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Emil Müller – 1

erschienen in: Heft 5/2017

Emil Müller – ein Köthensdorfer Heimatforscher

Einlassungen zu Ereignissen in und um Wittgensdorf in den Tagebuchaufzeichnungen und Niederschriften des Emil Müller (1875 – 1959)

Im nachfolgenden Beitrag wollen wir uns mit dem dokumentarischen Nachlass – speziell mit den veröffentlichten Einlassungen zu Ereignissen in und um Wittgensdorf - des Köthensdorfer Heimatforschers Emil Müller (* 7.2.1875 in Mohsdorf, + 20.4.1959 in Köthensdorf) befassen.
In dankenswerter Art und Weise hat der Heimatverein Köthensdorf e.V. den umfangreichen Nachlass von Emil Müller, vorliegend in Form von zahlreichen Aufsätzen, umfangreichen Tagebuchaufzeichnungen und vielen Beiträgen zur Beilage „Aus der Heimat – für die Heimat“ des Burgstädter Anzeigers aus den Jahren 1910 – 1938, aufgearbeitet und in der landläufig „Müllerhefte“ genannten Publikation einem breiten Leserkreis zugänglich gemacht.

Müllerheft Nr. 1 von 2005 - Quelle: Sammlung Esche

Bei der Lektüre dieser insgesamt 15 Hefte, deren Inhalt sich wie schon oben angedeutet, mit der Geschichte unserer Region befasst, kam dem Autor der Gedanke, sich einmal auf die Erwähnungen unseres Heimatortes zu konzentrieren und diese mit vorhandenen Wissen und Material zu ergänzen. Diese Idee wurde Herrn Andreas Hugel vom Heimatverein Köthensdorf e.V., dem verantwortlichen Bearbeiter der „Müllerhefte“ vorgetragen und um seine Erlaubnis zur Nutzung der Hefte gebeten. Herr Hugel stimmte dem Vorschlag sofort zu und war seinerseits sehr Interesse an der Arbeit des erfreut, dass auch „übern Berg“ ein solches Heimatvereins Köthensdorf e.V. besteht. Er sicherte auch seine ausdrückliche Unterstützung bei der Arbeit am Beitrag zu, wofür uns schon hier in aller Form bedanken möchten.

Nach erteilter Zustimmung begann die Arbeit. Zuerst wurden in allen Heften die Wittgensdorf betreffenden Stellen erfasst und mit Heftnummer, Seitenzahl und Datum in eine Exel-Datei eingetragen. Durch Nutzung der Funktion „Daten sortieren“ brachte der Rechner alle Daten in eine chronologische Reihenfolge. Insgesamt konnten 85 Einträge, Wittgensdorf betreffend, ermittelt werden.
Bevor wir allerdings nun zu den einzelnen Einlassungen kommen, müssen noch einige Worte zu den „Müllerschen“ Erinnerungen gesagt werden. Emil Müller, der sich selbst gern als "Heimatforscher vom Chemnitztal" bezeichnete, ..... hatte stets offene Augen und Ohren für seine Umgebung, liebte die Natur und äußerte, zwar etwas versteckt, seine politische Meinung. Daraus entwickelten sich Geschichten, die er in seinem speziellen Schreibstil zu Papier brachte. Mündlich überlieferte Erzählungen älterer Leute wurden mit in die Niederschriften eingeflochten [1]. Dabei ist zu bemerken, dass E. Müller viele historische Ereignisse unkommentiert gemäß diesen Erzählungen wiedergibt, so dass u.U. kleinere Widersprüche zur offiziellen Geschichtsschreibung auftreten können. Auf diese speziellen Anmerkungen werden wir in unserem Beitrag gesondert hinweisen.
Doch kommen wir nun zu den konkreten Erwähnungen unseres Heimatortes in den "Müllerheften" in nach Jahreszahl des Ereignisses geordneter Reihenfolge. Zur Information bzw. zum Nachlesen in den Heften geben wir in der Form ( HeftNr./Seite) noch die genaue Quelle an.
1436 (11/4)

Wir lesen:\ Im Jahr 1436 gehörte das Rittergut Wittgensdorf mitsamt den Murschnitzer Teichen noch zu Rochsburg, 1458 getrennt und anderweitig verlehnt. 1483 verkaufte es Hans von Einsiedel an Ulrich Schütze aus Chemnitz, 1832 die Herren von Schönberg auf Limbach an bürgerliche Herren, dann Albanus und Stahl, der an die Firma Escher verkaufte, die es heute (1928) noch bewirtschaftet, Stahl hinterließ verarmte Nachkommen, leichtsinnige Lebemänner. Der zwischenzeitliche Besitzer Rolle bewirtschaftete im Zschopautal ein Anwesen (Rollemühle in Waldkirchen) und wurde 101 Jahre alt. Anmerkung: Siehe hierzu auch unseren Artikel in zwei Teilen zur Geschichte des Rittergutes Wittgensdorf.
Weiterhin wird die Geschichte des Schlangengutes zu Wittgensdorf erzählt. Diese steht ausführlich in der Schrift zum 700jährigen Ortsjubiläum von Wittgensdorf (8/18). Hier lesen wir: Der Wittgensdorfer Ortsteil Murschnitz ist von den Arbeitern des dortigen Rittergutes gegründet worden, die die weitliegenden Deputatfelder vom Inhaber des Rittergutes erhielten und Reitzenhainer Felder zukauften. Lediglich die beiden Mühlen und die zwei großen Teiche gehörten der Herrschaft Rabenstein, später Rochsburg.

Ortsansicht Murschnitz mit Teich - Quelle: Sammlung Heimatstube

Hier müssen wir allerdings schon den ersten Einwand erheben. Nach Wikipedia ist der nördlich gelegene Wittgensdorfer Ortsteil Murschnitz vermutlich nur ein Rest einer größeren Siedlung aus dem 13. Jahrhundert. An den alten Ortskern schloss sich demnach eine Reihe von Gehöften an. Der Ort reichte vom unteren Holzbach bis zum Waldgebiet Herrenhaide („Schwarzholz“) (de.wikipedia.org/wiki/Chemnitz-Wittgensdorf). Forschungen zum Ortsnamen weisen zudem auf eine slawische Herkunft hin. Vgl. hierzu: Ernst Eichler, Slawische Ortsnamen zwischen Saale und Neiße. - Ein Kompendium, hier: Band II - K-M.

1700 (13/15)

Die nächste Eintragung finden wir in (13/15). Im Juli 1700 wurden zwei mit Lehm beladene Gespanne in dem angeschwollenen Chemnitzfluss in der Furt in Niederwittgensdorf erfasst. Von einem Geschirr kamen die Pferde ums Leben, vom anderen ertrank der Geschirrführer. Der Lehm sollte zu einem in Wittgensdorf lebenden Töpfer gebracht werden.

1812 (4/8)

Wir lesen wir für Oktober 1812: Im Haus Nr. 36 (jetzt Köthensdorfer Hauptstraße 81) soll nach mündlicher Überlieferung Karl Stülpner auf der Flucht genächtigt haben. Der einstige Besitzer dieses Hauses, Sämann, hatte die Schwester von Stülpners zweiter Frau geheiratet. Neben diesen verwandtschaftlichen Besuchen soll Stülpner auch zur Zeit seiner Chemnitzer Militärjahre in den Sechsruthen (Wald in Glösa) gewildert und das Fleisch zu einem (Herrn) Schimmel gebracht haben, ..der jetzt noch besagtes Geschäft mit Schlachtvieh betreibt. Als Versteck diente sein Brunnen, wo noch die Haken für Rehe und Hirsche hingen.
Wo jetzt Hermann Reinischs Haus steht, neben dem Schäferhaus, gab es auch ein Försterhaus. Der letzte Förster, Kelzig, war angestellt im Rittergutswald Wittgensdorf und starb 1864. Das Anwesen brannte später nieder, man sagt durch Brandstiftung eines gewissen Franz Sämann (s.o)

Quelle: de.wikipedia.org/wiki/Karl_St%C3%BClpner

1812 (5/11)

Mit Karl Stülpner geht es weiter. Wir lesen: Karl Stülpner brachte einst seine Mutter kurz zu Verwandten nach Köthensdorf, um sie vor den Bedrängnissen des Thumer Gerichtsamtes in Sicherheit zu bringen. Adam Winkler sah Stülpner mehrmals das Grundmannsche Haus (abgerissen) verlassen. Der Weg von dort führte an Winklers Gut vorbei. ANMERKUNG: Es ist hier zu vermuten, dass Stülpner über Murschnitz, Wittgensdorf, Borna und Chemnitz in Richtung Scharfenstein ging. Nicht belegt sind dabei Besuche des Bergschlössels in Wittgensdorf.

Quelle: Sammlung Heimatstube

In diesem Zusammenhang ist es interessant, dass der jetzige Wirt der Gaststätte "Bergschlößchen", Herr Mehner überzeugt ist, dass es sich bei einem in seinem Besitz befindlichen alten Gewehr um eine Waffe aus dem Besitz Karl Stülpners handelt. Dieses soll Stülpner bei einem seiner Besuche bei einem überstürzten Aufbruch im "Bergschlößchen" stehen gelassen haben (?????)

1813 (7/24)

Über das Grab eines unbekannten Soldaten wird hier berichtet. E. Müller schreibt: Ein anderes Soldatengrab von 1813 erhielt sich als Hügel mit Denkmal bis 1894. Es lag westlich des von der Wasserschänke kommenden nach Herrenhaide führenden Weges, an der Limbacher Bahnstrecke. Der Überlieferung nach soll dort ein französischer Offizier seinen letzten Schlaf halten. Einmal im Jahr erschienen am Grab zwei fremde Frauen, um dasselbe zu pflegen. Dies geschah noch in den 1880er Jahren, dann kamen die beiden nicht mehr, nach und nach verfiel die Ruhestätte und als nun gar der Besitzer des Grundstücks das Gehölz rodetet, wurde der Hügel geebnet, aber der Denkstein ohne Inschrift, nur mit einem Kreuz geziert, kam nach Wittgensdorf. Dort, im Schulhof, hält das Monument die Erinnerung noch an das einstige Grab in der Kühnhaide. Die Wittgensdorfer Chronik berichtet aus der Zeit von 1813, dass in der Kühnhaide sich ein bayrischer Soldat erhängt habe. Auch diesen hat man an Ort und Stelle sein Grab geschaufelt.

1825 (10/13)

Juli, - In der Nähe des Bahnhofs Unter-Wittgensdorf ist ein Bohrloch nach Kohle gewesen. ANMERKUNG: Ermutigt durch Kohlefunde im OelsnitzLugauer Revier wurden auch im Gebiet um Chemnitz Probebohrungen und -vortriebe angelegt. Allein der Erfolg blieb aus und die Aktionen wurden wieder eingestellt.

1832 (11/14)

Der Eintrag befasst sich mit den Besitzern des Rittergutes. Wir lesen: Im Jahr 1436 gehörte das Rittergut Wittgensdorf mitsamt den Murschnitzer Teichen noch zu Rochsburg. 1458 getrennt und anderweitig verlehnt. 1483 verkaufte es Hans von Einsiedel an Ulrich Schütze aus Chemnitz. 1832 die Herren von Schönberg auf Limbach an bürgerlichen Herren, dann Albanus und Stahl, der an die Firma Escher verkaufte, die es heute noch bewirtschaftet. Stahl hinterließ verarmte Nachkommen, leichtsinnige Lebemänner. der zwischenzeitliche Besitzer Rolle bewirtschaftete im Zschopautale ein Anwesen und wurde 101 Jahre alt. Für den August 1436 geht Müller auf das "Schlangengut" in Wittgensdorf ein. Die ganze Sage lesen wir im Heft "700 Jahre Wittgensdorf" 1837, (11/21) - Die ehemalige Spinnerei Nieder-Wittgensdorf war bereits 1837 in den Händen des Spinnherrn Hoffman mit 4000 Spindeln, 68 Arbeitern und 24 Kindern. Das "Komptor" (heute: Firmensitz, Büro) befand sich in Chemnitz. Der Weg von Wittgensdorf nach Borna führte von der Bahrmühle durch das Schwarzholz. Ein Köthensdorfer Arbeiter ist diesen Weg 20 Jahr zu seiner Arbeitsstelle in Chemnitz gegangen.

Ehemalige Spinnerei Hoffmann, später Wohnhaus für Arbeiter der DiamantSchwarzfärberei Hermsdorf, heute abgebrannt - Quelle: Sammlung Heimatstube

1853 (10/28)

Hier berichtet Müller, dass im Jahr 1853 der Gasthof "Sonne" erbaut und in den 1860er Jahren vergrößert wurde. An der Südseite standen noch einige alte Gebäude. Eine alte Schützenscheibe zeigt das Bild des alten Gasthofes von 1853.

Quelle: Sammlung Heimatstube

Der links am Gebäude anschließende Anbau war in den 1930er Jahren der Sitz der Schmiede des Schmiedemeisters Weißbach.

Quelle: Sammlung Heimatstube
Quelle: Sammlung Heimatstube

Weiter lesen wir: Die Anhöhe hinter dem Gasthof nach Nordost heißt Steinberg. Dem Gasthof gegenüber steht der Schafstall der ehemaligen Rittergutschäferei, heute Scheune. Die "goldene Sonne" hat heute noch ein Gebäude als Anhängsel mit einem Schmied und einem Barbierladen. Im Fronhaus zu Wittgensdorf , das kleine Gebäude am Bräuteich, war früher ein Gefängnis. Noch lange waren die Ringe und Ketten an den Mauern und die Gitterfenster zu sehen.

Fronhaus am Bräuteich, nach 1945 Neubauer Kutschera - Quelle: Sammlung Heimatstube
Quelle: Sammlung Heimatstube

Das vorstehende Foto wird als die älteste Darstellung von Wittgensdorf bezeichnet. Pfarrer Schulz und Ortsrichter Müller haben dazu eine Zeichnung mit Pfarrgut, Pfarrschule, Kirche und Rittergut (altes Herrenhaus) photographieren lassen.

1860 (4/17)

Hier finden wir in folgenden Eintrag: .... nachdem die Flurgrenze an der Murschnitzer Seite passiert ist, auf einen Weg, der vom Gasthof Reitzenhain nach dem HUNDSBERG führt. Der Name dieser Örtlichkeit ist eine Bedeutung schwer zugänglich. Ein vorspringender Fels des Berges heißt im Volksmund "Schusterstein", ist aber früher "Katzenstein" genannt worden. Der erstere Name stammt von dem Manne, der die im Tal liegende Gartenwirtschaft (1) erbaute. Es war Gottlob Rudolph, "Starklob" genannt, ein Schuhmacher, der an schönen Sommertagen auf dem in Rede stehenden Felsen sein Handwerk (eben die Schuhmacherei oder auch die Schusterei) betrieb. (1) - Das m.E. noch existierende Anwesen liegt am Chemnitztalradweg in der Nähe des nördlichen Tunnelausgangs gegenüber der neuen Brücke über die Chemnitz (https://www.google.de/maps/@50.9055846,12.8942167,955m/data=!3m1!1e3)

1860 (2/15 ff)

E. Müller beschreibt hier die Geschichte der Textilfabrik in Reitzenhain, vielen Wittgensdorfern auch bekannt unter den Namen „Doppelmoppel“. Bereits 1860/1861 errichtete der Tauraer Müller K. H. Bräunig auf einem großen Areal die Fabrik Reitzenhain, das später als „Scheibe“ bekannte Gasthaus,

Quelle: Sammlung Heimatverein Köthensdorf

ließ den Fabrikteich und den ersten Flussübergang, einen Holzsteg, wo vorher nur eine Furt durch Bach und Fluss ging, anlegen. Da zum Grundstück viel Feld gehörte, baute Bräunig auch ein Bauerngut mit einer Wohnung für den Fabrikherrn. Nach einer wechselvollen Geschichte mit verschiednen Besitzern, einem Brand im Jahr 1884 (Totalschaden) erlebte die Firma eine Blütezeit unter dem neuen Besitzer, Herrn Commerzienrat Rathgeber. Dieser kaufte die Fabrik 1902 nach der Eröffnung der Chemnitztalbahn.

Quelle: Sammlung Heimatverein Köthensdorf

Zu Rathgebers Zeit kamen viele Frauen nicht nur aus Köthensdorf sondern auch aus Garnsdorf, Auerswalde, Wittgensdorf, Draisdorf und Glösa mit dem Fahrrad, viele auch mit der Bahn.

1874 (2/8)

Wittgensdorfer Jäger wohnen jetzt im Hause Reinisch (jetzt März), so wird der Waldpfad von der Schmidt-Mühle in den Schützwald zum Jägersteig.

1874 (4/7)

E. Müller berichtet aus Wittgensdorf: August: Vor 100 Jahren war es noch Brauch, den ersten Erntewagen zu schmücken und unter Gesang der Schuljugend vom Felde zu leiten. Nach einem Choral hielt der Pfarrer im Hofe eine Ansprache . Das war auf den Rittergütern üblich und ist von 1874 noch von Wittgensdorf verbürgt.

1875 (13/18)

Wir lesen: 1875 wurde der Wittgensdorfer Waldarbeiter Rockstroh von einem anderen Gehilfen ermordet, mit dem Beil, in einer Waldhütte, die als Schlafstätte diente, nachdem er im Köthensdorfer Gasthof war. Einen ausführlichen Artikel finden wir in der RW vom 02.02.2002, Autor: Dietmar Esche.

1879 (2/10)

Ein mit dieser Begebenheit in Verbindung stehendes Ereignis greift Müller auch hier auf. Er schreibt: Die letzte große Rodung im Schützwald (zum Rittergut Wittgensdorf gehörig) geschah vor 50 Jahren. Der Wald reichte damals bis an die Holzbach in Oberreitzenhain.

1880 (4/27)

Wir lesen in einem Aufsatz über "Alte Flussübergänge der Chemnitz": Flussabwärts, in Niederwittgensdorf, überspannte eine ähnliche Brücke (gemeint ist eine Brücke in Holzbauweise) , doch ohne Dach, den Fluss. Mit starken Eisbrechern versehen, widerstand dieser Holzübergang lange Zeit. Durch den Fabrikneubau von Hermsdorf und dem Bahnhof machte sich auch an dieser Stelle der Bau einer Steinbrücke notwendig. Zu bemerken ist noch, dass der Besitzer der Diamantschwarzfärberei, Louis Hermsdorf, einen nicht unerheblichen Teil der Kosten auf eigene Rechnung übernahm, hatte er ja dadurch einen gefahrlosen Zugang zur Chemnitztalstraße.

Postkartenansichten der Diamantschwarzfärberei Hermsdorf - Quelle: Sammlung Heimatstube
Quelle: Sammlung Heimatstube

1890 (5/11)

E. Müller geht hier auf den Fischreichtum in der Chemnitz ein, beschreibt allerdings auch schon größere Fischsterben. Z.Bsp. 1885 wird ein Säuretank einer Chemnitzer Färberei zerstört, Hunderte tote Fische werden am Auerswalder Wehr angeschwemmt. Er schreibt weiter: Aus der Mulde sind neue Fischscharen eingezogen, aber als 1890 die Hermsdorfsche Schwarzfärberei in Niederwittgensdorf in Betrieb kam, bedeutete das das Ende der Chemnitzfischerei !!

1910 (1/13)

Hier kommt E. Müllers Passion als Musiker zum Vorschein. Er schreibt: Im Januar begann eine erfolgreiche Ballsaison: 22.1. Samstag: Sanitäterball in W., 5 Mark; 23.1. Montag: Frauenball in W., 5 Mark; 29.1. Samstag: Hochzeit in der „Krone“ in W., 5,50 Mark und am 31.1. Montag: Ball in der „Sonne“. 5,50 Mark. Dazwischen lagen noch Veranstaltungen in Röhrsdorf und Borna. Summa sumarum verdiente E. Müller 53,50 Mark im Januar 1910 durch seine Tätigkeit als Tanzmusiker. Hier muss man allerdings auch wissen, dass früher bei Tanzveranstaltungen jedes Tanzpaar pro Tour (in der Regel 3, max. 4 Stücke) einen festen Betrag an die Kapelle zu zahlen hatte.

Postkartenansicht Gasthaus Krone - Quelle: Sammlung Heimatstuben

1912 (1/14)

Am 2. September war der König in Wittgensdorf. E.Müller: „Ich hatte dabei Musik zu spielen“. Abends war Tanzmusik. Amtierend war zu dieser Zeit der Sächsische König Friedrich August III.

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Friedrich_August_III._(Sachsen)

1912 (1/15)

  1. Oktober Kirmesball in Wittgensdorf, Sonntag. 39 Mark, Montag 17,85 Mark, Dienstag 25 Mark !! Für die damalige Zeit ein recht gutes Ergebnis für einen Tanzmusiker. Ende Teil 1, Teile 2 und 3 folgen in den nächsten Heften der Rundschau Wittgensdorf

Ullrich Nier
Ortschronist
Kultur- und Heimatverein Wittgensdorf e.V.

Quellenverzeichnis:
Geschichten aus dem Chemnitztal, Heimatverein Köthensdorf, Hefte 1 – 15

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