Friedhofsbegehung
erschienen in: Heft 3/2021
Über eine Begehung des Friedhofes an der Kirche zu Wittgensdorf mit Herrn Friedhofsmeister a.D. Steffen Lauterbach am 17. Mai 2021
Ein Beitrag zur Ortsgeschichte
Veranlasst durch sein Ausscheiden (Eintritt in das Rentenalter) aus dem Dienst als Friedhofsmeister hatte Herr Lauterbach die Herren Dietmar Esche, Ortschronist a.D und Ullrich Nier, Ortschronist, zu einer Begehung des örtlichen Friedhofes eingeladen. Dabei berichtete Herr Lauterbach aus seiner 25jährigen Tätigkeit als Friedhofsmeister und wies die Mitglieder des KHV Wittgensdorf auf damit im Zusammenhang stehende mannigfaltige Vorgänge und Begebenheiten hin. Ein herausragender Aspekt betraf dabei die Erhaltung und Sicherung der historisch bedeutsamen Grabmale und der „Erbbegräbnisse“ bedeutender und bekannter Wittgensdorfer Bürger und Unternehmer. Zu benennen wären z.B. die Erbbegräbnisse der Fam. G.A. Steinbach, R. Häberle, E. Fischbach oder auch Max Martin Stahl, Ökonomierat (vorm. Rittergutsbesitzer). Als Beispiel wollen wir hier die nicht sehr schön anzusehende Begräbnisstätte der Fam. R. Häberle zeigen.

Natürlich sind an den einzelnen Erbbegräbnissen teils umfangreiche Arbeiten hinsichtlich Pflege und Wiederherstellung der Ansehnlichkeit erforderlich. Diese lassen sich aber mit Einsatz interessierter Bürger mit relativ geringem finanziellen, aber dafür hohem handwerklichem Aufwand realisieren. Bedeutend mehr Anstrengungen erfordern jedoch Arbeiten zur Wiederherstellung der Standsicherheit geschädigter Bauteile. Hierfür würde auf jeden Fall der Einsatz entsprechender Technik erforderlich und damit die Hilfsbereitschaft der „handarbeitenden“ Helfer überfordern. Eine Mitwirkung von Firmen mit entsprechender Bautechnik (Hebezeuge etc.) wäre denkbar und wünschenswert.
Ein weiterer wichtiger Teil ist die Erhaltung historischer bzw. bekannten Wittgensdorfer Personen gewidmeten Grabmale. Auch hier finden wir Grabsteine deren Laufzeiten (?) bereits wesentlich überschritten sind und die nur der Pietät halber noch stehen, letztendlich aber irgendwann entfernt werden müssen. Als Beispiel hierzu soll uns der Grabstein der Familie Arno Hempel zeigen, wie ein nahezu noch allen älteren Wittgensdorfer Bürgern bekannter und verdienstvoller Einwohner unseres Heimatortes als Teil unserer Geschichte in Ehren gehalten werden kann und soll.

Diese Grabstelle befindet sich am Hauptweg in der Nähe der Kirche und wird mit Sicherheit irgendwann einmal „im Weg“ stehen. Eine Umsetzung des Grabsteines an eine sichere Stelle wäre also anzustreben. Dies betrifft ebenso noch andere denkwürdige Grabmale unseres Friedhofes.
Abschließend wollen wir, da sie mit Sicherheit nur wenigen Wittgensdorfern bekannt sein dürften, noch auf einige auf unserem Friedhof befindliche Grabmale hinweisen. Es sind dies zum Beispiel:
- Der älteste Grabstein des „Herrn Johan Neerhof von Holderbegk“, gestorben am 2. März 1635

- Grabstein des Pfarrers Magister Christian Gottlob Schilling aus dem Jahr 1845 (Pfarrer in W. von 1789 bis 1839)

- Grabkreuz des Pfarrers Magister F.A. Ludwig Ackermann aus dem Jahr 1858 (Pfarrer in W. 1837 bis 1858)

Hierzu ließen sich noch viele Beispiele anfügen, die benannten sollen uns jedoch zeigen, dass auf unserem Friedhof noch eine Vielzahl erhaltenswerte Grabmale und Begräbnisstätten existieren, deren kulturhistorischer Wert eine dauerhafte Pflege und Erhaltung bedarf. Diese muss natürlich in Abstimmung mit der Kirchgemeinde und allen zuständigen Gremien erfolgen. Dazu wollen wir mit unserem Artikel alle interessierten Wittgensdorfer Einwohner, Gewerbetreibende, Betriebe und Vereine aufmerksam machen, welch unwiederbringlicher Schatz für die Geschichtsschreibung unseres Heimatortes in unserer Mitte existiert und damit ein Plädoyer zu seiner Erhaltung veröffentlichen.
Ullrich Nier
Ortschronist
Kultur- und Heimatverein Wittgensdorf e.V.
Quellenverzeichnis:
Alle Fotos Sammlung Nier