Historische Gebäude – 2/1
erschienen in: Heft 6/2021
Historische Gebäude in Wittgensdorf - Die Kirche
Ein Beitrag zur Ortsgeschichte
Im zweiten Beitrag zu historischen Gebäuden unseres Heimatortes wollen wir uns mit der Geschichte eines Bauwerkes befassen, welches zu den Ursprüngen unseres Ortes gehört, unserer Kirche.
um 1150
Wie schon in unserem Artikel zur Geschichte unserer Ortskirche gezeigt, wurde mit der Aufteilung der Ortsflur neben den Hufen für die „45 Ansässige zu Wittgensdorf“ (Quelle: Hpt.-St.-Arch. Dresden. Deposit Rochlitz, Inventarien; Matrikel und Visitationsprotokolle, Vol.I 1575 – 1600, Bl.99) auch die Flächen für die Fronfeste, genannt „der Hof“ und das „Pfarr Gut“ festgelegt. Dass in dieser Zeit, wenn auch nicht als erstes Gebäude, schon ein Kirchgebäude errichtet wurde, kann mit hoher Sicherheit angenommen werden. Als Mutterkirche für Wittgensdorf soll allerdings die „Kapelle zum Heiligen Kreuz“, gelegen in der Kühnhaide, fungiert haben. Nach deren Zerstörung in den „Hussitenkriegen“ (1419 – 1436) oder den „Sächsischen Bruderkriegen“ (1446 – 1451) ging allerdings diese Funktion an die Wittgensdorfer Kirche über. Diese Verbindung wird im „Burkhardtsiegel“ deutlich. Es zeigt die Ruine der Kapelle, bewachsen mit drei Nadelbäumen (Hinweis auf die Kühnhaide / Kienhaide (?) – Kienspan = Span aus dem Holz der Kiefer oder anderen harzreichen Hölzern.


1404
Was ist nun zur eigentlichen Geschichte des Kirchgebäudes zu sagen? Fest steht, dass ein solches – wenn auch mit völlig unbekannten Entstehungsdatum – existiert hat. Erfahren wir doch aus einer Urkunde aus dem Jahre 1404 von dessen Existenz, den in dieser wird ein Pfarrer aus Wittgensdorf als Zeuge benannt [1].

1638
Ohne genauen Nachweis wird von einem kleinen Kirchengbäude mit aufgesetztem Dachreiter berichtet. In drei im Turmknopf gefunden Dokumenten aus den Jahren 1638, 1660 und 1674 berichten die damaligen Pfarrer über Reparaturen am Dach und am Dachreiter nebst dessen Turmknopf. Die benannten Dokumente nebst der Transkription durch unseren beliebten und hochverehrten Kirchenbuchführer Arno Hempel (gest. 1949) wurden im Teil 1 unseres Artikels zur Geschichte unserer Ortskirche ausfühlich dargestellt.
1729
Mit dem Ende der „Frühen Neuzeit“ – ca. 1750 – werden die Überlieferungen jedoch konkreter und ausführlicher. In einem Artikel im „Wittgensdorfer Wochenblatt“ vom 02.06.1928 lesen wir zur Erweiterung des Kirchgebäudes und dem Neubau des Turmes folgende Zeilen:


1730
Interessant ist in diesem Zusammenhang noch die Angabe zum Geläut der alten und auch der dann erweiterten Kirche. Dieses bestand aus zwei relativ kleinen Bronzeglocken aus dem 15. Jahrhundert mit einem nach verschiedenen Berichten „kläglichem Gebimmel“. Da mit Sicherheit auf Grund der entstanden Baukosten durch den Erweiterungs- und Turmbau die finanziellen Mittel doch recht begrenzt waren, musste dieses Geläut mit in den neuen Turm einziehen. Dazu wurde noch ein neuer „Seiger“ (damalige gebräuchliche Bezeichnung für eine Uhr) und 1763 für die Glocken und den Seiger neue Stränge und Riemen beschafft. Schon für das Jahr 1730 erhalten wir aus dem Buch: „Kleines Taufbuch von 1726 bis 1753“ die folgenden Nachrichten:

Transkription:
„Denkwürdig ist dieses vergangene Jahr 1730, dass in der hiesigen Kirche vollends der Altar und die Porkirche (Die erhöhten Sitze [Emporen] in der Kirche, welche gemeiniglich das Chor genannt werden; im „gemeinen Leben“ die Porkirche genannt) sind gebaut worden. Den Altar hat der Gnädige Herr, Caspar Abraham von Schönberg auf Wittgensdorf, Maxen und Reichstädt allein auf seine Kosten bauen lassen, welchen gemacht hat Meister Gläntzel, Tischler in Stollberg und ist den 17.Juli aufgesetzt worden und hat auch die sämtliche Porkirche gemacht. Der Bildhauer, so die Arbeit am Altar gemacht, ist Johann Emanuel Bettger zum Ernstthal. Der Mahler ist gewesen Herr Kreß, Mahler in Chemnitz, welcher den Altar, die Herrn Porkirch und den Beichtstuhl gemahlet; in allen kostet der Altar 100 Thaler, welches alles die Herrschaft gegeben. Den Beichtstuhl hat das ledige Volk bauen lassen vor 10 Thaler, welchen der der Tischler von Stollberg auch gemacht. Der Herr Verwalter Samuel Götze hat ihn mahlen lassen vor 4 Thaler und 12 Groschen“.
1736
Zum Trauergeläut zu Ehren des am 6. Juni 1836 verstorbenen König Anton von Sachsen zerspringt die kleine Glocke (noch aus dem ersten Geläut, gegossen im 15. Jahrhundert !!) und wird durch eine neue, 50 kg schwerere, ersetzt. Sie wurde vom Glockengießer Hann in Chemnitz „verfertigt“. Die Kosten beliefen sich auf 87 Taler und 21 Groschen. Das Geld wurde „theils durch guten Willen und theils durch Anlagen“ eingebracht. Diese kleine Glocke ist später der 1888/89 erbauten Zentralschule als Uhrenglocke überwiesen worden.
1739
Weiter geht es mit dem Jahr 1739, in dem unsere Ortskirche von der Kirchgemeinde Maxen die dort ausgebaute Orgel käuflich erwirbt. Diese verrichtete treu ihr Werk bis zu einer Reparatur durch den Orgelbauer Kentgen und einer neuen Staffierung durch den Tischlermeister Hain aus Lichtenau und danach bis zum Jahr 1845, wo sie durch eine neue Orgel der Firma Mende, Leipzig, ersetzt wurde.
1843
Am 8. Mai 1843 wurde der Grundstein zum Anbau der Kirche gelegt. Die Länge des Anbaues betrug 8 Ellen (ca. 4,5 m). Er war dem Zimmermeister Meinig und dem Maurermeister Menert von hier übertragen. Die Bauaufsicht hatten der Gemeindevorstand Oehme sowie der Bauer Wienhold. Am 8. Juli wurde dieser Anbau aufgeführt u. gehoben. Er wurde später als „Herrschaftskapelle“, „Rittergutskapelle“ oder „Jägerkapelle“ bezeichnet.
1845
Im Jahr 1845 wurde die aus Maxen stammende Orgel durch ein neues Instrument, geliefert und errichtet durch die Firma Mende aus Leipzig, ersetzt. Sie wurde in den Jahren 1894 bis 1896 umfangreich repariert, bekam neue Bälge, sämtliche Register wurden neu intoniert, da die Orgel einen ganzen Ton zu hoch stand und die Disposition bekam drei neue Register, einige Register wurden erneuert. Allerdings büßte sie während des ersten Weltkriegs ihre gesamten zinnernen Prospektpfeifen ein, die vermutlich im Sommer 1917 beschlagnahmt wurden. Nachstehend ein Foto von der Mende-Orgel mit den schon ausgebauten Orgelpfeifen.

1757
Auch die am alten Kirchlein nahezu regelmäßig auftretenden Reparaturen am Kirchturmknopf sind wieder präsent: 1757 werden am 21. Juni der Kirchturmknopf und die Kirchturmfahne abgenommen, weil sie „wankend“ waren. Am 29.6. wieder „naufgesetzt“ und eine Urkunde mit eingelegt. Diese Reparatur wiederholt sich 1764: „Den 8. Septembris ist der Wittgensdorfische Kirchknopf von Meister Michel Tüßner, Schieferdecker in Chemnitz, abgenommen worden, weil solcher wandelbar gewesen. Und den 17. Septembris wider aufgeflickt danebst einer neuen Spille naufgesetzt worden“. Schon nach 39 Jahren wird im Jahr 1803 der Kirchturm wieder repariert, leider gibt es keine Angaben zu den durchgeführten Arbeiten. Auch für 1815 heißt es: „Nachdem auf unserem Kirchturm die Spindel in der Windfahne wandelbar war, so übernahm der Schieferdecker Gottlob Diettrich von Ebersdorf das Werk, nahm den 27. July Knopf, Spindel und die Fahne herunter, die Fahnenspindel und Thurmhaubenspitze wurden etwas abgekürzt, ehe dieses aber fertig wurde, hing sich der Schieferdecker Diettrich in der Nacht vom 10. bis 11. Aug. bey den Krämer Hoesel in der Stube an die Ofenstange. Nach diesem Fall hat der Schieferdecker Johann Christian Rost von Lunzenau, den Knopf, und die Spindel mit der Windfahne den 22. Aug. a. c. glücklich wieder aufgesetzt“. Die Reihe der Reparaturen wird fortgesetzt im Jahr 1835. Am 13. Oktober erhält der Kirchturm einen neuen Kirchturmknopf und eine neue Fahne, beides gestiftet von C.S. Albanus; aufgerichtet vom Schieferdeckermeister Nefe aus Hohnstein.
1881
Das eiserne Kirchhofstor wurde samt seinen Sandsteinpfeilern errichtet. Eine Freundin der Kirche, die nicht genannt sein wollte, spendete einen Kronleuchter. Die Rechnung betrug 338 M. 80 d. Er war aus Stettin. Die Treppe zum Anzünden kostete 10 M. und wurde von der Schenkerin bezahlt. 1882 wird das Kirchengebäude sandsteinfarben neu abgeputzt. Die Arbeiten führte der hiesige Baumeister Schenke für 1038 Mark aus. Das Kirchendach wird vom Dachdecker Wolfram aus Röhrsdorf von Ziegeldach auf ein Schieferdach umgedeckt. Die Kosten belaufen sich auf 669 Mark. 1885 wird die Kirche innen restauriert und die neuen Glocken werden am 16.10. d. J., dem Freitag vor der Kirchweih, geweiht. Der Preis für alle Glocken betrug laut Rechnung vom 06. August 1885 einschließlich allem Zubehör und Montage 4199 Reichsmark. Der Guss wurde vom Glockengießer C.F. Uhlig in Apolda ausgeführt. Er lieferte vier Glocken in Es-Dur, das waren 1. die große Glocke zu 2632 Pfund (1316 kg), die 2. Glocke zu 1352 Pfund (766 kg), die 3. Glocke zu 741 Pfund 8370,5 kg) und die Taufglocke zu 283 Pfund (141,5 kg). Dabei wurde das „Pfund“ Glockenguss mit 95 Talern berechnet. Der eichene Glockenstuhl kostete 808 M. Mit der Beschaffung der neuen Glocken wurde auch ein neuer „Seiger“ erworben. Dessen Werk wurde, um Beeinträchtigung durch das Glockenläuten zu vermeiden, unterhalb des Zifferblattes angeordnet.
1888
Auch in der Kirche gab es trotz der umfassenden Reparatur vor drei Jahren wieder umfangreiche Bauarbeiten. An verschiedenen Stellen in Schiff u. Sakristei zeigte sich der Schwamm. Versuche, ihn durch „Solaröl“ u. Petroleum zu beseitigen, erwiesen sich erfolglos. Somit musste nun gründlich vorgegangen werden. Das Gestühl wurde herausgenommen und die Dielen herausgerissen. Dabei zeigte es sich, dass sämtliche Dielen und Lager, ja selbst fast alle Säulen vom Schwamm angegriffen waren, auch bereits hier und da die Bänke gelitten hatten. Es mussten daher sämtliche Lager und Dielen im Schiff und Sakristei erneuert sowie die Säulen angeschuht werden. Dabei wurde die Dielung im Schiff hochgelegt, mit Luftlöchern versehen und alles neue Holzwerk mit Antimonrulion (eine sehr giftige Antimonverbindung) und Karbolineum imprägniert, auch die Frauenstühle durch Weglassung je einer Bank auf jeder Seite bequemer gemacht. Am meisten Schwierigkeit bereitete die Sakristei, wo, weil die Schwellen, auf denen die Bindewände ruhten, angegriffen waren, sämtliche Bindewände entfernt und ersetzt werden mussten. Die bisher (seit 1880) gänzlich unzugängliche Gruft unter der Sakristei, in die ebenfalls der Schwamm eingedrungen war und in der sich zwei Kindersärge befanden, wurde vollends zugewölbt, zugänglich gemacht u. ebenfalls mit Luftlöchern versehen. Die Arbeiten wurden durch Baumeister Schenke und Tischler Helbig ausgeführt. 1891 Ende August begann auch der Bau der Kirchenheizung durch die Firma „ZivilIngenieur Richard Hartneige“ aus Dresden und Baumeister Richter aus Wittgensdorf, welcher die Maurer- und Zimmererarbeiten ausführte. Es sind 690 Meter Heizrohr gelegt worden, welche bei 2 Öfen 4 Systeme bilden, so dass durch jeden Ofen die Rohre von je zwei Systemen geheizt werden, die im Schiff, auf der ersten Empore, in der Sakristei und in den umgebauten Betstuben zu liegen gekommen sind. Der Bau, welcher auf 3.197,69 M (Heizungsanlage) und 1.696,07 M (Maurer- und Zimmerarbeiten) 4.893,76 M zu stehen kommt, wurde Anfang Oktober vollendet u. hat sich nachmals aufs Beste bewährt. Im Frühjahr 1894 wurde die Bälgekammer ausgebaut und danach die Orgel mit neuen Bälgen versehen sowie die behufs der Herstellung der Normalstimmung (die Orgel stand bisher einen ganzen Ton zu hoch) beschlossene größere Orgelreparatur, die nach und nach immer weitere Dimensionen erfuhr, in Angriff genommen.
1896
Zu Pfingsten wurde endlich auch die Orgelreparatur vollendet. Die Orgel ist nun so gut wie neu geworden. Bei dem Bau hatte der Orgelbaumeister Lohse aus Dippoldiswalde oft wegen Mangel an Platz mit den größten Schwierigkeiten zu kämpfen und die denkbar komplizierteste Windführung anzubringen. Die Gesamtkosten betragen einschließlich der zur Schadloshaltung des Orgelbauers genehmigten Nachbewilligungen zirka 3500 M und mit Hinzurechnung der bereits vorher beschafften neuen Bälge 4100 M. 1899 werden an der 1891 errichteten Kirchenheizung beide „Heizschlangen“ erneuert.
1904
Wurde die restliche Seite des Kirchdaches sowie West- und Nordseite des Turmes neu gedeckt und die Kirche äußerlich neu abgeputzt, wodurch sie nun auch von außen wieder ein freundliches, würdiges Aussehen erlangt hat. Die Kosten beliefen sich bei der Kirche für die Dachreparatur auf zirka 550 M, für Abputz und Anstrich der Kirche (einschließlich der Rittergutskapelle mit ca. 30 M) auf rund 1600 M. Im Kriegsjahr 1917 widerfuhr der Kirchgemeinde ein schwerer Verlust – das 1885 am Freitag vor der Kirchweih geweihte Bronzegeläut musste auf Anordnung der Reichsregierung an das Kupferwerk Ilsenburg/Harz abgegeben werden und wurde dort zerschlagen und eingeschmolzen. Das nachstehende Foto zeigt das Geläut vor dem Abtransport zur Sammelstelle nach Schönau bei Chemnitz. Neben dem Wagen steht Kirchenvater Friedrich Böhme, welcher für das Läuten der Glocken verantwortlich war.

1920
Am 18. März konnten die Einwohner unseres Heimatortes die auf dem Oberen Bahnhof angekommenen Glocken aus Stahlhartguss begrüßen. Nach einigen Ungereimtheiten – die mittlere Glocke musste wieder vom Turm herabgenommen werden – konnte das neue Geläut schließlich im September seine Stimme erklingen lassen.

1921
In der Ausgabe 6/1921 erscheint im Wahrheitszeuge die folgende Anzeige,

die schon im August durch folgende Zeilen ergänzt wird:

Am 27.11.1921 erlebte dann die versammelte Kirchgemeinde die festliche Weihe der neuen Orgel. Im Hauptgottesdienst übergab Herr Fabrikbesitzer Paul Ewald Steinbach im Namen aller Stifter durch Stiftungsurkunde das von Gebrüder Jehmlich, Dresden, als Ehrenmal zum Gedächtnis an die im Weltkrieg gebliebenen mit einem Aufwand von 185.000 M erbaute Werk, der Kirchgemeinde.

Die Inschrift in der Mitte des Orgelprospektes lautet: UNSEREN GEFALLENEN HELDEN + 1914 + ZUR EHRE + 1918 +
Leider wurde diese Tafel bei einer späteren Renovierung der Orgel entfernt und vernichtet. Im Wahrheitszeuge, Ausgabe Februar 1922, dankte der Kirchenvorstand der Gemeinde für die erwiesene Hilfe, musste jedoch auch noch auf einen fehlenden Betrag von 30.000 Mark hinweisen.

1930
In einer Denkschrift erwähnt Pfarrer Wischner, dass im Hernst 1930 die Wetterfahne des Kirchturms bei einem Sturm losgerissen wurde und im Pfarrhof niedergefallen sei.
1946
Die nächste größere Arbeit am Kirchengebäude erleben wir in den letzten Julitagen des Jahres 1946. In der von Pfarrer Wischner o.a. Denkschrift lesen wir dazu:


Das Foto von 1946 zeigt den eingerüsteten Kirchturm. Am linken Bildrand ist der damals noch existierende Kuhstall des Rittergutes zu sehen. Pfarrer Wischner schließt die o. Denkschrift mit folgenden Zeilen:


1953
Eine umfassende, mit wesentlichen Änderungen des Kircheninneren verbundene Renovierung erfolgt 1953. Die zweite Empore wurde gänzlich entfernt, der Chorraum vergrößert und neue Kirchenfenster eingesetzt. Die Decke und alle Wände und Nischen erhielten einen hellen, fast weißen Farbanstrich. Die Kirche bekam dadurch gegenüber dem bisherigen, etwas düsterem Graublau, ein helles und freundliches Aussehen. Für die Kirchenheizung musste 1958 ein neuer Heizkessel eingebaut werden.

1960
Am 4. Juli 1960 wird für den 1. Bauabschnitt der Orgelumdisposition der Auftrag erteilt. Der 2. Bauabschnitt dazu wird am 16. Juni 1961 beauftragt. 1965 wird die Orgel ab Januar einer Generalreparatur unterzogen und zum Pfingstsonntag am 06.06. in einem Festgottesdienst wieder eingeweiht.
1976
Der Kanzelaltar, der die Kirche seit der Erweiterung 1728 prägte, musste 1976 auf baupolizeiliche Anordnung hin entfernt werden, da er vom Schwamm befallen war. Bei den Bauarbeiten wurde unter dem Altar ein alter, als Fundament dienender Grabstein aus dem Jahr 1635 gefunden. Nach seiner Restaurierung wurde er an der östlichen Friedhofsmauer in Kirchennähe aufgestellt. Die Jägerkapelle wurde später zum Kircheninneren hin verkleidet und diente als Mitarbeiterraum. Die Rittergutskapelle war im Nachhinein Ehrenloge für die Kriegsgefallenen und dient heute während des Gottesdienstes als Familienraum.

Der älteste Grabstein des Friedhofes zur Erinnerung an „Herrn Johan Neerhof von Holderbegk“, gestorben am 2. März 1635

1986
Die nächste große Reparatur am Kirchengebäude war die im Jahr 1986 durchgeführte Reparatur des Kirchturmes. Hierzu schreibt uns Andreas Kühn folgende Zeilen: „ Die Gerüstbaufirma kam aus der Lausitz. Zum Aufstellen des Rohrgerüstes waren 3 Tage mit unterschiedlichem Personalbedarf veranschlagt. Am Tag 1 – Donnerstag – wurden 20 Helfer benötigt, am Tag 2 wurden 40 – 50 Helfer benötigt und am Tag 3 (Samstag) waren es 80 – 100 Personen. Alle Materialien (Laufbohlen, Stahlrohr und Verbindungselemente) mussten händisch nach oben befördert werden. Es waren immer genügend Helfer vor Ort, dabei nicht nur Mitglieder der Kirchgemeinde sondern auch ca. 50% Einwohner von Wittgensdorf die nicht zur Kirchgemeinde gehörten.
Alle weiteren Arbeiten – der Kirchturm wurde vollständig vom alten Putz befreit, das Kirchturmdach wurde komplett aufgenommen, d.h. Schieferdeckung und Dachschalung entfernen, schadhafte Balken austauschen bzw. ausbessern und im Nachgang das Dach komplett wieder neu decken – wurden parallel ausgeführt. Dabei wurden bis auf die Zimmerer-, Dachklempner- und Dachdeckerarbeiten alle Arbeiten (Maurer, Putzer etc.) in Eigenleistung erbracht“. Nachstehend einige aussagefähige Fotos der Arbeiten.





Mit diesem großen Bauvorhaben, welches als letztes noch zu Zeiten der Existenz der DDR ausgeführt wurde, möchten wir den ersten Teil unseres Artikels zur Baugeschichte unseres Kirchgebäudes beenden. Im zweiten Teil befassen wir uns mit den Bauvorhaben nach 1989, welche doch einen wichtigen und selbständigen Abschnitt in der Baugeschichte unseres Kirchgebäudes darstellen.
Ullrich Nier
Ortschronist
Kultur- und Heimatverein Wittgensdorf e.V.
Quellenverzeichnis:
[1] - Urkunde zur Verleihung der „Kapelle unserer lieben Frauen“ zu Markersdorf bei Penig mit allen Rechten an Tylen Huzzin, Capellan dieser Kapelle durch Burggraf Albrecht von Leißnig und dessen Sohn, Graf Wyrdt im Jahre des Herrn 1404