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Nachtrag zu den Erinnerungen

erschienen in: Heft 3/2015

Ein Nachtrag zu den "Erinnerungen an die Ereignisse in Wittgensdorf vor nunmehr 70 Jahren

Am 10.4.2015 erreichte uns ein Schreiben von Frau Ingeborg Ullmann, geb. Böhme aus Cottbus. Frau Ullmann ist die Tochterim Beitrag benannten ersten Nachkriegsbürgermeisters von Wittgensdorf, Herrn Eberhard Böhme und war 1945 14 Jahre alt. Sie hat deshalb und auch auf Grund des direkten Erlebens als Tochter des Bürgermeisters die sichersten Erinnerungen an die damaligen Tage.

Herr Eberhard Böhme, 1945

Quelle: Sammlung Frau Ingeborg Ullmann, privat

Sie bat uns, einige wichtige Details im Ablauf den von uns geschilderten Ereignisse richtig zustellen und vor allen Dingen den von ihrem Vater verfassten Appell - dieser lag den o.a. Schreiben bei - zu veröffentlichen. Dieser Bitte wollen wir gerne nachkommen und auch unseren Beitrag in der Ausgabe 2/2015 der Rundschau berichtigen bzw. zu ergänzen. Doch beginnen wir von vorn.
Wir hatten geschrieben, dass der damalige Ortspolizist, Herr Albert Pippig sich in dieser Situation sofort an Herrn Böhme gewandt hat. Frau Ullmann berichtigt diese Erinnerung dahingehend, dass der noch amtierende Bürgermeister Willy Röser Herrn Eberhard Böhme erst am 15.4.45 zu sich bat, um als Dolmetscher zu fungieren. Während dieses Gesprächs setzen die Amerikaner Herrn Böhme als Bürgermeister ein, da er keiner nazistischen Organisation angehörte. Hier muss allerdings eingefügt werden, dass ein anderer Zeitzeuge die erste Darstellung der Ereignisse stützt. Leider kann er nicht mehr befragt werden, da er verstorben ist.
Kommen wir nun zu den Ereignissen des 3. Mai 1945. Ergänzend zu unserer Darstellung hat Frau Ullmann noch einige nennenswerte Details mitgeteilt. Sie schreibt sinngemäß:
Aus dem oberen Ortsteil kamen Einwohner aufgeregt und weinend zu Herrn Böhme und teilten ihm mit, dass Panzer und Geschütze auf dem Oberen Bahnhof in Richtung Osten aufgestellt wurden, um den Ort zusammenzuschießen. Es wurden im Ort Angehörige der SS vermutet, die nach der erfolgten Kapitulation eine große Gefahr darstellten. Herr Böhme beauftragte deshalb den Ortspolizist Pippig mit dem Fahrrad durch den Ort zu fahren und mit einer Glocke die Einwohner zu einer bestimmten Zeit auf den Rathausplatz zu rufen. Hier verlas Herr Böhme das beigefügte Schreiben und bat die Bevölkerung des Ortes Ruhe zu bewaren und in ihre Häuser zu gehen. Dabei wurde mit Zustimmung der Anwesenden beschlossen, dass Herr Eberhard Böhme, Herr Pfarrer Rudolf Wischner und Herr Gustav Ahner - nicht wie wir geschrieben haben Herr Rittergutsbesitzer Raschke - gemeinsam jeweils mit einer weißen Fahne nach Hartmannsdorf zur Kommandantur der USStreitkräfte gehen sollten um den o.a. Hilferuf zu übergeben.

Fotokopie des Appells an die US-Streikräfte vom 03. Mai

Quelle: Sammlung Frau Ingeborg Ullmann, Cottbus

Pfarrer Wischner und Herr Ahner wurden am US-Posten an der oberen Eisenbahnbrücke zurückgehalten und Herr Böhme musste allein mit dem US-Kommandanten verhandeln. Der Bitte wurde stattgegeben und die US-Truppen besetzten Wittgensdorf erneut. Es wurden auch Posten am Unteren Bahnhof aufgestellt. Damit wurde verhindert, dass sowjetische Soldaten im Unterdorf bei Bauern und Geschäften (Uhrmacher Helmert) plündern konnten. Die Unterbringung der US-Truppen erfolgte im Postamt sowie in Zelten, z.B.: beim Bauer Hugo Lorenz. Der Kommandant der US-Truppen war mehrere Tage in der Woche in Wittgensdorf und wohnte bei der Familie Raschke im Rittergut. Sein Büro hatte er im Pfarramt. Besonders sei noch zu erwähnen, dass zum Kriegsende ein Dankgottesdienst im Beisein des amerikanischen Kommandanten, des Bürgermeisters und des vorläufigen Gemeinderates unter großer Anteilnahme der Bevölkerung stattfand. Nach den Vereinbarungen der Alliierten auf der Konferenz von Jalta zogen sich die amerikanischen Truppen zurück und die Sowjetarmee besetzte das Gebiet des Kreises Rochlitz.

Ullrich Nier
Kultur- und Heimatverein Wittgensdorf
Ortschronist

Zur besseren Lesbarkeit der Fotokopie des Appells an die US-Streikräfte vom 03. Mai 1945 noch einmal im Großformat

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