aus noch früherer Zeit existiert.

1777

In den nachfolgenden Ausführungen stützen wir uns auf die Ausarbeitungen unseres ehemaligen Bürgermeisters Dr. Reinhard Müller, der sich in dankenswerter Weise mit der Geschichte unserer Kirche befasst hat. Dazu lesen wir in [2] folgende Zeilen: „Der im Jahre 1777 eingeleitete Pfarrhaus – Bau wurde 1782 begonnen und 1783 vollendet. Der Zustand des alten Pfarrhauses war jammerhaft gewesen.“ Aus dem Kirchen–Vermögen wurden 800 Thaler zum Bau des Pfarrhauses verwendet. Etwas ungewöhnlich war die erste Nutzung des Pfarrhauses, bevor es überhaupt vom nachfolgenden Pfarrer übernommen wurde. Es wird aus 1782 berichtet:

„Der hiesige treuverdiente Pastor M. Johann Gottlieb Rose stirbt im Alter von 64 Jahren am 17. Dezember und im 23. seines Ministeri. Sein Leichnam wurde im neuerbauten Pfarrhause aufgebahrt.“

1783

Die Neubesetzung des Pfarramtes erfolgte 1783 durch Gottlob August von Plänckner (v. Plenkner). Er war 1759 in Chemnitz geboren. Der Einweisungsgottesdienst war am 26. Oktober, am folgenden Tag war die Übernahme des neuen Pfarrhauses.

Auch die Kirchgemeinde beteiligte sich durch Spenden am Pfarrhausbau, so wurde z.B. von Seiten der hiesigen Inspektion (Aufsichtsbehörde) 1784 eine Kollekte für den Tag Mariä Reinigung (2. Februar) bewilligt.

1785

Infolge der 1785 eingeführten neuen Brandkassen Einrichtung erfolgte eine befohlene Wertermittlung der geistlichen Gebäude. Es ergab sich folgende Schätzung:

„Die Kirche 5300 Thaler, die Pfarrwohnung (insgesamt 6 Gebäude: Pfarre, Pächterhaus mit Stall, Scheune mit Schuppen, Seitengebäude mit Pferdestall, Backhaus, Holzschuppen) 2375 Thaler, die Schule (gemeint ist hier das alte Schulgebäude) 300 Thaler.

1861

Weitreichende bauliche Änderungen am Pfarrhaus erfolgten im Jahr 1861. In der Chronik wird berichtet:

„Nach Pfingsten begann auch wieder das Abputzen der Pfarrgebäude und die Gemeinde ließ neue rußische Aessen aufführen.“ Die russische Esse oder russische Röhre ist eine besondere Schornsteinbauart, die seit Ende des 19. Jahrhunderts (nach russischem Vorbild?) in Deutschland üblich war. Sie zeichnet sich durch einen engen Querschnitt und daraus folgend kräftigem Zug aus. Dies ermöglichte den Anschluss weiter entfernt stehender Öfen mit langen Ofenrohren. Zugleich stieg mit dem kräftigen Zug die Gefahr von Funkenflug über das Dach. Russische Röhren sind daher im Allgemeinen erst nach Durchsetzung der harten Dachdeckung (Ziegel, Stein) eingeführt worden.

Weitere bauliche Änderungen erfolgten im Inneren des Pfarrhauses. Der damalige Pfarrer Lohmann schreibt in der Chronik:

„In der Pfarrwohnung ließ ich eine Aenderung vornehmen und bis auf Thüre und Schloß auf eigene Kosten ausführen. Früher war von der Hausflur aus ein dunkler Gang in die nordöstlich gelegene Stube. Nachdem eine rußische Aesse gebaut worden und das Kamin überflüssig worden war, konnte die Mauer, welche linker Hand aufgeführt war, weggenommen und vorn neu aufgeführt werden, wodurch ein niedliches Schlafkämmerchen gebildet wurde.“

1887

Bis zum Jahr 1887 sind in der Chronik keine weiteren Eintragungen aufgeführt. Als Pfarrer Lohmann in den Ruhestand ging, lesen wir jedoch wieder folgende Zeilen: „Michaelis (29. September) 1887 nahm H. P. Lohmann nach 29 jähriger treuer und gesegneter Wirksamkeit Abschied von seiner lieben Gemeinde Wittgensdorf und zog nach Reudnitz bei Leipzig.

Möge Gott dem ehrwürdigem Greis die wunderbare geistige u. körperliche Frische, die es ihm ermöglichte, das Amt in der hiesigen, auf nahezu 5000 (genauer 4660) Seelen angewachsenen Gemeinde ohne Hilfe bis ins 80. Lebensjahr zu verwalten, noch lange erhalten u. ihm einen freundlichen u. ungetrübten Lebensabend bescheren. Sein Andenken wird im Segen bleiben.“

Die Wahl eines neuen Pfarrers nach der Emeritierung von Pfarrer Lohmann erfolgte in der Sitzung des Kirchenvorstandes am 16. August 1887. Sie fiel auf Julius Wilhelm Frommhold, geboren am 16. Nov. 1847 in Reichenbach im Vogtland und zuletzt Pfarrer in Dörnthal bei Sayda. Über seinen Einzug in Wittgensdorf und ins Pfarrhaus schreibt er selbst in der Chronik:

„Vom Kirchenvorstand an der Haltestelle Bahrmühle empfangen und im Pfarrhof vom Gemeinderat, Lehrerkollegium u. den Oberklassen der Schule, sowie vom H. Kollator (der das Recht hat, ein frei gewordenes kirchliches Amt zu übertragen) freundlichst begrüßt, zog ich mit den Meinen am 26. Okt.1887 ins Pfarrhaus ein, das während der vier wöchentlichen Vakanz innerlich neu hergerichtet war.“

1889

An das Pfarrhaus wurde, so wird 1889 berichtet, ein neuer Abort angebaut, da die bisherige Abortanlage höchst unästhetisch u. gesundheitswidrig war. Außer der zum Einzug von Pfarrer Frommhold 1887 erfolgten inneren Erneuerung und dem Anbau der Abortanlage 1889 wurde das äußere Erscheinungsbild des Pfarrhauses offenbar sehr vernachlässigt. In der Chronik wird dazu folgendes ausgeführt:

1897

„Am Pfarrhaus wurde in diesen Jahr (1897) eine längst nötige äußere Renovation vorgenommen (Schieferbeschlag an der Süd„ u. Ostseite, Abputz, Streichen der Fenster), wodurch das Gebäude, welches bis dahin recht vernachlässigt aussah, ein würdiges Ansehen erhielt.“

1908

Zur Installation der elektrischen Beleuchtung der kirchlichen Anlagen wird für 1908 folgendes berichtet:

„Ein Anfang zur Beschaffung von elektrischer Beleuchtung für die Kirche wurde insofern gemacht, als im Herbst 1908 wenigstens für elektrische Beleuchtung des Vorplatzes und sämtlicher Eingänge u. Nebenräume (Sakristei, Heiz- und Bälgekammer), des Turmes, Treppenhauses u. Glockenbodens, Kirchboden sowie der Orgel (Spieltisch, wie Inneres) und der Thermometer im Kirchenraum gesorgt wurde.“

Zur elektrischen Beleuchtung des Pfarrhauses schreibt Pfarrer Frommhold: „Auch der Pfarrhof erhielt eine elektrische Lampe, während im Pfarrhaus selbst ich schon vor 3 Jahren gegen eine monatliche Zahlung von je 1,50 M, durch welche die Kosten der Installation in zehn Jahren getilgt werden, zwölf Flammen hatte anbringen lassen zur Beleuchtung der nötigsten Räumlichkeiten.“

1911

Zur elektrischen Beleuchtung des Inneren des Gotteshauses wird im Wahrheitszeugen (dem christlichen Monatsblatt für Wittgensdorf, Glösa, Auerswalde) Ausgabe Dezember 1911 unter der Überschrift „Kleine Ursache – große Wirkung“ ausgeführt, dass während einer Kirchenvisitation im Gottesdienst eine Wachskerze von der 2. Empore in das Schiff der Kirche fiel. Dies nahm der Superintendent zum Anlass, zu einer elektrischen Beleuchtung unseres Gotteshauses anzuregen.

Der Kirchenvorstand ist dieser Anregung nachgekommen und man hoffte, schon zum Weihnachtsfest 1911 die Kirche im Glanz des neuen Lichtes zu sehen. Im Wittgensdorfer Wochenblatt wird in den Ausgaben April/Mai über einen Pfarrhausumbau berichtet. Leider steht uns dieses nicht zur Verfügung, so dass wir nicht nachkommen können, was alles umgebaut wurde.

1945

Nachdem das Wittgensdorfer Wochenblatt, in welchem alle kirchlichen Veranstaltungen und Ereignisse veröffentlicht wurden, nach 1945 seinen Betrieb durch Anordnung der russischen Besatzungsmacht einstellen musste, hat der damalige Kantor Helbig eine kirchliche Chronik weitergeführt. Herr Helbig war von August 1936 bis Mai 1959 Kantor in Wittgensdorf. Er beginnt die Chronik 1941 und führt sie bis zu seinem Wegzug 1959. Sein erster Eintrag in der Chronik das Pfarrhaus betreffend war ein entsetzliches Ereignis:

1949

„30.9. 1949 Bei einem Brand im Pfarrhaus erleidet unser lieber Herr Hempel an der Tür seiner Arbeitsstätte den Herzschlag.“ Herr Arno Hempel war Kirchendiener, Kirchenbuchführer, Kanzleiverantwortlicher und, und ...

Er war praktisch das Faktotum der Kirchgemeinde. Ein schmerzlicher und schwerer Verlust.

1953

Eine unerfreuliche Notiz in den Aufzeichnungen finden wir 1953:

„19.7. Nächtliche Einbrüche im Pfarrhaus, wie voriges Jahr um die Zeit.“ Leider ist nicht vermerkt, welcher Schaden angerichtet wurde. Im April 1954 berichtet Kantor Helbig, dass der Hausflur im Pfarrhaus vorgerichtet wird.

1957

Der letzte Eintrag zum Pfarrhaus ist von 1957: „8.10. Aus dem Pfarrhaus wird ein Leichnam getragen (Herr Belusa sen).“

Ab 1957 wurde keine Chronik mehr geführt. Erst mit dem Erscheinen der Monatspläne wurde wieder ausführlich über das Baugeschehen informiert.

Aufgezeichnet von Dr. Reinhard Müller im Januar 2007

2006

Die letzten großen Baumaßnahme in den Jahren 2006 bis 2009 werden in [3] dokumentiert. Dabei erfolgte ein grundlegender Umbau und die Sanierung des Pfarrhauses. Die Baumaßnahme begann im Dezember 2006 mit dem Freizug der Wohnungen und wurde in 2007 mit den Planungen für Rekonstruktion und Umbau sowie der Kostenschätzung fortgesetzt. Im April d.J. begannen die bauvorbereitenden Arbeiten, es wurden eine Bauzustandsanalyse und ein notwendiges Holzschutzgutachten erarbeitet. Dabei traten teilweise große Schäden an der Bausubstanz zu Tage, in einem Raum waren ganze Balken durch Schädlingsbefall völlig zerfallen. Außer dem Dach waren alle Räume sanierungsbedürftig und mussten den Erfordernissen der Gemeindearbeit angepasst werden (größerer Gemeinderaum mit flexibler Trennwand, Kanzlei, Toiletten). Auch die Trockenlegung des Mauerwerks und die Wärmedämmung der Räume war unbedingt erforderlich. Im Obergeschoss sollten zwei Wohnungen entstehen. Bei weiteren bauvorbereitenden Arbeiten im Bereich der geplanten Wohnungen wurden wieder große Schäden an der Bausubstanz festgestellt. Diese flossen in die abschließende Bauzustandsanalyse ein. Darauf aufbauend wurde von der Projektierungsfirma ein Leistungsverzeichnis erstellt, welches in einer Entwurfsplanung mündete. Damit ergab sich schlussendlich ein Kostenanschlag für Neugestaltung und Sanierung in Höhe von 350.000 €.

2008

Im Januar 2008 erteilte das Amt für Denkmalpflege die Genehmigung zum vorzeitigen Baubeginn der Maßnahme. Pfr. Matthias Kaube und Pierre Große zogen mit Kanzlei und Arbeitszimmer in vorübergehende Diensträume im Seitengebäude (liebevoll auch das „Löbnerhaus“ genannt) vom 19. bis 26. Januar um. Danach begannen im März d.J. die Bauarbeiten mit vielen freiwilligen Helfern aus der Kirchgemeinde. Dabei stellten sich wiederholt massive Schäden am Fachwerk des Gebäudes heraus, was zu ungeplanten Kostensteigerungen führte. Besonderer Dank gebührt an dieser Stelle einmal allen ehrenamtlichen Helfern, die mit viel Engagement sowohl zu den regelmäßigen Baueinsätzen (jeweils Samstag ab 8:00 Uhr) und auch in der Woche am Pfarrhaus tätig waren.

Pfarrhaus und „Löbner-Haus“, die heute noch existierenden Gebäude des vormaligen Pfarrgutes

Quelle: Archiv Kirchgemeinde

2009

Auf die im Lauf des Jahres fortschreitenden Arbeiten und erreichte Baufortschritte wollen wir im Einzelnen nicht gesondert eingehen. Das große Ziel, Ende der Bautätigkeit Ende Oktober / Anfang November, rückte aber unaufhaltsam näher. Am Sonntag, den 18. Januar 2009, konnte die Einweihung und Segnung des neu sanierten Pfarrhauses mit Worten und Gebet durch Pfarrer Kaube erfolgen. Dazu lesen wir in einem Artikel in der FP vom 20.01.2009 folgende Zeilen:

Quelle: Archiv Kirchgemeinde

Krankenhaus

Nach dem Pfarrhaus wollen wir uns nun einem schon fast aus der Erinnerung verschwundenen Gebäudes unseres Heimatortes zuwenden – das ehemalige Armen- und Krankenhaus, Chemnitzer Straße 30. In [4] finden wir dazu die nachstehenden Informationen – „Die politische Gemeinde Wittgensdorf hat das oben genannte Grundstück 1870/71 von Mitgliedern der sich aufgelösten „Oberen Altgemeinde“ als „Abtretung“ erhalten.

Zur Erklärung: Als „Altgemeinde“ versteht man die Dorfgemeinschaft der „Hufner“, die vom Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert ein Dorf für den Grundherrn sowie die Nutzung der „Allmende“ verwaltete. Hufner: Eigentümer der vom Grundherrn zum „Lehen“ zur Verfügung gestellten landwirtschaftlichen Flächen – „Hufen“ Allmende: der Teil der landwirtschaftlich genutzten Dorffläche, der sich im Gemeineigentum der Bewohner eines Dorfes befand und von ihnen gemeinsam genutzt wurde, meist Weideland, Wald und Ödland.

1874

Beschloss der Gemeinderat auf dem Grundstück ein neues Armenhaus zu bauen, dieses wurde 1876 bezogen.

1875

Das alte Armenhaus wurde am 11.10.1875 an den Handschuhfabrikant Ferdinand Riedel, OLNr. 14 (Chemnitzer Straße 22) verkauft.

Im neu errichteten Armenhaus fanden Obdachlose und arme Bürger Aufnahme. Anträge mussten an den Armenausschuss gestellt werden. Auch befanden sich im Haus zwei Arrestzellen.

1881

Richtete man darin eine Krankenstation mit separatem Eingang ein. Die Verwaltung des Armenhauses und der Krankenstation wurde Gunther, dem Nachtwächter und Polizeidiener, übertragen. Als Entschädigung erhielt dieser freie Feuerung und Beleuchtung. Unter §15 der Armenordnung für den Ortsarmenverband Wittgensdorf vom 5. Juni 1883 ist folgendes festgehalten: Das hier stehende Armen- und Krankenhaus ist

  1. zur Aufnahme obdachloser Armer,
  2. zur Versorgung Erwerbsunfähiger und
  3. zur zwangsweisen Beschäftigung Arbeitsscheuer und zur correctionellen Behandlung moralisch verderbter und liederlicher Armen bestimmt.

1884

Stellte man für die Krankenstation den Krankenwärter Friedrich Hermann Schütz ein. Dieser erhielt jährlich 300 Mark Gehalt, freie Wohnung und Feuerung. Seine Ehefrau musste hinzu folgende Arbeiten verrichten:

  • Krankenpflege
  • Reinigung der Zimmer der Krankenstation
  • Reinigung der Krankenwäsche
  • Zubereitung der Kranken- und Armenkost
  • Verabreichung dieser Kost

1906

Erfolgte eine Erweiterung der Krankenstation als Gemeindekrankenhaus. Es verfügte über folgende Räumlichkeiten:

  • 6 Krankenzimmer und 14 Betten
  • 2 Zimmer für Ärzte
  • 1 Badezimmer sowie
  • 1 Küche, 1 Wohnzimmer und 1 Schlafzimmer für den Krankenwärter

Am 17.04.1907 fand die feierliche Einweihung des Krankenhauses statt.

Quelle: Sammlung Heimatstube

Der vorhandene Brunnen wurde mit einem Elektromotor und Pumpe ausgerüstet. Diese Pumpe förderte das Wasser zu dem eingebauten Bassin mit 1500 Liter Fassungsvermögen. Damit hatte das Krankenhaus zunächst eine eigene Wasserversorgung.

1921

Konnte das Gebäude an das Wasserwerk Wittgensdorf angeschlossen werden. Als Krankenwärter und Nachtschutzmann wurde Herr Franz Hermann Röthing eingesetzt, vom 19.12.1931 an war Herr Hermann Stoll als Krankenwärter tätig. Die Patienten wurden von den Ärzten Dr. med. Emil Oswald Hachenberger und Dr. med. Heinrich Paul Naumann betreut.

In Jahre 1910 wurden lt. Statistik nur 59 männliche und 24 weibliche hiesige Patienten aufgenommen und behandelt, da das Krankenhaus sonst überfüllt gewesen wäre.

1911 erfolgte die Errichtung einer Liegehalle für Lungenkranke im Obstgarten.

Am 10.09.1921 wollte die Amtshauptmannschaft Chemnitz die Auflösung des Krankenhauses bewirken. Der Gemeinderat aber beschloss, dass das Krankenhaus für unseren Ort bestehen bleiben sollte.

1925

Baute man noch zusätzlich eine Liegehalle für 20 lungenkranke Kinder. Diese wurde am 3. Juli 1925 eröffnet.

1926

Am 28.10.1926 schlugen die Gemeindeverordneten die Einrichtung einer Entbindungsstation vor, da im Ort viele Entbindungen in äußerst schlechten Wohnungen vorgenommen werden mussten. Oft fehlte der notwendige Platz und die erforderliche Wäsche. Dieses Vorhaben wurde auf Grund der schlechten Finanzlage der Gemeinde nicht verwirklicht.

1931

Nach einer Besichtigung am 04.05.1931 beschlossen Vertreter der Kreishauptmannschaft, der Amtshauptmannschaft und die Gemeindeverordneten die Schließung des Krankenhausbetriebes, da ein wirtschaftlicher Betrieb nicht zu realisieren war. Die Gemeinde zahlte z.B. 1930 einen Zuschuss von 6000 RM. Darüber hinaus befand sich bereits in Rabenstein ein modernes Krankenhaus. Mit Wirkung vom 01.07.1931 wurde das Krankenhaus aufgelöst. Die vorhandenen Räume wurden zu acht Wohneinheiten umgebaut. Zu jeder Wohnung gehörten zwei Zimmer und eine schlafbare Bodenkammer. Die ehem. Arrestzellen dienten als Abstellraum.

1961

Am 22.08.1961 stellte die Gemeinde an das Kreisbauamt einen Antrag zur Aufstockung des Hauses mit dem Ziel, weiteren Wohnraum zu gewinnen. Nach eingehender Prüfung des Gebäudes durch die Staatliche Bauaufsicht wurde der Bauantrag am 29.03.1963 jedoch abgelehnt.

1991

Erwarb Herr Elektromeister Jürgen Morgner die Immobilie und richtete ein Rundfunk- und Fernsehgeschäft ein.

Quelle: [4] Mappe 3

Brauerei

Abschließend wollen wir uns im dritten und letzten Abschnitt unseres Artikels mit dem Gebäude der ehem. Brauerei, Burgstädter Straße 5, befassen. Dazu finden wir in [4] umfassende Informationen.

1872

Hier befand sich seit 1872 die Wittgensdorfer Brauerei. Das Grundstück war mit einem Wohn- und Mälzereigebäude, einer Freibank sowie drei Nebengebäuden bebaut.

1910

Kaufte die Landgemeinde Wittgensdorf die Immobilie von Herrn Kommerzienrat Friedrich Oskar Brauer aus Buchholz bei Annaberg.

1912

Ließ die Gemeinde das Wohn- und Mälzereigebäude zu einem Gemeindebad umbauen. Weiterhin wurden ein Gemeindeverordneten-Sitzungssaal mit Vorraum und Garderobe sowie ein Ausschuss-Sitzungszimmer eingerichtet. Die im Haus vorhandenen 4 Wohnungen blieben erhalten. Später wurde noch eine „Bauernstube“ für die Versammlungen der Landwirte eingerichtet.

Die Wasserversorgung des Gemeindebades wurde mittels 5 Brunnen, die sich auf dem nebenliegenden „Welkerschen Grundstück“ befanden, realisiert.

1922

Konnte das Gebäude an das Gasrohrnetz und 2 Jahre später an die Ortswasserleitung angeschlossen werden.

1926

Im Jahr 1926 verfügte das Gemeindebad über folgende Ausstattung:

  • 9 Wannenbäder
  • 10 Duschbäder
  • 1 elektrisches Lichtbad
  • 1 Dampfbad
  • 1 Heißluftbad
  • 1 Solluxlampe und
  • 1 Höhensonne

Schulkinder und Säuglinge erhielten unentgeltlich Höhensonnenbestrahlungen und Erwerbslose konnten Wannen- und Duschbäder kostenlos in Anspruch nehmen. Eine Aufstellung besagt, dass im Jahr 1929 17658 Bäder und Behandlungen verabreicht wurden.

Auf Grund der anfallenden Zuschüsse für den Badebetrieb legte die Gemeindeverwaltung ab 1927 folgende Einsparmaßnahmen fest:

  • Die Öffnungszeiten wurden auf Donnerstag, Freitag und Samstag begrenzt.
  • Der Bademeister, Herr Böhm erledigte zusätzlich Botendienste für die Gemeinde.
  • Frau Bühm erhielt als Reinigungskraft weniger Lohn.
  • Es wurde eine Leihgebühr für Seife, Hand- und Badetücher erhoben.

1937

Wurde das Bad zusätzlich mit Brausezellen ausgerüstet. Das Ausschusszimmer wurde von der Säuglingsvorsorge, für Sitzungen der Ortskrankenkasse sowie für Sprechstunden des Arbeitsamtes Chemnitz genutzt.

Ansicht Burgstädter Straße in Richtung Untere Hauptstraße (ca. 1930er Jahre)

Quelle: Sammlung Heimatstube

1947

Musste die Berufsschule in das Gebäude verlegt werden.

1964

Erfolgte der Umbau der Bauernstube zur Kinderkrippe für 30 Kinder. Neben zwei Gruppenzimmern gehörten eine Küche, ein Isolierzimmer, ein Waschraum sowie WC-Anlagen zur Kinderkrippe.

1968

Fand eine Besichtigung betreffs Erweiterung der Krippe statt. Daraufhin wurde das Volksbad aufgelöst und es erfolgte 1970 die feierliche Eröffnung der neu gestalteten Kindereinrichtung. Diese musste allerdings nach 21 Betriebsjahren 1991 wegen Unterbelegung im September d. J. geschlossen werden.

Der Gemeinderat entschloss sich, das nun leerstehende Gebäude als „Altenwohnanlage mit Seniorenclub“ umzugestalten. Die Volkssolidarität zeigte dafür großes Interesse und Frau Wendekamm, Geschäftsführerin der Vosi, legte dazu ein entsprechendes Konzept vor. Dieses fand im Gemeinderat die notwendige Zustimmung.

1992

Daraufhin wurde 1992 die Immobilie kostenlos an die Volkssolidarität übertragen. Somit konnten die neuen Wohneinheiten bald bezogen werden, außerdem wurden das alte Hofgebäude und ein Schuppen abgerissen und ein neues Wohngebäude mit 8 Wohneinheiten errichtet. Im Hauptgebäude stehen den Senioren Veranstaltungsräume zur Verfügung und es wird regelmäßig Mittagstisch angeboten.

Möge diese Nutzung den Senioren noch lange zur Verfügung stehen.

Abschließend möchten wir uns für die auch nach unserer Meinung „kärgliche“ Ausstattung dieses Artikels mit Bildmaterial entschuldigen. Leider stand uns für diese 3 Objekte kein weiteres aussagefähiges Bildmaterial zur Verfügung, so dass wir uns mit diesen wenigen Fotos begnügen mussten.

Ullrich Nier
Ortschronist
Kultur- und Heimatverein Wittgensdorf e.V.

Quellenverzeichnis:
[1] - Chronikalische Akten Nr. 468, Kirchenarchiv Wittgensdorf
[2] - Geschichte des Pfarrhauses, Verfasser: Dr. Reinhard Müller; in https://www.kirchgemeinde-wittgensdorf.de/geschichte/pfarrhaus/
[3] - Geschichte des Pfarrhaus-Umbaus von der Planung 2006 bis zur Einweihung 2009
[4] - Aufzeichnungen Frau Striewski (unveröffentlicht)

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